Adele Neuhauser
Adele Neuhauser Bildrechte: dpa

Gespräch Tatort-Kommissarin Adele Neuhauser wollte Kugelstoßerin werden

von Grit Schulze, MDR KULTUR

Adele Neuhauser
Adele Neuhauser Bildrechte: dpa

Die Schauspielerin Adele Neuhauser ist als Wiener Tatort-Kommissarin Bibi Fellner einem Millionenpublikum bekannt. Seit 2010 ermittelt sie an der Seite von Moritz Eisner, alias Harald Krassnitzer, auf ganz eigene Weise. Mit Ermittlerin Bibi Fellner erleben wir eine unangepasste Frau, sie kommt von der Sitte, fährt eine scheußliche Machokarre mit sprühenden Flammen auf der Motorhaube und ist so bodenständig und liebenswert, dass man gerne mit ihr ein Bier trinken möchte.

Der Schauspielerin ist das Milieu, welches man im Wiener Tatort mitunter erlebt, nicht ganz fremd: Neuhauser hat viele Jahre im 10. Wiener Bezirk gelebt - Favoriten ist ein Arbeiterbezirk, in dem es hart und schroff zuging: "Schlägereien waren an der Tagesordnung".

Schauspielerin statt Kugelstoßerin

Bibi Fellner (Adele Neuhauser) im Einsatz
Adele Neuhauser als Tatort-Kommissarin Bibi Fellner Bildrechte: ARD Degeto/ORF/Superfilm/Klaus Pichler

Hartnäckigkeit und Durchsetzungskraft bewies Neuhauser schon als Kind. Zunächst möchte sie Tänzerin werden, im Alter von neun Jahren nimmt sie Ballettunterricht, bereits drei Jahre später wird sie Elevin an der Wiener Volksoper. Die Karriere als Ballerina ist allerdings beendet, noch bevor sie überhaupt beginnt, bedingt durch eine Verletzung. Auch der Traum von einer Kugelstoßerin und Speerwerferin erfüllt sich nicht. Doch sie ist ein Kind mit vielen Talenten. Als Puppenspielerin sorgt sie ebenso für Aufmerksamkeit, wie als Sängerin. Nach einem Aufritt im Wiener Stephansdom, erkundigt sich der Kardinal nach ihrem Berufswunsch: "Schauspielerin", antwortet sie spontan. "Das passt!", kommt prompt als Kommentar. Auch wenn der Weg bis zur ersten Rolle weit und steinig ist, es gab zumindest den kirchlichen Segen.

Neuhauser erinnert sich, dass sie alle gewarnt hätten, dass es ein schwieriger Entschluss sei, sich fürs Theater zu entscheiden und diesen Beruf zu ergreifen.

Da bin ich wahrscheinlich auch auf so eine gewisse Weise so ein Steinbock, der sich so reinbeißt und ehrgeizig ist und hartnäckig ist, und desto schwieriger es wurde, desto mehr habe ich mich reingesteigert - und ich hatte doch Recht!

Adele Neuhauser, Schauspielerin

Ihre Hartnäckigkeit hat sich gelohnt: "Nicht nur, dass ich glücklich geworden bin mit diesem Beruf, ich habe auch wirklich im Theater gemeinschaftlich glückliche Momente erlebt. Es gab Momente, wo Engel über die Bühne gegangen sind.", sagt Neuhauser.

Sich selbst absichtlich den Arm gebrochen

Mit 16 entlässt sich Neuhauser mit gefälschter Unterschrift ihres Vaters von der Schule, bewirbt sich am renommierten Max-Reinhardt-Seminar und wird an der Schauspielschule Krauss in Wien genommen. Noch während der Ausbildung muss die angehende Schauspielerin durch die deutsche Provinz tingeln, mit einem in die Jahre gekommenen VW-Bus und einem ebenso betagten Schauspielerehepaar und dessen Mutter. Auch ihren 18. Geburtstag verbringt sie auf Tournee, mutterseelenallein in einer unbehaglichen Pension. Um dieser Tortur zu entkommen, bricht sich Adele Neuhauser vorsätzlich den Arm, in dem sie mehrfach gegen das Waschbecken schlägt. Ihre innere Stimme hat sie getrieben, nicht aufzugeben. Selbst nach einer Stimmbandoperation.

Rollen von Mephisto bis Helene Weigel

Neuhauser hat verschiedene Theaterrollen gespielt, unter anderem Medea, Lady Macbeth und Mephisto, sie war in sechs Kinofilmen zu sehen, ermittelt in der Kult-Serie "Vier Frauen und ein Todesfall" als schrullige Hobbydetektivin Julie Zirbner. Und sie schien die ideale Besetzung für die Rolle der Helene Weigel in dem Doku-Drama von Heinrich Breloer über den Dichter Bertolt Brecht. Sie stellt die starke Frau dar, die an der Seite von Brecht viel aushalten musste. Im Herbst wird der Zweiteiler in der ARD ausgestrahlt.

Autobiographie "Ich war mein größter Feind"

Eine weitere Leidenschaft der 59-jährigen ist das Schreiben. Mit der Autobiographie "Ich war mein größter Feind" hat Neuhauser einen Anfang gemacht. Ihre Energie schöpft sie aus der Natur, etwa beim Bergwandern, und in den gemeinsamen Auftritten mit ihrem Sohn Julian und dessen Jazz-Rock Trio Edi Nulz.

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Bildrechte: Brandstätter Verlag

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR-Café | 04. März 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2018, 01:00 Uhr

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