"Strømmen" Helene Blum vertont auf ihrem neuen Album den Fluss des Lebens

Helene Blum gehört zu den populärsten Musikerinnen ihrer Heimat Dänemark. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Violinisten Harald Haugaard und einer festen Band vereint sie Pop, Chanson und vor allem Folk-Musik. Ihr neues Album trägt den Titel "Strømmen", übersetzt "der Strom", "das Fließen". Kein zufällig gewählter Name, erfuhr Johannes Paetzold im Gespräch mit dem musizierenden Ehepaar – die zwölf Lieder widmen sich dem Strom und dem Fließen des Lebens.

Helene Blum und Harald Haugaard, 2016
Harald Haugaard und Helene Blum Bildrechte: imago images / VIADATA

Helene Blum lebt mit ihrem Mann Harald Haugaard seit ihrer Kindheit auf der von der Ostsee umgegebenen dänischen Insel Funen. Ihre Musik auf dem Album "Strømmen" hat das Paar gemeinsam mit seinen drei Bandmusikern komponiert. Die Texte gehen zum Teil auf dänische Dichter und alte Folk-Lieder zurück.

Zu ihrer Inspiration sagt Blum: "Wasser ist unsere große Inspiration. Das ganze Jahr über schwimmen wir im Meer. Das Thema des Albums ist das Fließen. Das Fließen des Wassers. Der Gedanken. Und besonders, was aus der Vergangenheit zu uns fließt. Musik hat ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Von da kommen Geschichten, die man erzählen kann, aber auch verstehen und respektieren muss."

Folk-Traditionen des Nordens

Die Musik auf "Strømmen" klingt wie aus einer anderen, längst vergangenen Welt. Sie strahlt Ruhe aus, ein Hauch Mystik schwingt mit. Hörbar orientieren sich Helene Blum und Harald Haugaard einmal mehr an den Folk-Traditionen des Nordens. Aber auch der Gewinnertitel des Eurovision Song Contest aus dem Jahr 1963 wurde von ihnen neu vertont, gewonnen hatte damals das dänische Pärchen Grethe und Jorgen Ingmann "Dansevise".

Doch Haugaard kommentiert, sie wollen nicht in einer Vergangenheit stehenbleiben: "Folk-Musik zu definieren, ist schwer. Sie entwickelt sich doch ständig weiter. Wenn wir einfach Musik aus dem 18. Jahrhundert nachspielen würden, würde ich stehenbleiben. Ich könnte das auch gar nicht. Es ist mein Privileg als Musiker, die Musik weiterzuentwickeln und die Tradition damit herauszufordern."

Wasser als Sinnbild

Ob auf Englisch oder auf Dänisch, in allen Liedern beobachten Blum und Haugaard die Bewegung des Wassers als Metapher für unser Leben. Im Song "The Current" ("die Strömung") heißt es beispielsweise: "Da draußen im Fjord drehen sich die Boote, getrieben vom Wind, und einer Macht, die wir nicht kennen."

Unser Leben ist wie ein Fluss. Manche mögen es Schicksal oder Bestimmung nennen. Manchmal gibt man sich diesem Fluss hin. Aber manchmal muss man sein Geschick auch in die Hand nehmen. Besonders in dieser Zeit. Gerade jetzt ist es wichtig, für die Musik und für die Kultur zu kämpfen. Musik kann uns zusammenbringen und sie kann Konflikte lösen.

Helene Blum

Rilke-Gedicht vertont

Musik ist für Blum weit mehr als Unterhaltung. Gerade in diesen Zeiten sei sie lebenswichtig. Sie kann uns wörtlich auch zur Besinnung bringen, meint ihr Ehemann Haugaard, der das Gedicht "Über die Geduld" von Rainer Maria Rilke übersetzt und vertont hat: "Ich habe die Worte in einer Kirche gehört. Ein sehr bedeutungsvoller Text. Wir wollen immer alles kontrollieren in unserem Leben. Und dieses Gedicht sagt: Lass los! Wir müssen wieder lernen, loszulassen und Geduld zu üben."

Aus einem Guss

Das Album "Strømmen" nimmt uns in seinem Fluss mit. Langsam aber stetig, manchmal in einem Seitenarm, ruhig treibend, mal in tieferen Gewässern mit dem Lot nach Sinn und Tiefe suchend.

"Strømmen" ist aus einem Guss. Im wahrsten Sinne. Denn mit dem Album haben die Musizierenden ihr ehrgeizigstes Projekt umgesetzt, ein Studioalbum, das gleichzeitig sehr nahe an ein Livealbum heranreicht. Wie sie das geschafft haben, beschreibt Haugaard: "Die Aufnahmen wurden kaum bearbeitet. Manchmal ist es gleich die erste Aufnahme, die man auf dem Album hört, von Anfang bis Ende live durchgespielt. Mit dieser Band geht das. Wir spielen seit zwölf Jahren zusammen. Wir haben in dieser Zeit über 1000 Konzerte zusammen gespielt. Jetzt war der Zeitpunkt, wo wir so ein Album das erste Mal als Band auch umsetzen konnten."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. September 2020 | 07:40 Uhr