Corona-Verordnung Wie Spielstätten in Thüringen dem Kultur-Lockdown begegnen

Der aktuelle Lockdown fällt genau in die Zeit, in der Theater und Konzerthäuser normalerweise mit großen Premieren und musikalischen Höhepunkten aufwarten. Im Vergleich zum Frühjahr konnten sich die Ensembles und Orchester diesmal zumindest besser auf die Spielpause vorbereiten. MDR KULTUR-Reporterin Lydia Jakobi hat sich an mehreren Spielstätten in Thüringen umgehört, wie die Häuser mit dem zweiten Corona-Lockdown umgehen.

Deutsches Nationaltheater Weimar
Auch am Deutschen Nationaltheater in Weimar finden derzeit keine Aufführungen statt. Bildrechte: Thomas Müller

Wenn die Menschen nicht zur Musik kommen können, dann kommt die Musik eben zu den Menschen. Ein Satz, der im Frühjahr 2020 so oder in abgewandelter Form häufiger fiel – und an dem sich auch die Philharmonie Jena orientierte. Mehrmals im Monat stellte das Orchester Konzertmitschnitte und kammermusikalische Aufführungen ins Internet, um irgendwie präsent zu bleiben.

Kurzarbeit nach CD-Aufnahme

Und jetzt im zweiten Lockdown? Erstmal wird es still, sagt Orchesterdirektorin Ina Holthaus, die das Haus eigentlich mit guten Hygieneschutzkonzepten für gewappnet hielt: "Der erste Lockdown damals kam natürlich überraschend und sehr plötzlich. Diesmal war es natürlich ein bisschen mit Ansage. Aber trotzdem haben wir gedacht, wir wären einigermaßen gefeit davor, weil wir gute Infektionsschutzkonzepte hatten. Und vor dem Hintergrund dieser ganzen Anstrengungen wieder in den Lockdown geschickt zu werden, das war schon bedrückend."

Die Philharmonie Jena nimmt nun noch wie geplant eine CD auf und geht danach für zwei Wochen in Kurzarbeit. Und das so knapp nach Saisonauftakt, bei dem zum Beispiel der Cellist Maximilian Hornung als Artist in Residence seine ersten erfolgreichen Konzerte gegeben hatte. Holthaus sagt dazu:

Da hatten wir das Gefühl, dass es gerade wieder angefangen hat Spaß zu machen, auch für das Publikum. Und das gerade die Freude, wieder ins Konzert zu gehen, dass das gerade wieder losging.

Ina Holthaus, Orchesterdirektorin der Philharmonie Jena

Proben laufen weiter

An den Thüringer Theatern ist die Lage etwas anders. Kay Kuntze, Intendant des Theaters Altenburg-Gera, schildert die Situation an seinem Haus so: "Wir arbeiten eigentlich erstmal so weiter, außer dass wir keine Vorstellungen vor Publikum spielen. Das ist schon gravierend für die Arbeitsmoral, aber man bleibt zumindest bei der Arbeit, man bleibt in Kontakt. Und die Probenprozesse laufen weiter, damit wir ab Dezember wieder spielfähig sind und bleiben."

Kammeroper "In der Strafkolonie" am Theater Gera
Inszenierungen wie die Kammeroper "In der Strafkolonie" am Theater Gera werden derzeit aufgrund des Lockdowns nicht aufgeführt Bildrechte: Ronny Ristok

Für den Beginn nach dem Lockdown liegt der pandemiegerechte Spielplan schon bereit, der "Plan C", wie die Theaterleute sagen. Ihm fiel beispielsweise eine große Ballettfestwoche zum Opfer. Dafür feiert man mit mehreren Inszenierungen den 30. Jahrestag der Wiedervereinigung oder den 150. Geburtstag des Altenburger Theaters.

Diesmal keine Netzaktivitäten

Der Schweizer Guy Montavon, Intendant des Theater Erfurt.
Guy Montavon Bildrechte: dpa

Auf Online-Darbietungen wolle man diesmal verzichten, sagt Kuntze. Und sein Kollege vom Theater Erfurt, Generalintendant Guy Montavon, pflichtet ihm bei: "Wenn man schon entscheidet, dass man die Theater zumacht, dann muss man die Theater zumachen. Dann hören Sie auch nichts von uns. Dann muss es still sein und dann muss auch die Bevölkerung und die politisch Verantwortlichen merken, wie still das ist, wenn die Theater, Orchester, Museen und die gesamte Kulturlandschaft, stumm gemacht wird."

Montavon erzählt auch, ihm fehle der Austausch mit dem Publikum, die Nähe zu den Menschen, die Aufführungen auf der Bühne. Aber er hoffe auf den Dezember. Dann will Montavon unter anderem eine Abwandlung der Strauß‘schen Operette "Die Fledermaus" zur Premiere bringen.

Es gibt auch Chancen durch Corona

Hasko Weber ist der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar. Er sieht in den Inszenierungen unter Corona-Bedingungen auch eine Chance für die Bühnenarbeit: "Einerseits ist es ein bisschen merkwürdig, dass man diese Distanzen nicht unterschreiten darf. Andererseits eröffnet es auch andere Fantasien. Also, das hat ja bisher, mit dem, was wir zur Premiere gebracht haben, einschließlich 'Maria Braun', zwei Tage bevor es wieder geschlossen war, ganz gut geklappt."

Zwei Trompeter der Staatskapelle in Weimar musizieren auf der Wiese des Klinikums Weimar.
Zwei Trompeter der Staatskapelle in Weimar musizieren im Frühjahr auf der Wiese des Klinikums Weimar Bildrechte: MDR/Jürgen Kolarzik

Nun denke man in Weimar über ein paar spontane Balkonauftritte nach, vielleicht über künstlerische Interventionen im Stadtraum, sagt Weber. Alle anderen Spielplan-Vorhaben würden unter den geltenden Hygienebestimmungen weiter verfolgt.

Eine hundertprozentige Sicherheit wird es an keiner Stelle geben. Aber dass man zumindest die großen Veranstaltungsräume zugänglich macht und Schwankungen in der Pandemie vielleicht zukünftig auch aushält, das wäre eine Zielsetzung, der ich nachgehen würde.

Hasko Weber über die Zeit nach dem Lockdown

Bis dahin heißt es: Die Stille hören – so wie es die Philharmonie Jena direkt zum ersten Motto der neuen Saison erkoren hat.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. November 2020 | 12:10 Uhr