Spielzeit 2020/21 Dresdner Staatsschauspiel stellt neue Pläne vor: Corona, Zuversicht und Nachhaltigkeit

Die Themen Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit sollen die Spielzeit 2020/21 am Staatsschauspiel Dresden bestimmen. Das Leitungsteam des sächsischen Theaters hat am Mittwoch die Pläne für die kommende Saison vorgestellt. 31 Premieren sind geplant, darunter elf Uraufführungen und acht Produktionen der Bürger:Bühne. Vor allem der Saisonstart ist noch stark von der Coronakrise geprägt, die eine komplett Neuplanung erforderlich machte.

Pressekonferenz Staatsschauspiel Dresden
Pressekonferenz zur Spielzeit 2020/21, vorgestellt von Jörg Bochow, Joachim Klement und Tobias Rausch (v.l.n.r.) Bildrechte: Sebastian Hoppe

Das Dresdner Staatsschauspiel hat am Mittwoch seine Pläne für die kommende Saison präsentiert. Wie das Leitungsteam in einer Pressekonferenz bekannt gab, sind für die Spielzeit 31 Premieren angesetzt. Auch in den kommenden Monaten muss das Theater auf diverse Hygieneregeln achten, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden.

Dass das Virus großen Einfluss hat, zeigt sich auch daran, dass das Ende der gerade beendeten Spielzeit am Dresdner Staatsschauspiel fließend in die kommende übergeht. Die Corona-Schutzbestimmungen haben im März für ein abruptes Ende der Saison geführt und so wurden mehrere geplante Premieren in den September verschoben. Eröffnet wird die Spielzeit 2020/21 mit dem Konzertabend "Searching for Macbeth", bei dem der Frontmann der Band "Woods of Birnam", Christan Friedel, Einblicke in seine Inszenierung des Shakespeare-Klassikers geben will. Die eigentliche Premiere von Friedels "Macbeth" wird dann im Januar stattfinden, nachdem sie im März 2020 wegen des Shutdown ausfallen musste. Auch Sebastian Hartmanns Arbeit "Der nackte Wahnsinn + X" und "Dichte Netze" des Theaterkollektivs Turbo Pascal an der Bürgerbühne werden im September gezeigt.

Weitere Auswirkungen der Corona-Epidemie

Staatsschauspiel Dresden
Der Zuschauerraum des Dresdener Staatsschauspiels blieb in den letzten Wochen leer. Bildrechte: dpa

Der Dresdener Intendant Joachim Klement meint, dass das Coronavirus auch noch in den kommenden Monaten den Spielbetrieb beeinflussen wird. So sagte er zu Beginn der Pressekonferenz: "Lassen Sie uns das als eine gemeinsame Herausforderung begreifen, und trotz neuer Abstände eine größere Nähe entwickeln." Ein gutes Beispiel dafür könnte Rainalds Grebes "Einmeterfünfzig" sein, in der sich der Kabarettist und Musiker mit dem Fehlen des Publikums beschäftigt.

Doch die Auswirkungen zeigen sich auch ganz praktisch: Auf den zwei kleinsten Bühnen ist kein Spielbetrieb geplant, sodass Aufführungen nur auf der großen Bühne und der Bühne 1 im Kleinen Haus stattfinden. Das Festival für junge Regie "Fast Forward", das immer auch international ausgerichtet ist, findet teilweise im Internet statt und auch weitere Arbeiten knüpfen an digitale Formate an.

Klement hob bei seiner Vorstellung der neuen Spielzeit die Solidarität des Publikums hervor, dass die Tickets für ausgefallene Vorstellungen in Gutscheine umgetauscht oder den Eintrittspreis gespendet hat. Da wegen der geltenden Abstandsregeln nicht alle Plätze verkauft werden können, werde das Staatsschauspiel auch demnächst auf zahlreiche Einnahmen verzichten müssen.

Blick in die Zukunft

Angesichts der Erfahrungen mit der Corona-Pandemie ist das Leben vieler Menschen mehr noch als bisher geprägt von Unsicherheit und dem Gefühl von Überforderung und Machtlosigkeit. Aber die negative Bestandsaufnahme hilft allein nicht weiter.

Joachim Klement, Intendant des Staatsschauspiels Dresden

Die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft hänge davon ab, dass sie sich nicht in ein Schicksal ergibt, sondern Zuversicht bewahrt und an Lösungen erarbeitet, meinte der Intendant. Daher sind die eigentlichen Schwerpunkte der kommenden Spielzeit Nachhaltigkeit und die damit verbundene Generationengerechtigkeit, die sich in verschiedenen Produktionen wiederfinden sollen: Volker Lösch verbindet Molieres Klassiker "Tartuffe" mit der gefeierten Abhandlung "Kapitalismus und Ideologie" von Thomas Piketty. Michael Talke inszeniert die "Orestie", dem vielleicht berühmtesten Generationenkonflikt der Theatergeschichte.

Fanny Staffa
Die Schauspielerin Fanny Staffa in "Medea.Stimmen" Bildrechte: Sebastian Hoppe

Monique Hamelmann adaptiert die Streitschrift "Ihr habt keinen Plan", in der Aktivisten der Fridays for Future-Bewegung ihre Vorstellungen für die Zukunft erkläutern, für die Bühne. Die ehemalige Leiterin der Bürgerbühne, Miriam Tscholl, beschäftigt sich in "Wunderblock" mit Gedächtnis und Erinnerung und Yves Hinrich überschreibt Schillers "Räuber", wobei eine Inspiration für "Räuber*innen" Greta Thunberg sein soll. Außerdem gibt es zum wiederholten Mal eine Zusammenarbeit mit dem Performance-Kollektiv Rimini-Protokoll, die sich in "Konferenz der Abwesenden" mit dem Widerspruch auseinandersetzen wollen, dass Klimaschützer durch zahlreiche Flugreisen oft einen großen ökologischen Fußabtritt haben.

Lokal und Musikalisch

Einige Produktionen zeichnen sich vor allem durch den musikalischen Zugang aus. Neben der Zusammenarbeit mit Woods of Birnam für "Macbeth" ist die Revue "Gundermann. Alle oder keiner" geplant, die sich mit dem Leben des ostdeutschen Musikers und Arbeiters beschäftigt. Außerdem zeigt das Staatsschauspiel Robert Wilsons "Alice" mit den dazugehörigen Songs von Tom Waits.

Connie Knaut, Sebastian Baumgarten, Axel Geck, Johanna Roggan, Darya Zaretskaya und Auguste von Rosenberg in einem Konferenzraum
Die Bürger:Bühne probt aktuell "Veduta - Stadtansichten" Bildrechte: Sebastian Hoppe

Zwei Produktionen setzen sich intensiv mit der Stadt und der Region Dresden auseinander: Claudia Bauer adaptiert Ingo Schulzes "Die rechtschaffenen Mörder" für die Bühne. Der Roman war in diesem Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und zeichnet nach, wie ein Dresdener Antiquar rechtes Gedankengut übernimmt. Thomas Freyer will in seinem neuen Stück "Stummes Land" nach den Veränderungen Dresdens nach der Wende und den Gegensätzen von Stadt und Land fragen. Regie bei der Uraufführung des Auftragswerks übernimmt Tilmann Köhler.

Stücke am Staatsschauspiel Dresden

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Juni 2020 | 16:10 Uhr