Subversive Gelbköpfe Warum die Simpsons seit 30 Jahren so erfolgreich sind

Am 17. Dezember 1989 wurde die erste Simpsons-Pilotfolge ausgestrahlt. Zuvor waren die Gelbköpfe aus Springfield von Zeichner Matt Groening einmalig als Kurzfilm in der "Tracey Ullman Show" zu sehen. Bis heute hält die Begeisterung für die subversiv-provokante Familie an: über 30 Staffeln mit Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie wurden mittlerweile veröffentlicht. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Lisa, Marge, Maggie, Bart & Homer Simpson
Zu Beginn wirkte der Simpsons-Zeichenstil noch etwas ungelenk. Bildrechte: imago images/Mary Evans

Vor 30 Jahren wurden die Simpsons erstmals als eigenständige Folge ausgestrahlt. Die Serie läuft bis heute und hat schnell höchste Aufmerksamkeit erlangt, George H. W. Bush bemerkte: "Wir werden weiter versuchen, die amerikanische Familie zu stärken, dafür zu sorgen, dass amerikanische Familien viel mehr den Waltons und viel weniger den Simpsons gleichen."

Donald Trump in der Zeichentrick-Serie "Die Simpsons". Er sitz im Schlafanzug in seinem Bett und telefoniert.
Sogar einen US-Präsident Trump haben die Simpsons im Jahr 2000 vorausgesehen Bildrechte: FOX

Was für ein Ritterschlag! Denn es ist schließlich nicht irgendwer, der sich hier die Simpsons als Inkarnation einer zerstörten, kaputten Familie vorknöpft. Sondern George Bush, die Seniorausgabe, 1992 immerhin US-Präsident. Auch wenn die Anerkennung in negativer Form geschieht und Bushs Aussage widerspruchsfrei belegt, dass er nicht zu den Fans der Familie aus Springfield zählt – klar wird, welchen Stellenwert die Simpsons haben.

Eine amerikanische Familie

Nach Auftritten in der Tracey Ullman-Show starten die Simpsons im Dezember 1989 ihre eigene Fernsehserie. Geben sie sich in "Es weihnachtet schwer" noch vergleichsweise zurückhaltend, legen sie diese Fassade rasch ab und erstrahlen bald im subversiv-provokantem Glanz. Die zweifelhaften Schönheiten in Gelb konterkarieren mit ihrer Fernsehserie alles, was sonst in anderen Programmen so gern beschworen wird: Provinzidyll und Gottesfürchtigkeit, amerikanische Demokratie und Karrierebewusstsein, Schönheitsnormen und Familienglück.

Die Simpsons als Pop-Phänomen

Seit drei Jahrzehnten gibt es die Comicserie mit den gelbköpfigen Protagonisten. Wie sehr sie mittlerweile den globalen Zeitgeist repräsentieren, können Sie hier sehen.

Lisa, Marge, Maggie, Bart & Homer Simpson
In den ersten Folgen waren die Simpsons noch recht ungelenk gezeichnet Bildrechte: imago images/Mary Evans
Lisa, Marge, Maggie, Bart & Homer Simpson
In den ersten Folgen waren die Simpsons noch recht ungelenk gezeichnet Bildrechte: imago images/Mary Evans
Plakatmotiv einer Kampagne der Frankfurter Allgemeine Zeitung mit den Simpsons
Werbekampagne der Frankfurter Allgemeine Zeitung mit den Simpsons Bildrechte: FAZ/dpa
Simpsons Figuren auf einem Schachbrett
Auch als Schachspiel gibt es die Comichelden Bildrechte: imago/Thomas Eisenhuth
Lego-Figuren von Homer Simpson und Ned Flanders
Lego-Figuren von Homer Simpson und Ned Flanders Bildrechte: Lego/dpa
Die Comic-Figuren ''Die Simpsons'' am Strand von Maspalomas als Kunstwerk aus Sand geformt.
Die Comic-Figuren am Strand von Maspalomas (Gran Canaria) als Kunstwerk aus Sand Bildrechte: imago/imagebroker
Comic Die Simpsons auf Sächsisch
Die Simpsons gibt es auch als Comic auf sächsisch Bildrechte: dpa
Banner mit Karikaturen von Putin während eines Protestes der Opposition im Sacharow-Prospekt im Zentrum Moskaus.
Banner mit Karikaturen von Putin im Simpsons-Stil während einer Protestkundgebung in Moskau Bildrechte: imago/ITAR-TASS
Produzent Matt Groening während der Präsentation der Briefmarkenserie in Los Angeles.
Produzent Matt Groening während der Präsentation der Simpsons-Briefmarkenserie Bildrechte: imago/UPI Photo
 Elvis Costello, Tom Petty, Keith Richards, Homer Simpson, Mick Jagger, Lenny Kravitz & Brian Setzer
Popstars auf der Simpsons-Couch: Elvis Costello, Tom Petty, Keith Richards, Homer Simpson, Mick Jagger, Lenny Kravitz & Brian Setzer (vlnr) Bildrechte: imago images/Mary Evans
Simpson Store in Beijing (China)
Simpsons Store in der chinesischen Hauptstadt Peking Bildrechte: imago/ZUMA Press
Bart Simpson
Das Pop-Phänomen Simpsons huldigt dem Horrorfilm-Klassiker "The Shining" Bildrechte: imago/Prod.DB
Matt Groening
Simpsons-Erfinder Matt Groening Bildrechte: imago/ZUMA Press
Simpsons aus Lego-Steinen
Es wurde auch eine Folge gedreht, in der die Titelhelden als Lego-Figuren auftreten Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection
Donald Trump in der Zeichentrick-Serie "Die Simpsons". Er sitz im Schlafanzug in seinem Bett und telefoniert.
Prophetisch: in einer Folge im Jahr 2000 warnten die Simpsons schon vor einem US-Präsidenten Donald Trump Bildrechte: FOX
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Der Erfolg ist riesig. Und in diesen Dimensionen völlig unerwartet. Simpsons-Schöpfer Matt Groening hat ein paar Theorien, weshalb das so kommt: "Ich denke, es ist ein sehr einfaches und konservatives Serienmodell. Eine Familie in einer Sitcom, dieses Modell gibt es zu Hunderten im Realformat. Innerhalb dieser Struktur können wir jede Form der Komik nutzen. Wir können albernen Slapstick machen, wir können auf Wortwitz setzen, literarische, künstlerische und musikalische Referenzpunkte setzen. Wir können alles machen, was wir wollen."

Everybody's Darling

Elvis Costello, Tom Petty, Keith Richards, Homer Simpson, Mick Jagger, Lenny Kravitz und Brian Setzer
Promis auf der Simpsons-Couch: Elvis Costello, Tom Petty, Keith Richards, Homer Simpson, Mick Jagger, Lenny Kravitz und Brian Setzer (vlnr) Bildrechte: imago images/Mary Evans

An dem Erfolg der Simpsons wollen viele teilhaben, nicht nur die eigentlichen Macher. Neben den üblichen Spiele- und Tassenherstellern sind es auch zahlreiche Autoren, die sich über die politische Bedeutung der Serie den Kopf zerbrechen oder wahlweise Verbindungen herstellen zwischen den Simpsons und der Philosophie, der Theologie oder der Mathematik. Und da sind die vielen Stars, die nur allzu gern dieses Satireflaggschiff betreten: Von Green Day bis Mr. Spock.

Hunderte von Folgen haben sich über die letzten 30 Jahre zusammengesimpsonst. Freilich mehren sich die Stimmen, die der Meinung sind, es sei nun langsam gut. Klar, den anarchistischen Charme zu wahren fällt schwer, wenn man längst selbst Institution ist. Doch nach einem Ende sieht es nicht aus: Im deutschen Free-TV läuft mittlerweile die 30. Staffel, weitere werden starten und ein zweiter "Simpsons"-Film ist angekündigt. Die Zukunft ist gelb.

Comic Die Simpsons auf Sächsisch
Simpsons-Comic auf Sächsisch Bildrechte: dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Dezember 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2019, 04:00 Uhr

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