50 Jahre "Tatort" Witzig, weiblich, wiedervereint: MDR-"Tatort"-Kommissare in der Übersicht

Vor 50 Jahren flimmerte der erste "Tatort" über die Bildschirme der BRD. "Im Taxi nach Leipzig" lief am 29. November 1970 und war der Beginn der erfolgreichsten Krimireihe der ARD, die auch heute noch Millionen Zuschauer am Sonntagabend vor den Fernsehern vereint. Während die DDR mit dem "Polizeiruf 110" nachzog, hat sich nach der Wiedervereinigung auch im Osten der "Tatort" etabliert. Der MDR schickte bislang fünf Ermittlerteams ins Rennen – einige mehr, andere weniger erfolgreich. Wir stellen sie vor: Von Peter Sodann und Michael Lade bis zu Christian Ulmen und Nora Tschirner.

Ehrlicher (Peter Sodann, rechts) und Kain (Bernd Michael Lade, links) stossen auf Kains Beförderung an.
Ehrlicher (Peter Sodann, rechts) und Kain (Bernd Michael Lade, links) stoßen an Bildrechte: MDR/Hardy Spitz

Ehrlicher und Kain (Peter Sodann und Michael Lade)

Hauptkommissar Bruno Ehrlicher und Hauptkommissar Kain, dessen Vorname immer ein Rätsel blieb (Franky? Klaus? M.? – es gibt mehrere Theorien) waren das erste ostdeutsche Ermittlerteam des Tatorts. Der ruhige, kluge Ehrlicher mit der Aktentasche, der gerne mal ein Bier in der Kneipe seines Sohnes trinkt, und der jüngere unkonventionelle Kain waren nach einer Umfrage 2008 auch das beliebteste Tatort-Team im Osten Deutschlands.

"Die Arbeit, die Sie im 'Tatort' tun, ist ein wichtiger Baustein für unsere deutsche Einheit", sagte der ehemalige Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Reinhard Höppner, als er Sodann das Bundesverdienstkreuz überreichte. Auch Sodann war fest davon überzeugt, dass er zum freundlichen Miteinander beitrage. "Ich merke das an der Reaktion des Publikums auf meine Rolle als Tatort-Kommissar Ehrlicher. Die meisten aus dem Westen sagen, durch mich würden sie den Osten besser verstehen, und die im Osten sagen, ich würde sie ein bisschen vertreten." Vielleicht war das auch der Grund, warum sich Sodann sogar den Job des Bundespräsidenten zutraute und 2009 kandidierte (es gewann: Horst Köhler).

Kommissare Kain (Bernd-Michael Lade) und Ehrlicher (Peter Sodann) v.l.
Kommissare Kain (Bernd-Michael Lade) und Ehrlicher (Peter Sodann) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Tatort" mit Ehrlicher und Kain Wo? Erst Dresden, dann Leipzig
Wann? Von 1992 bis 2007
Wie oft? 44 Fälle

Saalfeld und Keppler (Simone Thomalla und Martin Wuttke)

Sie waren ein seltsames Paar: Der introvertierte Denker und wortkarge Ex-Alki Keppler und die lebenslustige Saalfeld mit dem Herz auf der Zunge: Einst waren sie verheiratet – wobei sich die Zuschauenden oft fragten, wie das geschehen konnte – und müssen jetzt wieder zusammenarbeiten. Ihre Fälle waren oft ambitioniert und wollten auf diverse gesellschaftliche Probleme verweisen, die Kritiken fielen eher durchwachsen aus. Auch bekam man oft den Eindruck, dass der erfolgreiche Theaterschauspieler Martin Wuttke (Berliner Volksbühne) in der Rolle des Keppler nie so richtig aufgehen konnte, bis zur letzten experimentellen theatralen Folge "Niedere Instinkte".

Außergewöhnlich war die Doppelfolge aus "Kinderland" und "Ihr Kinderlein kommt", die Ostern 2012 ausgestrahlt wurde, denn es war die erste Doppelfolge der "Tatort"-Geschichte.

Szene aus der TV-Serie: Tatort "Schwarzer Peter"
Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) Bildrechte: MDR/Saxonia Media/Junghans

"Tatort" mit Saalfeld und Keppler Wo? Leipzig
Wann? Von 2008 bis 2015
Wie oft? 21 Fälle

Funck, Schaffert und Grewel (Friedrich Mücke, Benjamin Kramme, Alina Levshin)

Funck, Schaffert und Grewel waren das altersmäßig jüngste Ermittlerteam in der Tatort-Geschichte. Sie waren mit dem Ziel angetreten, neue, junge Zuschauer für den "Tatort" zu ziehen. Das klappte allerdings nicht. Stattdessen klangen die Kritiken so: "Die unglaubwürdigsten Kommissare der ganzen Krimireihe", "zynische Zielgruppenranschmeiße",  "symptomatisch dafür, was falsch läuft im deutschen Fernsehfilmfördersystem". Friedrich Mücke und Alina Levshin schmissen daraufhin hin, eine geplante dritte Folge wurde nicht mehr gedreht. Damit ist der Erfurt-"Tatort" der mit den wenigsten Folgen.

KHK Funck, KOK Schaffert und die neue Praktikantin Grewel überbringen Lisa Kranz die Nachricht über den Tod ihrer Mitbewohnerin.
Schaffert (Benjamin Kramme), Grewel (Alina Levshin) und Funck (Friedrich Mücke) Bildrechte: MDR/Marcus Goldhahn

"Tatort" mit Funck, Schaffert und Grewel Wo? Erfurt
Wann? 2013 und 2014
Wie oft? 2 Folgen

Gorniak, Schnabel, Winkler (Karin Hanczewski, Martin Brambach, Cornelia Gröschel)

Das Konzept für diesen "Tatort" lautete ursprünglich "Drei Engel für Dresden", weil hier drei Frauen ermitteln sollten. Da Schauspielerin Jella Haase sich aber nicht auf die Rolle festlegen wollte, blieb es mit Karin Hanczewski und Alwara Höfels zumindest beim ersten Ermittlerinnen-Duo in der Geschichte des Tatorts! Als Höfels wegen "unterschiedlicher Auffassungen zum Arbeitsprozess und wegen eines fehlenden künstlerischen Konsenses" aufhörte, folgte Cornelia Gröschel als ehrgeizige Leonie Winkler. Als Gegenpart zum weiblichen Team agiert ihr Chef Peter Michael Schnabel, ein Vertreter der alten Schule, in der Männer den Frauen Komplimente machen und Frauen den Männern Kaffee. Er versucht aber mitzuhalten in den sich ändernden Zeiten. Die erste Folge "Auf einen Schlag" war noch vom "Stromberg"-Autor Ralf Husmann geschrieben, inzwischen sind die Fälle etwas konventioneller geworden, wobei die letzte Folge ein regelrechter Horrorfilm war.

Husmann war aber wiederum an der Webserie "Lammerts Leichen" beteiligt, dem ersten Spin-Off eines "Tatorts", bei dem der Dresdner Pathologe Falko Lammert zum Verbindungsmann zwischen Dies- und Jenseits wird.

Das Dresdner Tatort-Team v.l.: Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie "Leo" Winkler (Cornelia Gröschel)
Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie "Leo" Winkler (Cornelia Gröschel) Bildrechte: MDR/Daniela Incoronato

"Tatort" mit Gorniak, Schnabel, Winkler Wo? Dresden
Wann? Seit 2016
Wie oft? 6 Fälle mit Sieland, 4 Fälle mit Winkler

Dorn und Lessing (Nora Tschirner und Christian Ulmen)

Eigentlich sollte es nur ein einmaliges Event zu Weihnachten werden: Nora Tschirner und Christian Ulmen als "Tatort"-Kommissare, die mehr Wert auf Witz und Unterhaltung als auf einen kniffligen Fall legen. Doch das Team und die Zuschauer fanden es so super, dass es inzwischen schon zehn Folgen mit Dorn und Lessing gibt. Die beiden müssen nicht nur zusammen arbeiten, sondern sind auch verheiratet, haben für "Tatort"-Verhältnisse aber auffällig wenig private Probleme. Auffällig sind auch die Titel der Folgen, die bereits auf eine gewisse Albernheit hinweisen, wie "Der irre Iwan", "Die fette Hoppe" oder "Der treue Roy".

Nora Tschirner (Rolle: Kira Dorn) und Christian Ulmen (Rolle: Lessing)
Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) Bildrechte: MDR/Wiedemann&Berg/Stephanie Kulbach

 "Tatort" mit Dorn und Lessing Wo? Weimar
Wann? Seit 2013
Wie oft? 10 Fälle

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. November 2020 | 16:10 Uhr

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