Silbermannforschung SLUB Dresden erwirbt bedeutendes Silbermann-Archiv

Johann Andreas Silbermann, Colmar im Elsass, Orgelprospekt von 1755, Orgel
Auch Johann Andreas Silbermann baute Orgeln wie sein berühmter Onkel Gottfried Silbermann. Diese Orgel von ihm aus dem Jahr 1755 steht in Colmar im Elsass. Bildrechte: imago images / sepp spiegl

Es sind Unmengen an Forschungsdaten in Form von Orgel-Beschreibungen und -Zeichnungen, aber auch Notizen über persönliche Anekdoten, die Johann Andreas Silbermann zwischen den 1720er- und 1780er-Jahren zusammengetragen hat. Dieses "Silbermann-Archiv" hat nun die Sächsische Landesbibliothek- Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) erworben. Es handelt sich um zentrale Handschriften des Orgelbauers Johann Andreas Silbermann, dem Neffen von Gottfried Silbermann, der den Orgelbau in Mitteldeutschland entscheidend geprägt hat.

Gewaltiger Forschungsbestand

Damit baut die SLUB ihre Musikabteilung weiter aus. Entsprechend glücklich zeigte sich bei der Präsentation am Montag auch der Generaldirektor des Hauses, Achim Bonte: "Wir sind sehr traditionsreich in der Erforschung von musikgeschichtlichen Quellen – und eben nicht zuletzt zum Orgelbau und Orgelmusik." Das "Silbermann-Archiv" beinhalte 300 Orgel-Beschreibung und 200 Biografien zu Orgelbauern des 18. Jahrhunderts. Diese stünden ab sofort für die Forschung zur Verfügung.

Historische Personen erhalten Profil

2014 hatte die SLUB bereits das Reisetagebuch Johann Andreas Silbermanns angekauft. Das wird durch den Neuerwerb nun ergänzt. Beides biete auch Einblicke in die Persönlichkeit des Onkels Gottfried, so Albrecht Koch, Präsident der Silbermann-Gesellschaft, bei der heutigen Präsentation.                                      

Albrecht Koch, Präsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e.V. und Künstlerischer Leiter der Silbermann-Tage.
Albrecht Koch Bildrechte: Gottfried-Silbermann-Gesellschaft/Martin Förster

Es ist relativ wenig über Gottfried Silbermann überliefert. Indem was Johann Andreas Silbermann hier an Anekdoten, Begegnungen und Erinnerungen vermerkt, entsteht plötzlich ein Bild von ihm.

Albrecht Koch, Präsident der Silbermann-Gesellschaft

Laut Koch profiliere sich Sachsen durch diese Sammlung als Zentrum in der Silbermannforschung. Sowohl das Reisetagebuch als auch das neu erworbene "Silbermann-Archiv" sind bereits digital verfügbar.

Auch für Organisten inspirierend

Barbara Wiermann, die Leiterin der Musikabteilung der SLUB, betonte, dass die Dokumente den europäischen Blick und das große Netzwerk der Silbermannfamilie dokumentierten: "Das 'Silbermann-Archiv' und die Spezifikation wurden mit großer Akribie, Leidenschaft und Neugierde zusammengetragen. Mit eigenen Beschreibungen, Exzerpten aus der Literatur, eigenen Skizzen, eingeklebten Briefen und Kupferstichen". Die zahlreichen Details zu Instrumentenbau und Instrumentenpflege böten einen großen Quellenfundus für die Beschäftigung mit dem historischen Orgelbau im Allgemeinen und den jeweiligen Orgeln im Speziellen. "Es dürfte auch für Organisten viel anregendes Material bereithalten", so Wiermann.

Auch interessant

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Juni 2020 | 12:30 Uhr