Schlauer Rock 'n' Roll Stoppoks neues Album "Jubel“: Ein Soundtrack der Liebe

Jan Kubon, Musikredakteur bei MDR KULTUR
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Stoppok ist sowas wie die ehrliche Haut im deutschen Musikbusiness. Da ist nichts Manieriertes in der Musik zu finden, die Texte sind poetisch aber nicht klebrig um die Ecke. Stoppok ist ein Typ, der Fragen hat – und so ist es kaum verwunderlich, dass mit "Jubel" nun ein neues Album erschienen ist, auf dem sich Stoppok an den ganz großen Themen der Menschheit abarbeitet. Auf Stoppok-Art: gerade, direkt und auf Augenhöhe.

Stoppok
Stoppok Bildrechte: Thomas Willemsen, Lokomotiv.de

Es ist dieser eine Song "Lass sie rein", der als Vorabsingle zum Album "Jubel" erschien und für den Stoppok einen massiven Shitstorm im Netz erntete. Es ist ein Song, der nichts weiter fordert, als sich der Pflicht zu stellen, Menschen in Not zu helfen: dem geschändeten Mädchen, dem gebrochenen Mann, der Frau, die ihre Heimat verloren hat. Ein Shitstorm für eine Forderung, die als (und dann noch grandioser) Song formuliert zutiefst humanistisch ist.

Stoppok war von der Reaktion nicht wirklich überrascht:

Die Verschwörungstheoretiker im Netz, die wissen sich gut zu vernetzen. Das sind nicht viele, aber die sind sehr präsent. Und das zeigt eigentlich, wie wichtig es ist, Soundtracks für die Liebe zu machen, um dem ganzen einfältigen Hass etwas entgegen zu stellen. Der ja ziemlich kleingeistig daherkommt.

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Und damit ist die inhaltliche Schlagrichtung des neuen Stoppok-Albums "Jubel" klar. Es ist ein Soundtrack der Liebe, denn es geht um uns Menschen, um unsere Macken, unsere Irrwege – aber eben nicht nur. Es handelt auch von unserer Liebe. Und auch davon, Frieden mit sich selbst zu schließen. Und diesen Frieden findet man eben nicht in den sozialen Halbwelten des Internets.

Kritik am Internet

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Das Cover des Albums "Jubel" von Stoppok Bildrechte: GRUNDSOUND

Überhaupt: das Internet und seine Auswüchse sind auch Thema des Albums. Eins, das der Musiker durchaus kritisch sieht. Eine Rückkehr in analoge Zeiten indes wünscht sich Stoppok allerdings nicht und ordnet ein: "Wir werden lernen, damit umzugehen und wir werden erkennen, dass das nicht die Relevanz hat, die wir ihm jetzt zuschreiben." Weiterhin ist es laut Stoppok unumgänglich, "sich wieder selbst zu liken – und zwar nicht nur auf der Tastatur sondern im ganz realen Leben."

Auf seinem Album sucht der Musiker nach Antworten auf wichtige Fragen: Wie geht es mit uns als Menschheit weiter? Was macht Hass mit uns und wie wollen wir zukünftig leben? Deshalb ist es auch ein Album, das nach Leben klingt. Und zum Leben gehören eben nicht nur Probleme, sondern auch Momente des unfassbaren Glücks. Zum Beispiel, wenn zwei Menschen sich wahrhaft lieben.

Altbewährtes

Musikalisch klingt "Jubel" ganz real – aufgeräumt, überlegt, souverän. Und es lässt Raum zum Atmen. Klar ist es auch wieder Folkroots-Rock mit blauen Noten, nach dem Motto "Never change a winning team". Im Falle von Stoppok ist das sicher nicht die schlechteste Lösung. Das Album klingt super spannend entspannt, was sicher auch an der Produktion lag:

Also die ganze Produktion hat vielleicht zwei Monate gedauert. Es war entspannt, immer mit Pausen dazwischen. Was ich auch sehr schätze, damit man nicht in so einen komischen Groove kommt. Wir haben so lange gemacht, bis alles gepasst hat.

Stoppok

"Jubel" zeigt Stoppok in Höchstform. Schlauer Rock'n'Roll mit einer zartbösen, humoristischen Grundnote. Rock'n'Roll, der den Wahnsinn karikiert, der die Gehirne der Hörer am Laufen hält. Und vor allem Rock'n'Roll, der Stellung bezieht – gegen das Dumpfe, das Enge und das Graue.

Männer posieren vor der Kamera.
Stoppok und seine Mitmusiker Bildrechte: Robert Grischek

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. Februar 2020 | 07:40 Uhr

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