Kunstwerk „Splitter“ von David Schnell: Drei blaue Rechtecke nebeneinander
Das dreiteilige Fenster "Splitter" von David Schnell Bildrechte: David Schnell

Neue Ausstellung David Schnell und sein Spiel mit den Perspektiven

In Chemnitz ist seit dem 2. Februar 2019 die Ausstellung "Splitter" des Künstlers David Schnell zu sehen. Seine so einfach scheinenden wie raffiniert gemachten Bilder werden zur sogenannten Neuen Leipziger Schule gezählt. Im Museum am Chemnitzer Theaterplatz ist nun nicht nur seine bisher größte Ausstellung im Osten zu sehen, es wurde auch ein Werk des Künstlers fest eingebaut: Nach Kirchen in Köln und Leipzig schmückt nun auch das Chemnitzer Städtische Museum eine farbige Glas-Malerei von David Schnell.

 Kunstwerk „Splitter“ von David Schnell: Drei blaue Rechtecke nebeneinander
Das dreiteilige Fenster "Splitter" von David Schnell Bildrechte: David Schnell

David Schnell gehört zu den profiliertesten Malern seiner Generation. Er war Teil der Liga, mit der die sogenannte Neue Leipziger Schule einen erstaunlichen Hype feierte. Mittlerweile ist es 15 Jahre her, dass der Run auf die Neue Malerei begann. Er machte Leipzig für ein paar Jahre zum Mekka der Sammler. David Schnell konnte den Erfolg verstetigen, sein frisch bezogenes Atelier in einer ehemaligen Leipziger Mädchenturnhalle ist wieder einmal leer, alles ist raus.

Ich sehe das tatsächlich als, ich sag mal, als ein Luxusproblem von mir, dass ich sehr viele Termine hab, also sehr viele Ausstellungen, auf die ich hinarbeiten kann. Und ich bin schon jemand, der auch einen gewissen Druck braucht, um die Bilder dann zu beenden.

David Schnell

Perspektiven

Reichlich ein Dutzend riesiger und kleinerer Gemälde und Grafiken sind jetzt in Chemnitz versammelt. Die älteren zeigen verklemmte Schuppenreste, wie explodiert oder von unbekannter Macht zerschoben. Schnell wird hier klar: die Perspektiven stimmen nicht mehr – oder eine Perspektive saugt mit Macht, so dass der eigene Standpunkt in Gefahr gerät. Perspektive war und ist Schnells Leidenschaft.

Am Anfang war es eher so, dass ich die Perspektive benutzt habe, um quasi die Natur und Landschaft nachzukonstruieren und an diesem Konstruktionsmoment einfach interessiert war, so dass ich quasi die Künstlichkeit und Gemachtheit der Landschaft durch die perspektivisch Konstruktion aufnehmen und noch verstärken konnte.

David Schnell

Visuelle Unbestimmtheit

Die irritierende Perspektive ist der eine Trick des 1971 geborenen Künstlers, der andere ist eine visuelle Unbestimmtheitsrelation. Jedes vermeintliche Blatt bei einem Bild, das an einen Dornbusch erinnert, ist nur ein Fleck. Allerdings wird den Augen der Weg durch Dickichte und Farbnebel leicht gemacht, denn das Arrangement bringt alles zusammen. Die Einzelform fließt oder tanzt ihren Rhythmus, das Bild steht.

Über seine Herangehensweise sagt Schnell: "Mal habe ich das Bedürfnis, dass es einen konkreteren Erinnerungsmoment gibt, also wo sich der Betrachter, ich sage mal, schneller oder einfacher wiederfindet. Und mal ist es so, dass ich ein Bild tatsächlich nur mit Flecken anfange, und der Raum sich aus diesen Flecken heraus, aus Zufällen, ergibt."

Neben seinen Gemälden arbeitet Schnell auch mit Glas. Nach Kirchenfenstern in Leipzig und Köln gibt es nun auch drei Museumsfenster des Künstlers in Chemnitz zu sehen. Deren Titel "Splitter" gab auch der aktuellen Chemnitzer Ausstellung ihren Namen.

Die Ausstellung "Splitter. David Schnell"

Kunstsammlungen Chemnitz
2. Februar 2019 bis 12. Mai 2019

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag, Feiertag 11-18 Uhr
Mittwoch 14-21 Uhr

Veranstaltungen:
27. Februar 2019 | 18:30 Uhr
Die Glasscheibe als Medium zeitgenössischer Malerei.
David Schnell im Kontext aktueller Positionen
Vortrag von Dr. Barbara John

13. März 2019 | 18:30 Uhr
David Schnell im Gespräch mit Dr. Frédéric Bußmann

Mehr Ausstellungshinweise

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 31. Januar 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2019, 04:00 Uhr

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