"Spiel des Grauens" Schüler in Annaberg bringen Stück über KZ-Orchester auf die Bühne

Im Vernichtungs- und Arbeitslager Auschwitz-Birkenau spielten 1943/44 zirka vierzig junge Musikerinnen in einem Orchester. 75 Jahre nach der Befreiung des KZ erinnern 130 Schülerinnen und Schüler aus der Evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz in einem musikalischen Theaterstück gleichen Namens an dieses perfide "Spiel des Grauens". Aufgeführt wird es auf der Bühne des Eduard-von-Winterstein-Theaters Annaberg. Heike Schwarzer brachte für MDR KULTUR Eindrücke aus einer Probe mit.

Spiel des Grauens
Die Schülerinnen und Schüler verarbeiten in dem Stück u.a. ihre Konfrontation mit dem Konzentrationslager Auschwitz Bildrechte: Sebastian Paul/16zu9, Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz

In dem musikalischen Theaterstück "Spiel des Grauens" wird vom Mädchenorchester des Vernichtungs- und Arbeitslagers Auschwitz-Birkenau berichtet. Die etwa vierzig jungen Musikerinnen spielten zwischen Frühjahr 1943 und Herbst 1944 Musik von Klassik über Schlager bis zur Marschmusik. Ihre Musik war ein riesiges Täuschungsmanöver der Nazis zum grauenhaften Geschehen im Konzentrationslager. Den meisten Musikerinnen rettete die Mitwirkung in dem Orchester jedoch das Leben.

Idee einer Schülerin

Die Evangelische Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz führt das Stück "Spiel des Grauens" nun auf. Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Theaterprojekt hatte die Annaberger Schülerin Emma Schröer. Die Zwölftklässlerin hat mit ihren Mitschülern, Lehrern und Theaterleuten Auschwitz besucht und Recherchen, Zeitzeugenberichte und Interviews von Überlebenden in eine Textform für die Bühne gebracht.

Spiel des Grauens
Blick in die Inszenierung Bildrechte: MDR/Heike Schwarzer

"Spiel des Grauens" ist Schröers erstes Bühnenstück. Zu den Funktionen des Frauenorchesters sagt sie: "Zum einen sollte das für die SS zur Entspannung und Unterhaltung dienen. Das war ein Missbrauch der Musik, gerade beim Ein- und Auszug der Arbeiter, dass man sie besser zählen konnte, weil sie im Takt der Musik mitlaufen mussten. Und wer dort aus der Reihe getanzt ist, wurde meist ermordet."

Mahnender Blick in die Vergangenheit

Spiel des Grauens
Musiklehrer Daniel Zwiener und Dramaturgin Asia Schreiter Bildrechte: MDR/Heike Schwarzer

"Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen", schreibt Musiklehrer Daniel Zwiener im Programmheft, das detaillierte Hintergrundgeschichten zu Musik und Vernichtung im KZ Auschwitz beisteuert. Seit nunmehr einem Jahr führt er die Fäden für die Aufführung zusammen, gefördert vom Programm "Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz" und dem wichtigen Kooperationspartner, dem Annaberger Theater. Die Bühne des Eduard-von-Winterstein-Theaters widmet sich seit einigen Jahren Themen der Ausgrenzung.

Dramaturgin Asia Schreiter macht große Hoffnung, dass die Annaberger Jugendlichen die Geschichten vom Frauenorchester im KZ Auschwitz selbst erzählen wollten. Denn ohne die große Motivation der Jugendlichen für dieses Freizeitprojekt wäre das Stück undenkbar. 130 Annaberger Schülerinnen und Schüler bilden bei der Aufführung das Schauspielensemble. Sie spielen dabei Täter- und Häftlingsrollen, singen als Solisten oder im Massenchor und spielen im Orchester auf der Bühne.

Spiel des Grauens
Das Stück wird vier Mal aufgeführt Bildrechte: Sebastian Paul/16zu9, Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz

Aufführungen "Spiel des Grauens"
Theaterprojekt der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge Annaberg-Buchholz
Edurard-von-Winterstein-Theater Annaberg

Sa, 11.01.2020, 16.00 Uhr
Sa, 11.01.2020, 19.30 Uhr
Mo, 13.01.2020, 09.30 Uhr
Mo, 13.01.2020, 12.30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Januar 2020 | 16:40 Uhr

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