Festival in Leipzig "Die Stadt der Sterblichen": Warum es gut ist, sich mit dem Tod zu beschäftigen

"Die Stadt der Sterblichen – Das Endlichkeitsfestival" in Leipzig stellt vom 6. bis 28. September 2019 die Frage in den Mittelpunkt: Wie gehen wir mit dem Tod um? Im Interview erklärt Organisator Frank Pasic, warum er mit den Menschen über das Sterben sprechen will und weswegen es gut ist, sich seiner Sterblichkeit bewusst zu werden.

Artwork zum Endlichkeitsfestival "Stadt der Sterblichen".
Das Festival soll den Tod und das Sterben in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Bildrechte: Funus Stiftung/Schwarwel

MDR KULTUR: Wie ist die Idee zu "Stadt der Sterblichen" entstanden und was verbirgt sich dahinter?

Frank Pasic: Es geht letztendlich darum, die Ängste, die viele Menschen in Bezug auf das Thema Tod und Sterben haben, abzubauen. Da haben wir festgestellt, das eignet sich über einige Formate besonders gut. Über kulturelle Formate, über Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und durchaus auch über Fachvorträge. Und das ist jetzt unser Ziel in den nächsten drei Wochen in Leipzig, über dieses Festival in den Dialog mit Menschen zu kommen und über den Tod zu sprechen.

Ihr Festival heißt ja "Stadt der Sterblichen", das heißt, es bezieht sich ja auf die noch Lebenden. Für den Altphilologen sind es ja der Sterbliche und der Unsterbliche, diese beiden Gegenüberstellungen – das spielt aber keine Rolle?

Frank Pasic
Frank Pasic ist Mitorganisator des Festivals und selbst Bestatter. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Das spielt keine Rolle. Und im Grunde ist ja jede Stadt eine Stadt der Sterblichen. Das ganze Projekt ist entwickelt worden von meiner Mitarbeiterin Juliane Uhl, im Jahr 2017 in Halle – da war die Stadt die Stadt der Sterblichen. Dieses Konzept versuchen wir jetzt zwei Jahre später in Leipzig umzusetzen. Aber es könnte genauso gut in München, Berlin oder Hamburg stattfinden. Jede Stadt ist eine Stadt der Sterblichen.  

Sie versuchen ja mit dem Festival einer Mentalität entgegenzuwirken, die vielleicht für Westeuropa prägend ist. Wir haben Kulturen, die gehen mit dem Tod völlig gelassen um, auch mit den Toten. Wir versuchen das immer ein wenig zu verdrängen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Darüber habe ich mir schon lange Gedanken gemacht – ich glaube, da haben sich auch schon klügere Köpfe als ich Gedanken drüber gemacht. Es ist wahrscheinlich schwer zu ergründen. Es hat möglicherweise ein Bruchstück gefunden nach den Weltkriegen, die ja sehr, sehr einschneidend waren in Deutschland. Dass möglicherweise alles, was mit dem Tod und dem Sterben zu tun hatte, weggedrängt wurde.

Infos zum Festival

"Die Stadt der Sterblichen – Das Endlichkeitsfestival"
vom 6. bis 28. September in Leipzig

Veranstaltet von der FUNUS Stiftung, will das Festival das Thema Leben/Sterben/Tod/Trauer in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Darüber hinaus fordern die Veranstalter, die Bestattungs- und Endlichkeitskultur als ein Kernelement der Menschenwürde zu fördern. "Die Stadt der Sterblichen" soll dabei Laien und Experten zusammenbringen.

Mit Shows, Party, Filmen, Lesungen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Fachvorträgen, Symposien und Veranstaltungen für Kinder

Das ganze Programm finden Sie hier.

Ich kenne noch eine sehr weit verbreitete Auffassung oder das Ritual, dass man am Wochenende zwangsweise auf den Friedhof gehen musste, um dort das Grab zu pflegen. Das ist jetzt mittlerweile auch sehr rückläufig. Die Leute wollen auch einfach nicht mehr diesen Zwang verspüren, Gräber pflegen zu müssen. Das sieht man ja jetzt auch an der aktuellen Diskussion um Friedhöfe. Abschließend kann ich es nicht beantworten, ich vermute mal, dass da tatsächlich unsere Geschichte ein Stück weit mitverantwortlich ist.

Sie selbst nehmen ja diese Sterblichkeit als Bedingtheit des Daseins wahr – in ihrem Beruf. Was macht das mit uns, wenn wir uns damit auseinandersetzen und eben nicht verdrängen? Sie als Bestatter haben da ja die Erfahrung – das macht ja auch mit Ihnen etwas, glaube ich.

Das mag jetzt ein bisschen idealistisch klingen. Aber wir sind der Meinung, wenn die Leute sich mit dem Tod auseinandersetzen, sie möglicherweise ein besseres Gespür für den Wert des Lebens bekommen – um es mal so zu formulieren. Zu erkennen, dass die Zeit begrenzt ist, man die Zeit nutzen sollte, macht sicherlich aus einem Menschen keinen schlechteren Menschen.  

Artwork zum Endlichkeitsfestival "Stadt der Sterblichen".
Das Design des diesjährigen "Stadt der Sterblichen"-Festivals ist bewusst an die Ikonik des Día de Muertos aus Mexiko angelehnt. Bildrechte: Funus Stiftung/Schwarwel

Das Interview führte Moderator Thomas Bille für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. September 2019 | 18:05 Uhr