TC Boyle
T. C. Boyle auf seiner Couch in dem vom Star-Architekten Frank Lloyd Wright entworfenen "Prairie House". Boyle porträtierte den Architekten in seinem Buch "Die Frauen". Bildrechte: imago/Aurora Photos

Buchkritik T. C. Boyles Roman "Das Licht": Ein Trip der ganz besonderen Art

T. C. Boyle zählt zweifelsohne zur Kategorie der Kultautoren. Fans diskutieren leidenschaftlich, ob nun sein Erstling "Wassermusik", "Dr. Sex" oder beispielsweise sein letzter Roman "Die Terranauten" nun sein bestes Buch sei. Mit "Das Licht" kommt nun ein neues Werk in die Diskussion. MDR KULTUR-Literaturkritikerin Marion Brasch hat es gelesen.

TC Boyle
T. C. Boyle auf seiner Couch in dem vom Star-Architekten Frank Lloyd Wright entworfenen "Prairie House". Boyle porträtierte den Architekten in seinem Buch "Die Frauen". Bildrechte: imago/Aurora Photos

Basel 1943. Der Chemiker Albert Hofmann entdeckt die halluzinogene Wirkung des LSD. Zwei Jahrzehnte später schart der renommierte Psychologe Timothy Leary in Harvard eine Gruppe von Doktoranden um sich, um mit der psychedelischen Droge zu experimentieren und zu einem kollektiven Bewusstsein zu gelangen. Zu diesem "Inner Circle" gehören auch Fitz und seine Frau Joanie, die Timothy Leary nach Mexiko folgen und mit ihm in Upstate New York in einer Art Kommune leben.

T. C. Boyle hat schon einige fiktionale Erzählungen über berühmte Leute geschrieben wie zum Beispiel über den Sexualforscher Alfred Kinsey, den Fitness-Guru und Cornflakes-Erfinder John Harvey Kellogg und den Architekten Frank Lloyd Wright. Jetzt also Timothy Leary. Allerdings geht es Boyle weniger um Leary selbst, als vielmehr um die Wirkung, die er mit seinem Charisma, seiner Exzentrik, seinem Pioniergeist und seiner Besessenheit auf andere hatte. Dazu bedient er sich der fiktiven Charaktere Fitz und Joanie. Der Psychologie-Doktorand und seine Frau werden eines Tages von Timothy Leary zu einer seiner legendären Sessions eingeladen, um das "Sakrament" zu empfangen. So nennt er das LSD, das sie dazu führen soll "Das Licht" zu sehen und ein kollektives Bewusstsein zu entwickeln.

Revolution des Bewusstseins und die drohende Katastrophe

Gemeinsam mit anderen folgen Fitz und Joanie ihrem Guru schließlich zu Sommercamps nach Mexiko und später in eine Art Kommune in Upstate New York, wo ein Trip auf den nächsten folgt, begleitet von orgiastischen Partys und freier Liebe. Bewusstseinserweiterung mit allen Sinnen, allerdings auch mit Folgen. Je tiefer der Sog der Droge, desto größer der Realitätsverlust. Das bleibt nicht ohne Folgen. Die Gruppendynamik gerät aus den Fugen, die Katastrophe ist vorprogrammiert.

T.C. Boyle ist es ein weiteres Mal gelungen, Wahrheit und Fiktion auf faszinierende Weise zu verdichten – mit einem großen psychologischen Gespür für seine Charaktere, aber auch für den Zeitgeist der frühen 60er-Jahre. All das verwebt er mit unglaublich gutem Timing zu einer ebenso klugen, interessanten wie auch leuchtenden Geschichte. Ein Trip ganz eigener Art.

Angaben zum Buch T.C. Boyle: "Das Licht"
Roman
384 Seiten
Hanser Verlag, 2019
Übersetzt aus dem Englischen von Dirk Gunsteren

ISBN : 978-3-446-26164-8
E-Book ISBN 978-3-446-26285-0

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR empfiehlt: Das Buch der Woche | 29. Januar 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2019, 04:00 Uhr

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