Pappschild mit der Aufschrift "Suche Karten"
Bildrechte: IMAGO

Steigende Preise bei Konzerttickets Wird das Popkonzert zum Luxusartikel?

Im kommenden Juni geben die Rolling Stones zwei Konzerte in Deutschland, in Stuttgart und in Berlin. Nun regt sich Unmut unter den Fans, denn die Eintrittspreise sind eklatant hoch. Ist es tatsächlich so, dass Konzerttickets immer teurer werden? Und was sind die Gründe dafür? MDR KULTUR-Musikredakteur und Live-Konzert-Süchtiger Hendryk Proske hat Zahlen und Hintergründe.

von Hendryk Proske, MDR KULTUR-Musikredakteur

Pappschild mit der Aufschrift "Suche Karten"
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Die Stehplätze bei einem Rolling-Stones-Konzert liegen in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena derzeit bei 150 Euro, im Berliner Olympia-Stadion bei 112 Euro. Der günstigste Sitzplatz in Berlin kostet 147 Euro und in Stuttgart 183 Euro. Für den teuersten Platz in Stuttgart ruft der Veranstalter 499 Euro auf.

Teure Karten ganz ohne Bonus

Die Musiker der Rock Band Rolling Stones stehen in Hamburg auf der Bühne.
Die Rolling Stones geben ein Konzert Bildrechte: IMAGO

Zugegeben, das ist schon sehr teuer. Um sich das zu leisten, müssen manche ihren Sommerurlaub reduzieren. Was an diesen Preisen auffällt: Sie sind intransparent. Auch früher schon waren solche Preisabstufungen durchaus üblich. Es gab Stehplätze für ca. 80, 90 Euro, von denen aus man auch gut gesehen hat. Und dann gab es die richtig teuren Karten: VIP-Plätze oder Fantickets, die 300 bis 400 Euro kosteten. Doch diese Tickets hatten neben besonders guter Sicht auf die Bühne immer noch einen Bonus: eine Extra-Loge, einen Sonderparkplatz, eine bessere Zufahrt oder sogar ein Meet&Greet. Das ist bei den teuren Stones-Karten nicht der Fall. Auch wenn man natürlich mit einer Stones-Karte nicht nur das Musikerlebnis kauft, sondern die Gewissheit, dass ein Altern mit Rock'n Roll möglich ist.

Ed Sheeran kostet nur 90 Euro

Ed Sheeran
Ed Sheeran hat gut lachen: Seine Fans müssen nicht so tief in die Tasche greifen. Bildrechte: IMAGO

Ist das ein Trend? Werden Pop/Rock-Konzerte wirklich immer teurer? Eigentlich ist die aktuelle Situation eher eine Momentaufnahme. Natürlich ist es offensichtlich, dass in den letzten Jahren die Preisspirale nach oben ging. Doch wenn man sich anschaut, was die Livebranche in diesem Jahr aufruft, scheint ein Rolling Stones-Konzert die Ausnahme zu bilden. Elton John kostet mit seiner Farewell-Tour zwischen 70 und 90 Euro, Santana spielt für 75-90 Euro, Ed Sheeran kann man im Olympiastadion Berlin für 80 Euro sehen und Guns N'Roses in Leipzig für 90 Euro. Das ist ungefähr die Preisspanne, die man bei den großen Konzerten hat. Eine Spanne weiter darunter liegen die Hallenkonzerte mit 30 bis 70 Euro.

Die Produktionskosten sind ausschlaggebend

Fakt ist, dass die Produktionskosten in den letzten Jahren gestiegen sind. Allein das Stichwort Sicherheit. Da ist nicht nur die Angst vor Anschlägen, es gab auch Unfälle beim Roskilde-Festival oder bei der Love-Parade. Das geht zurück auf die Veranstalter, die müssen hier investieren.

Wer verdient an diesen Ticketpreisen?

Am Ende ist es der Künstler und nicht der Veranstalter, der verdient. Doch auch da muss man genauer hingucken. Die Entwicklung im Musikgeschäft der letzten Jahre heißt: Weniger CD/Platten-Verkäufe, auch wenn eine leichte Trendwende durch Streamingdienste und dergleichen zu sehen ist. Aber ein Musiker weiß: Er kann allein vom Musik-Veröffentlichen nicht leben. Er muss auf Tour gehen, er muss Konzerte geben. Für die meisten Künstler ist das der Broterwerb. Auch deswegen sind die Preise in den letzten Jahren ein bisschen hinauf gegangen.

Umsatzsteigerung mit weniger und teureren Tickets

Das Publikum während eines Konzertes im ausverkauften Täubchenthal Leipzig
Live ist besser: Das Publikum während eines Konzertes im ausverkauften Täubchenthal Leipzig Bildrechte: IMAGO

Man muss also relativieren. Das Stones-Beispiel bleibt eine Ausnahme, in Gänze betrachtet, ist die deutsche Live-Branche in den letzten Jahren nicht allzu teuer geworden. Wenn man sich die Zahlen anschaut, geht es ihr ganz gut. Der Bundesverband für Veranstaltungswirtschaft meldet für 2016/2017 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro. In den letzten drei, vier Jahren gab es da eine Steigerung von einer Milliarde - jedoch bei gleichzeitig weniger Ticketverkäufen. Es wurden also weniger Tickets verkauft, die teurer waren, und damit der Umsatz gesteigert.

Live ist eben Live!

Der Musikfan in Deutschland geht im Schnitt zu vier Konzerten im Jahr. Das Live-Erlebnis ist eben etwas Besonderes. Musik kann man überall im Netz hören, sogar gratis. Doch der Genuss eines Youtube-Konzert-Mitschnitts ist nicht dasselbe Erlebnis wie gemeinsam mit Tausenden auf einer Wiese stehen. Dieses Gefühl bekommt man eben nur da!

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Februar 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2018, 03:00 Uhr