Die Legende vom Stülpner-Karl am Theater Chemnitz
Die Legende vom Stülpner-Karl im Chemnitzer Sommertheater Bildrechte: Dieter Wuschanski

Sommertheater Chemnitzer "Stülpner Karl" überzeugt mit Musical-Anleihen

Deserteur, Schmuggler, Wohltäter - Stülpner Karl ist ein Räuber mit Herz. Seine Geschichte ist jetzt Bühnenstoff im Chemnitzer Küchwald. MDR KULTUR-Theaterkritiker Wolfgang Schilling hat sich das Abenteurer-Stück des Theater Chemnitz angeschaut.

Die Legende vom Stülpner-Karl am Theater Chemnitz
Die Legende vom Stülpner-Karl im Chemnitzer Sommertheater Bildrechte: Dieter Wuschanski

Was für die Engländer Robin Hood ist, ist für die Sachsen Stülpner Karl. Die Wälder rund die Burg Scharfenstein waren sein Zuhause, waren sein Revier. Denn Karl war ein Jäger, ein Wilderer, ein Räuber, ein Schmuggler. Doch seine Beute teilte er mit den Armen und die gewährten ihm Unterschlupf. Karl war ein gesuchter Mann, aber seine Häscher hielt er zeit seines Lebens zum Besten. Gefangen wurde er nie und so ersponn sich die Legende um Stülpner Karl - dem Robin Hood des Erzgebirges.

Stülpner Karl im Chemnitzer Küchholz

Anlässlich des Stadtjubiläums feierte das Räuberabenteuer am 16. Juni Premiere auf der Chemnitzer Küchwaldbühne. Das Publikum sollte in die Geschichten und Abenteuer der Region eintauchen und Zeugen des wilden Lebens von Rebell und Volksheld Karl Stülpner werden. Diesem Ruf folgten die interessierten Zuschauer in großer Zahl. Doch Erwartung und Realität lagen weiter auseinander als gedacht. Denn Andreas Rehschuh inszenierte das Stück anders als gewohnt.

Wir haben versucht zu erforschen, wie es zu dieser Legende kam und haben festgestellt, dass es vom Stülpner ein sehr verklärtes, idealistisches Bild gibt.

Andreas Rehschuh, Regisseur

Deshalb beobachtet das Publikum auf der Bühne eine bunt gemischte Theatertruppe, die sich in einer Generalprobensituation befindet und sich schrittweise an das Phänomen Stülpner Karl annähert.

Da treffen ehrgeizige Anfänger auf alte Schauspielhasen und mitten im Publikum sitzt die leicht gereizte Regisseurin Karla, gespielt von Susann Stein. Auf der Bühne - ein riesiger Hirsch, der mal als Burg Scharfenstein, mal als Kneipe oder Felsen dient.

Ein Hauch von Hair

Dieses Stück ist alles andere als klassisch inszeniert, die Legende überhaupt nicht verstaubt. Das mag auch an der Frische der jugendlich besetzten Haupthelden liegen. Martin Valdeig und Seraina Leuenberger sind Stülpner und Christiane. Und weil sie den Stoff vorher gar nicht kannten, haben sie sich über die DDR-Serie mit Manfred Krug an die Geschichte angenähert. Musikalische Referenzen finden sich zur Freude des Publikums im Stück wieder und so gewinnt das Spiel im dichten Tann des Erzbegirges schon fast Musical-Charakter. Ein Hauch von Hair im Küchwald. Das Publikum ist begeistert. Im Stülpnerschen Geist könnte man diese Legende als Volltreffer bezeichnen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Juni 2018 | 13:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2018, 12:22 Uhr

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