Unterstützung für Kreative Corona-Soforthilfen für Kulturschaffende: Leider nicht für alle

Freie Kulturschaffende geraten in Zeiten der Corona-Krise zunehmend in Bedrängnis: Auftritte sind gestrichen, Aufträge fehlen und nun fallen sie oft auch noch durchs Raster der Soforthilfen. Die Politik kennt die Lücken und will nachjustieren.

Auf einem Laptop ist das Antragsformular für die Corona-Soforthilfen zu sehen. Die Hilfen können in Sachsen-Anhalt der Investitionsbank beantragt werden.
Die Anträge sollen einfach und unbürokratisch sein. Aber sie denken nicht alle Betroffenen mit. Bildrechte: dpa

Innerhalb weniger Wochen haben Bund und Länder Soforthilfeprogramme für Soloselbstständige und Kleinunternehmen verabschiedet. Schnell, vielleicht aber zu schnell. Denn, es gibt noch viel zu klären, etwa wie und ob die Zuschüsse aus verschiedenen Programmen miteinander verrechnet werden oder für welche Ausgaben Zuschüsse beantragt werden können. Gerade für den Kulturbereich – einer Branche, in der es oft kein stetiges Einkommen und keine messbaren Betriebsausgaben gibt – ist vieles nicht geklärt.

Betriebsausgaben ja, aber kein Einkommensverlust

Die Soforthilfe des Bundes etwa gewährt einen Zuschuss für laufende betriebliche Kosten, nicht aber für Einkommensausfälle infolge der Corona-Krise. Da die Konditionen für den Zuschuss der Länder in das Bundesprogramm überführt wurden, gilt das auch für Soloselbstständige und Kleinunternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Für Kulturschaffende der freien Szene eine Lücke im System: "Gerade die Solo-Selbstständigen und die Kulturschaffenden, die selbstständig sind, haben oftmals eben kein Atelier und keine Betriebsstätten, wo Kosten anfallen, sondern die arbeiten von zuhause und haben hauptsächlich Ausfälle, weil sie keine Aufträge mehr haben und das wird dadurch nicht kompensiert", erklärt Thomas Putz vom LAG Soziokultur Thüringen e.V.

Aus dem Wirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt heißt es aber, man könne auch anteilige Mietkosten etwa für ein Arbeitszimmer oder die Energiekosten geltend machen. Und auch die Krankenversicherung und Altersvorsorge würden, laut Thüringer Wirtschaftsministerium, eingerechnet. Sachsen verweist indes auf ein Soforthilfe-Darlehen, dass auch Künstlerinnen und Künstler beantragen könnten.

Unterstützung für Kulturschaffende

Schon länger bietet Sachsen-Anhalt ein eigenes Soforthilfeprogramm für Kulturschaffende an. Das Land zahlt 400 € pro Monat und Person. Und auch Sachsen und Thüringen haben nachjustiert: Während in Thüringen nun auch gemeinnützige Kultureinrichtungen gefördert werden, hat Sachsen gestern angekündigt weitere 10 Millionen für die Kulturförderung bereitstellen zu wollen.

Bundesweit setzt man außerdem auf die Grundsicherung. Die ist nun für Kreative und Freiberufler geöffnet worden – ohne Prüfung von Vermögen und Wohnungsgröße. Die Masse an Programmen hat aber auch seine Tücken.

Ticketkäufe können den Zuschuss verringern

Die Hilfe kann an mehreren Stellen gleichzeitig beantragt werden. Allerdings werden die Zuschüsse miteinander verrechnet. Auch der gut gemeinte Kauf von Tickets, um Künstler und Künstlerinnen zu unterstützen, kann gegebenenfalls als Einkommen gewertet werden und somit den Zuschuss mindern. Spenden zählen aber nicht darunter.

Bisher zielen die Programme aber nur auf den aktuellen Mindestbedarf. Für eine Branche, die lange Vorlaufzeiten durch Proben, Förderanträge und Auftragsplanungen braucht, kommt die große Krise aber wahrscheinlich erst nach Corona.

Drei Wellen der Krise

Josephine Hage von der Organisation Kreatives Sachsen geht von drei Phasen der Krise für Kulturschaffende aus. Die erste Phase sei jetzt: Künstlerinnen und Künstler hätten Einnahmenausfälle durch fehlende Auftritte und Aufträge. In der zweiten Welle, wahrscheinlich im Herbst, sei die Dichte an Veranstaltungen dann extrem hoch. Um das Publikum zu locken, werden die Veranstalter dann vor allem auf bekannte Namen setzen, so Hages Prognose. Erschwerend sei in dieser Phase die Situation der Auftraggeber: "Die schwierige wirtschaftliche Lage bei den Auftraggebern wird sich niederschlagen auf keine oder nur sehr geringe Budgets für kulturelle und kreative Leistungen."

Die dritte Phase sei dann eine unmittelbare Auswirkung der jetzigen Maßnahmen. Denn, alle Filme und Musiktitel, die jetzt nicht gezeigt und gespielt würden, sorgten 2021 dann für Lücken bei der Vergütung.

Unterstützung für die Kulturszene

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. April 2020 | 12:10 Uhr