ARD Degeto PLAY, am Mittwoch (11.09.19) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Jennifer Reitwein (Emma Bading) schaut sich die virtuelle Waffe in ihrer Hand an.
Jennifer Reitwein (Emma Bading) schaut sich eine virtuelle Waffe in ihrer Hand an Bildrechte: BR/ARD Degeto/Sappralot Productions GmbH/Alexander Fischerkoesen

Interview "Play" - Ein packender Film über die Gefahren der Computer-Spielsucht

Computerspiele beeindrucken durch virtuelle Welten, die eine magische Sucht erzeugen können. Bildgewaltig, dank aktueller Rechenleistung, erzeugen sie Bilder, die die profane Realität aus Hausaufgaben und Nieselregen langweilig erscheinen lassen können. Manchmal wird die Sucht nach diesen Welten aber zur Gefahr für die Spieler. Der Fernsehfilm "Play" zeigt das packend auf. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die süchtig nach einem Computerspiel ist, in das sie abtaucht und in dem ihr zweites Ich ihr eigentliches Ich zu werden scheint – bis ihr Leben und das ihrer Familie aus den Fugen gerät. Im Gespräch ist Produzent Hamid Baroua.

ARD Degeto PLAY, am Mittwoch (11.09.19) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Jennifer Reitwein (Emma Bading) schaut sich die virtuelle Waffe in ihrer Hand an.
Jennifer Reitwein (Emma Bading) schaut sich eine virtuelle Waffe in ihrer Hand an Bildrechte: BR/ARD Degeto/Sappralot Productions GmbH/Alexander Fischerkoesen

MDR KULTUR: Herr Baroua, mit welcher Absicht haben Sie diesen Film gedreht? Er erzählt ja eine recht extreme Geschichte.

Hamid Baroua: Die Absicht war im ersten Gespräch mit Regisseur Philip Koch schnell klar. Wir haben uns über die Idee ausgetauscht, einen Film zu machen über einen online-spielsüchtigen Teenager. Und uns war klar, das muss ein Film werden, bei dem danach darüber diskutiert wird. Und dass es auf jeden Fall auch ein Film werden muss, der auf der einen Seite zeigt, wie krass so eine Sucht durch ein Onlinespiel sein kann. Der auf der anderen Seite aber auch deutlich macht, warum Menschen gerne spielen und was das Tolle und Schöne am Spielen ist – als Einblick für Menschen, die noch nie gespielt haben.

Sie erzählen von den Gefahren des Spielens, indem Sie das Schicksal von Jennifer zeigen. Aber Sie erzählen auch noch was anderes – und das ist vielleicht das wirklich innovative Moment dieses Films. Sie zeigen, wie Games aussehen, was für ästhetische Momente da geschaffen werden von den Computerspiele-Designern und haben ein Computerspiel kreiert, in das man als Zuschauer des Films eintauchen kann. Wie ist Ihnen diese Idee gekommen?

Mit der Idee haben wir überlegt, wie man das inszenatorisch in einem Film erzählen kann. Da war uns gleich in den ersten Gesprächen klar, dass wir nicht Over-Shoulder zeigen, wie ein junger Mensch vor einem PC-Monitor ist und wir schauen ihm dabei zu, wie er spielt. Das war damals und ist auch heute noch eine besondere Herausforderung – im Fernsehen zur Hauptsendezeit am Abend in der ARD ein Spiel bildfüllend zu erzählen, das gab es vorher noch nicht.

ARD Degeto PLAY, am Mittwoch (11.09.19) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Der VR-Game-Character "Sindruin".
Der Film nimmt die Zuschauer mit in die Spielewelt. Bildrechte: BR/ARD Degeto/Sappralot Productions GmbH/Alexander Fischerkoesen

Gleichzeitig hat es sich in den letzten Jahren durchaus auch in die Richtung entwickelt, wie es für uns beim Drehbuchschreiben ganz gut funktioniert hat, nämlich Virtual Reality mit hineinspielen zu lassen. Damit kann man dann auch inszenatorisch Dinge in der Interaktion zwischen Realfilmteil und dem fiktiven Spiel, das wir da erfunden haben zeigen. Zum Beispiel: man spannt einen Bogen, um einen Ork zu erlegen.

Es ist ein Film der Kontraste, mit dieser Zauberwelt auf der einen Seite und der harten Realität um Jennifer, die auch immer härter wird, auf der anderen. Was sagen Sie denn zum Diskurs über Computerspiele? Der ist ja aktuell auch voller Kontraste. Würden Sie sagen, beim gesellschaftlichen Reden über dieses Thema ist zu viel Angst im Spiel? Oder ist es angemessen? Wie sehen Sie das?

In meiner Generation, also alle ab 40 und älter, da gibt es wenig Austausch mit den aktuellen digitalen Techniken. Und deren Kinder im Teenageralter erleben Dinge, die sie einfach selber nicht kennen. Ich glaube von diesem Unbekannten kann die Angst kommen. Da hilft dann vielleicht auch so ein Film wie Play, um in einem Spielfilm zu zeigen: Deshalb ist es so toll in der Spielwelt.

Das Interview führte Ellen Schweda für MDR KULTUR

Teaserbild zur Podiumsdiskussion zu "PLAY" - Video 77 min
Bildrechte: MEDIEN360G

Angaben zum Film "Play"
Spielfilm, Deutschland 2019

Buch: Hamid Baroua
Regie: Phillip Koch

Darsteller:
Emma Bading - Jennifer Reitwein
Oliver Masucci - Frank Reitwein
Victoria Mayer - Ariane Reitwein

Sendetermin
Mi, 11.09.19 | 20:15 Uhr | Das Erste

Der Film ist bis zum 3. Dezember 2019 in der ARD Mediathek abrufbar.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. September 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 04:00 Uhr

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