"Searching for Macbeth" und "Der Zauberberg" Staatsschauspiel Dresden: So geht Theater in Corona-Zeiten

Noch im Frühjahr wurde im Staatsschauspiel Dresden für Shakespeares "Macbeth" geprobt – und dann kam Corona. Jetzt kommt das Stück von und mit Schauspieler Christian Friedel in abgespeckter Form auf die Bühne. Weniger Abstriche hingegen musste bei der Inszenierung von Thomas Manns "Der Zauberberg" gemacht werden. Wenn der Handlungsort ein Sanatorium ist, fällt es leichter, sich Hygieneregeln anzupassen. Hier ist das Coronavirus Thema.

Bühne - Zwei Darsteller liebkosen sich - getrennt durch eine durchsichtige Plastikfolie.
In der Inszenierung "Der Zauberberg" am Staatsschauspiel Dresden ist die Liebesszene Corona-konform hinter Plastik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Macbeth ist fast allein auf der Bühne des Dresdner Staatsschauspiels. Er mordet mit Abstand. Seine Verzweiflung, der Rausch des Blutes, seine Machtgier, all das ist ein einsamer Akt. Begleitet von der Band "Woods of Birnham", hat der Schauspieler Christian Friedel als Einstieg in die neue Spielzeit eine sehr abgespeckte Variante seiner geplanten "Macbeth"-Inszenierung auf die Bühne gebracht. Er nennt es "Searching for Macbeth".

31 Personen weniger auf der Bühne

Szene aus Searching for Macbeth am Dresdner Staatsschauspiel
Christian Friedel in "Searching for Macbeth" Bildrechte: Staatsschauspiel Dresden/Sebastian Hoppe

Friedel erklärt: "Den Abend, den wir jetzt zeigen, das ist ja ein Vorgeschmack, ein theatralischer Trailer, wo ganze 31 Personen fehlen. Wir sind insgesamt sonst 37 Personen auf der Bühne und jetzt sehen wir sozusagen die Band und die beiden Macbeth. Und das ist natürlich schon ein großer Unterschied."

Im Frühling 2020 konnte noch regulär geprobt werden – das war vor Corona. Christian Friedel probte exzessiv mit Tänzern, Schauspielern, Musikern. Ein "großer" Shakespeare-Abend sollte es werden. Mit all der Nähe, den Tränen und dem Schweiß des Theaters.

Es war praktisch fertig im März.

Christian Friedel, Schauspieler und Regisseur "Macbeth"

Christian Friedel führt aus: "Aber es ist immer so, die letzte Woche ist immer die Woche, wo einiges verändert wird oder entschieden wird oder weggelassen wird. Wo man dann wirklich das Stück zur Premiere bringt. Und daran wurden wir eigentlich gehindert. Kurz vor diesem Moment."

Christian Friedel 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Der Zauberberg": Abstand als Teil der Inszenierung

Schauspieler Philipp Grimm in einer Rolle mit Zigarette und Thermometer im Mund.
Philipp Grimm in "Der Zauberberg" Bildrechte: Sebastian Hoppe

Sechs Monate später steht im Staatsschauspiel Dresden wieder alles auf Anfang. Für die Zuschauer werden "Leitsysteme" errichtet, damit sie sich weniger begegnen. Überall Warnschilder, das Theater als Gefahrenzone. Auch auf der Bühne gilt: eineinhalb Meter Minimum zwischen den Schauspielern, und wenn jemand ausrastet, mindestens sechs Meter. In der eilig während des Lockdowns entwickelten Inszenierung "Der Zauberberg" nach Thomas Mann passt das. Im Sanatorium des Romans ist Nähe unter Lungenkranken sowieso verpönt. Im Sanatorium auf der Bühne jetzt auch.

Darsteller Philipp Grimm beschreibt sein Spiel in "Der Zauberberg": "Du musst Dir das so vorstellen, dass ich die ganze Zeit Impulse in mir spüre, die mich eigentlich dazu bringen, jetzt zum Beispiel Dich anzufassen. Aber diesen Impuls kann ich nicht ausführen, sondern ich muss ihn runterschlucken und dann was anderes dafür finden."

Eine hygienisch korrekte Liebesszene

"Der Zauberberg" ist voller Corona-Inspirationen – in der Inszenierung wird die Not zur Tugend. Selbst die unvermeidliche Liebesszene ist unter heutigen Maßstäben: hygienisch korrekt.

Regisseurin Daniela Löffner erklärt: "Berührungen sind absolut tabu und deswegen fährt in der Liebesszene jetzt bei uns diese Folie runter. Es gibt tatsächlich jetzt in Altenheimen, in Corona-Zeiten konnte man das sehen, so Umarmungstunnel, wo die Leute sich umarmen können mit Folie dazwischen, sodass das Umarmungsgefühl stattfindet, aber kein Hautkontakt."

Ich bin froh, überhaupt Theater zu spielen.

Christian Friedel
Eingang am Dresdner Staatsschauspiel
Auch Theaterfans müssen mit dem veränderten Umständen umgehen. Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky

Die große Bühne wird jetzt zum kleinen Kammerspiel. Solisten überall, auf der Bühne und im Zuschauerraum. Das macht die Inszenierung intimer, leichter nicht. "Macbeth"-Darsteller Christian Friedel: "Ich hab an der Schauspielschule gelernt, gerade wenn wenig Leute da sind, ist es sehr, sehr schwer, diese Leute zu überzeugen. Weil natürlich nicht der Raum gefüllt ist von einer Stimmung, die sich automatisch auflädt, sondern da muss schon ein bisschen mehr passieren. Deswegen ist das auch eine Herausforderung."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 10. September 2020 | 22:10 Uhr