Neuer Roman von Simone Buchholz Wer Krimis mag, wird "Hotel Cartagena" lieben

Die letzten drei Krimis von Simone Buchholz hießen "Blaue Nacht", "Beton Rouge" und "Mexikoring". Es waren alles Fälle für Staatsanwältin Chastity Riles – und alle wurden bei MDR KULTUR "Krimi des Monats". Schwächelt die Buchholz auch mal, fragt man sich? Unser Kritiker Stefan Maelck sagt: Nein! Denn auch ihr neuer Krimi "Hotel Cartagena" ist wieder richtig gut geworden – und "Krimi des Monats" bei MDR KULTUR.

von Stefan Maelck, MDR KULTUR-Literaturkritiker

In dem aktuellen Krimi "Hotel Cartagena" von Simone Buchholz geht um eine Geiselnahme in der Bar eines Edel-Hotels in der Hamburger Hafen City.

Schriftstellerin Simone Buchholz, in einem Straßencafe sitzend
Schriftstellerin Simone Buchholz Bildrechte: dpa

Faller – der Kollege von Staatsanwältin und Protagonistin Chastity Riles – feiert seinen 65. Geburtstag, denn man kann ja auch kaum glauben, dass nun die Rente kommt, wo man ihn gerade so richtig ins Herz geschlossen hat. So wie alle anderen von der Truppe, außer Stepanovich vielleicht, aber der ist ja noch nicht so lange dabei.

Aus der Situation der Feier soll noch eine Lage werden. Zuvor verletzt sich Chastity ihren Daumen an einer Ananas. Der schwillt im Laufe des Abends auf Ballongröße an (woran man wieder sehen kann, dass Drinks mit exotischen Früchten echt gefährlich sind) und das alles bevor die ersten Schüssen fallen.

Rückblende in die 80er

Simone Buchholz, Hotel Cartagena
Das Cover des Krimis "Hotel Cartagena" von Simone Buchholz Bildrechte: Suhrkamp

Dann gibt’s erstmal eine Rückblende ins Jahr 1984, der Fall hat mit Vergangenheit zu tun, wie das meiste im Leben, mit Kiez und Drogen und Rache. Buchholz schildert den Werdegang von Henning: "Henning wollte kein Seemann werden. Er wollte einfach nur etwas anderes werden als das, was er war. Er stand an Deck, während das Schiff auslief, er warf noch einen letzten Blick auf Hamburg, auf St. Pauli, auf Altona, auf Blankenese, aufs kommende Gewitter. Kurz hinter Wedel ging er in die Kombüse und begann mit der erstbesten Arbeit, die der Koch ihm gab. Vierzehn Tage später ging Henning in Cartagena an Land. Kolumbien. Der Schiffskoch hatte ihm hundert Dollar Startgeld mitgegeben, weil er ihn mochte, weil Henning gut gearbeitet hatte und weil er nicht wollte, dass der Junge aus dem Stand unter die Räder kam." Doch Henning lernt schnell die falschen richtigen Leute kennen und wer etwas über Kolumbien weiß, der vermutet bei Import/Export jetzt natürlich keinen Ananashandel.

Waffenschau

Eine vorgehaltene Pistole
Der Krimi von Simone Buchholz verspricht Spannung Bildrechte: colourbox.com

Henning kommt zweimal mit dem Leben davon – seine Familie nicht. Irgendwann ist er schließlich zurück in Hamburg, um den Mann zu stellen, der ihn verraten hat, was im Buch so klingt: "Sie sind insgesamt zu zwölft. Sie tragen dunkle Anzüge, die Waffen haben sie einfach unter ihren Jacketts hervorgezogen. Uzis, kurze Pumpguns, abgeschnittene Schrotflinten, 45er Colts. Lauter Sachen, die ziemlich Eindruck machen. Die Schüsse gingen in die Decke, es wurde niemand verletzt, aber auf eine Art wurden wir es natürlich doch. Keiner bewegt sich. Als wäre uns das Blut abgezapft worden. Sie haben uns alle in der hinteren Ecke der Bar zusammengetrieben und sofort die Telefone eingesammelt, die ganze Aktion hat nicht mal zwei Minuten gedauert. Ein Mann steht am Tresen und hält einem der beiden Barkeeper seine Uzi an den Kopf, der Barkeeper muss mit der Rezeption telefonieren."

Man fragt sich allerdings bis zum Showdown: Was wollen die Geiselnehmer eigentlich? Auch Staatsanwältin Chastity kann sich keinen Reim darauf machen – und bekommt Fieber wegen des entzündeten Fingers. Während Stepanovich jedoch draußen Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um seine Kollegen heil aus der Bar zu holen  – was für ein Bild – fließen drinnen die Gin Tonics in Strömen vor perfektem Hafenpanorama.

Eindrucksvoller Showdown

Simone Buchholz erzählt wie immer lakonisch locker aus der Hüfte, nicht nur die Geschichte von Henning, wir erfahren auch wieder etwas mehr über Stepanovich, über Riley, über Faller und den bunten Reigen ihrer Traumata aus Wurzelbehandlung, Galore und Zitatenhagel. Am Ende zieht das Tempo an, über etliche Seiten wird die Handlung in stakkatohaften Sätzen geradezu gerapt. Was für ein Showdown!

Das Buch Simone Buchholz: "Hotel Cartagena"
230 Seiten. Klappenbroschur
ISBN: 978-3-518-47003-9
Suhrkamp Nova

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Dezember 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2019, 04:00 Uhr

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