Äpfel der Sorte Jonagold liegen nebeneinander in einer Stiege
Als Apfelsorte heute bekannt und beliebt: Jonagold. Bildrechte: IMAGO

Kleine Kulturgeschichte Wie der Apfel zu unserem wichtigsten Obst wurde

Äpfel sind unser wichtigstes Obst: Jeder Deutsche isst 20 Kilogramm im Jahr. Dazu kommen nochmal fünf Kilogramm Äpfel in Form von Apfelsaft und Apfelmus. In diesen Tagen findet in den Anbauregionen die Apfelernte statt. Wie ist der Apfel zum wichtigsten Obst geworden?

von Sabine Frank, MDR KULTUR

Äpfel der Sorte Jonagold liegen nebeneinander in einer Stiege
Als Apfelsorte heute bekannt und beliebt: Jonagold. Bildrechte: IMAGO

Schon in der Bibel taucht der Apfel auf, und das auch noch äußerst prominent: Im Alten Testament pflückte ihn Eva verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis. Doch ob es wirklich ein Apfel war, ist umstritten. Denn tatsächlich ist im Bibeltext davon die Rede, Eva hätte eine "Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse" gepflückt – und das, wird vermutet, war kein Apfel, sondern eine Feige.

Ein Gemälde von Carlo Cignani (1628–1719) zeigt Adam und Eva mit jeweils einem Apfel in der Hand im Paradies.
Adam und Eva – und der verbotene Apfel. Bildrechte: IMAGO

Mit Äpfeln ist schon früh gehandelt worden. Sie galten bereits in der Antike als gesund. Bei den Kelten und Germanen wurde eine Wildform, der Holzapfel, als Mus oder Met mit viel Honig verzehrt, auch im Kaukasus und in Asien war der Apfel in verschiedenen Wildformen bekannt. Im Mittelmeerraum entstanden schließlich erste Kreuzungen und Verfeinerungen. Die Römer revolutionierten die Apfelzucht: Durch Zufallskreuzungen verschiedener Sorten züchteten sie ertragreiche und schmackhaftere Exemplare.

Liebhaberei der Klöster und der Fürsten

Vor allem in der Lagerfähigkeit ist der Apfel fast allen anderen heimischen Obstsorten überlegen. Mit Pektin kann man ihn einkochen, aus vergorenem Most entsteht Alkohol, und auch zum Backen und Kochen eignet sich das Obst. Doch in Deutschland blieb der Apfel lange eine Liebhaberei der Klöster und Fürsten. Äpfel anzubauen war anspruchsvoll: Man benötigte dazu einen Weizenboden, viel Platz – und der Ertrag galt als unsicher.

Erst im 18. Jahrhundert förderten die ersten Fürsten den Obstbau. 1740 verfügte Friedrich II. die Anpflanzung von Obstbäumen im ganzen Land, in Baden-Württemberg wurden fürstliche Baumschulen errichtet. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, Gründer des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches, ließ sogar Apfelalleen an Landstraßen anpflanzen. Der Apfel galt als Symbol eines gut regierten Landes.

Obstbestimmung - Apfel
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Biedermeier-Phänomen

Um 1800 wurde der Apfelanbau von einer fürstlichen zu einer bürgerlichen Liebhaberei. Lehrer, Pfarrer und Apotheker pflanzten sich Apfelbäume in ihre Gärten; in Weimar erschien die Zeitschrift "Der Deutsche Obstgärtner". Der Apfel entwickelte sich zum typischen Biedermeier-Phänomen. Es wurde viel Ehrgeiz in die Apfelzucht gesteckt und es gab dutzende Apfelsorten.

Im Zuge der Industrialisierung kam die ersten professionellen Baumschulen auf. 1853 fand in Naumburg die erste "Deutsche Obstausstellung" statt, für die Früchte aus ganz Deutschland eingesandt wurden und Preisrichter ein "Reichsobstsortiment" zusammenstellten.

Rückbesinnung auf alte Sorten

Eine Frau sortiert Äpfel in einer großen Kiste.
Apfelernte in der Oberlausitz Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Am Bodensee und im Alten Land bei Hamburg hatte man sich inzwischen auf den Apfelanbau spezialisiert. Der Apfel wurde Handelsgut – was zählte, war die Haltbarkeit und Transportfähigkeit. Ende des 20. Jahrhunderts meinte man, dem Käufer nur noch gleich aussehende, gleich große Äpfel ohne Schorf verkaufen zu können. Diese Eigenschaften gingen zu Lasten von Vielfalt und Geschmack, gezüchtet und verkauft wurden hauptsächlich die Sorten Braeburn, Gala Royal und Elstar.

Seit einiger Zeit lässt sich jedoch eine Rückbesinnung beim Apfelanbau beobachten. Manche Obstbauern bauen wieder die guten alten Apfelsorten an, Streuobstwiesen stehen unter Schutz. Darüber hinaus gibt es viele Initiativen: Im Muskauer Park in der Oberlausitz finden beispielsweise die "Mitteleuropäischen Apfel- und Genusstage" statt. Dort stellen sich regionale Baumschulen vor und zeigen 200 verschiedene Apfelsorten. Wer mag, kann Äpfel aus dem eigenen Garten zur Bestimmung mitbringen.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Spezial | 27.09.2017 | 18:05 Uhr

U.a. mit folgenden Themen:

- Bildschön, rot, verführerisch – über den Apfel in der bildenden Kunst, in Mythen und Legenden, und

- Pflück' Dir deinen Apfel – die Agrar- und Absatzgenossenschaft eG Naumburg lädt zur Apfelselbstpflücke ein.

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2017, 20:20 Uhr