Stimmungsbild Sachsens Theater hoffen auf Lockdown-Ende im Dezember

Viele Theater in Sachsen haben sich von den November-Einschränkungen überrumpelt gefühlt: Trotz aller Bemühungen um Hygienekonzepte dürfen die Häuser erneut kein Publikum empfangen. Die Theatermacher und -macherinnen meinen, dass der Wert des Theaters zu gering geschätzt wird. Dabei zeigte sich gerade in den vergangenen Monaten, wie wichtig die Theater als Begegnungsort sind. Deswegen planen die Spielstätten weniger Online-Formate und proben stattdessen für Vorstellungen im Dezember.

Oper Leipzig 4 min
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Viele Theater in Sachsen haben sich vom November-Lockdown überrumpelt gefühlt. Im Gegensatz zum Frühjahr setzen sie diesmal weniger auf Online-Angebote, sondern darauf, im Dezember wieder spielen können.

MDR KULTUR - Das Radio Do 12.11.2020 06:00Uhr 04:26 min

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Anders als im Frühjahrs-Lockdown gibt es im November an Sachsens Theatern kaum digitale Angebote. Das liege auch daran, erklärt der Intendant des Theaters Plauen-Zwickau, Roland May, dass nun eine andere Situation herrsche. "Wir sind ja in einer Situation, die uns immer noch erlaubt, zu probieren. Alle sind jetzt fixiert auf den Dezember, die Weihnachtsbespielung steht an, die Märchen werden probiert."

In allen sächsischen Häusern läuft der Probenbetrieb weitestgehend unverändert weiter. Zwar gab es Corona-Infektionen an der Leipziger Oper, dem Chemnitzer Theater und im Theater Plauen-Zwickau, doch die Infektionsketten konnten schnell unterbrochen werden. Produktionen können also fertiggestellt werden – allerdings muss die Energie länger gehalten werden, denn die Premieren wurden nach hinten verschoben.

Veränderte Stimmung auch beim Publikum

Bühne und Zuschauerraum der Semperoper
Auch der Spielbetrieb der Semperoper ist eingestellt – geprobt wird dennoch für den Dezember-Spielplan Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Und auch beim Publikum wird dieses Mal eine andere Stimmung wahrgenommen: Streaming-Formate hätten sich erschöpft, meint die Sprecherin der Dresdner Semperoper, Susanne Springer. "Wir suchen jetzt einfach andere Wege und hoffen, dass diese Zeit mit dem 30. November vorbei ist. Da bereiten wir jetzt den Spielplan für Dezember vor. Insofern wollen wir nicht wieder dahin zurückkommen, zu diesen Semperoper-zu-Hause-Geschichten, die wir gemacht hatten."

Stattdessen will die Semperoper neben dem Interviewformat "Pausengespräche" mit kleinen interaktiven Formaten überzeugen, auf denen sie ihr Publikum mit hinter die Kulissen nimmt und Einblicke in die Proben gibt. Ähnliche Ideen gibt es auch an der Staatsoperette und der Leipziger Oper.

Energie wird in Proben gesteckt

An vielen Häusern herrscht der Optimismus, zum Beginn des nächsten Monats wieder spielen zu können. Deswegen wird die Energie in die Probenarbeit gesteckt und nicht in aufwendige, digitale Formate. So sind beim Mittelsächsischen Theater Döbeln-Freiberg keine besonderen Aktionen geplant. Auch das Dresdner Theater der jungen Generation und das Bautzener Volkstheater bereiten keine digitalen Projekte vor. Das Leipziger Schauspiel ist zwar in den sozialen Medien aktiv, aber nicht mehr als sonst auch. Am Erzgebirgischen Theater will man sich ganz auf die Proben konzentrieren, heißt es in einer Videobotschaft vom Intendanten in Annaberg-Buchholz, Ingolf Huhn.

Ingolf Huhn, 2017
Ingolf Huhn, Intendant des Winterstein Theaters in Annaberg-Buchholz Bildrechte: dpa

Dieses Theater ist nur dann ein richtiges Theater, wenn Sie da sind, wenn Leute hier sind, die unsere Vorstellungen sehen wollen, die unsere Konzerte hören wollen. Dafür arbeiten wir das ganze Jahr über und dafür arbeiten wir auch jetzt.

Insgesamt wird in Sachsen zwar wenig Energie in digitale Alternativen gesetzt, allerdings werden bewährte Online-Produktionen fortgesetzt, wie die Tanzvideo-Reihe "Beethoven Today Actions" an den Landesbühnen Radebeul. Das Chemnitzer Theater führt das digitale Klassenzimmerstück "Wandertag im Weltraum" auf und plant am 21. November eine Live-Übertragung der Gala "On Broadway". Das Theater der jungen Welt Leipzig hat einige Formate vorbereitet: Das mobile Puppentheater "Frederick" wird für den digitalen Raum umgearbeitet. Zu den Tanzstücken "Schule des Wetters: Schnee" und "Es war zweimal" wurden Video-Tutorials zum Nachtanzen aufgenommen. Häuser wie das Gerhart-Hauptmann-Theater oder die Staatsoperette prüfen derzeit, ob sie einzelne Vorstellungen streamen könnten.

Ungewissheit sorgt für Unmut

Roland May, Generalintendant & Schauspieldirektor Theater Plauen-Zwickau
Roland May, Generalintendant & Schauspieldirektor Theater Plauen-Zwickau Bildrechte: MDR/Judith Burger

Am Theater Plauen-Zwickau wird neben den Proben auch an der Pandemie-Bewältigung gearbeitet. Roland May sagt, er sei sehr enttäuscht, wie die Politik mit den Theatern umgehe: "Wir haben keine Vorinformation gehabt, mit uns ist auch nicht kommuniziert worden. Wir haben Tage gebraucht, um zur Kenntnis zu nehmen, dass es nicht die Konzepte für Hygiene sind, sondern die Begegnung, also vor und nach den Aufführungen." Dabei hätten sie auch dafür Ideen, beispielsweise das Verteilen von FFP2-Masken unter den Zuschauern oder Durchsagen, dass sich Besucher bitte vereinzeln sollten.

Für Unmut bei den Proben sorgt auch die Unsicherheit, denn weiterhin ist unklar, ob am 1. Dezember wieder gespielt werden darf. Das beunruhigt besonders die Freie Szene, in der die Kunstschaffenden in der Regel projektbezogen arbeiten. Dass weiter geprobt werden darf, helfe sowohl mental als auch organisatorisch, meint Anne-Cathrin Lessel der Leipziger Produktionsstätte "LOFFT – DAS THEATER". "Wenn man Sachen jetzt schon zu Ende probt bis zum fertigen Stück, dann ist es logistisch einfacher, andere Aufführungen zu organisieren, weil man nicht nochmal zwei Wochen vorher proben muss." Für Künstler sei es aber sehr schwierig die Spannung einer Vorpremieren-Phase aufrecht zu erhalten, wenn man wisse, dass es keine Premiere gebe.

Bereits im Frühjahr hat das Lofft ein digitales Gesprächsformat entwickelt: "Pfeffi mit Steffi". Die Mitarbeiterin Stefanie Hauser trifft sich dafür an der Bar des Loffts mit Künstlerinnen und Künstlern, die am Haus arbeiten. Außerdem werden aktuell neue Online-Workshops entwickelt. Auch "HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste" hat einige Streamingformate eingeplant. So sollen Ende des Monats mehrere Konzerte online gezeigt werden, die im Rahmen von 4:3 Kammer Musik Neu oder Feature Ring aufgezeichnet wurden.

Auf Spenden und Treue angewiesen

Gerade für die Freie Szene ist finanzielle Unterstützung unter anderem vom Bund existenziell. Zudem können Zuschauer und Zuschauerinnen für einige Euro mehr Soli-Tickets kaufen. Bei allen Häusern kann man bereits gekaufte Karten auch komplett spenden.

In Zwickau hat zudem ein Schreiner aus Dielen des immer noch nicht renovierten Gewandhauses der Stadt Schlüsselbretter hergestellt. Deren Erlös wird an das Theater gespendet. Wichtiger als Spenden ist den Theatern aber, dass das Publikum ihnen treu bleibt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. November 2020 | 10:15 Uhr