Szenenbild -Teenage Widerstand- am Theater der jungen Welt in Leipzig.
Herausfinden, wie man Jugend bewegt: "Teenage Widerstand" am Theater der Jungen Welt in Leipzig Bildrechte: Tom Schulze

Premiere in Leipzig Wenn die Jugend rebelliert: "Teenage Widerstand"

Die heutige Jugend sei zu brav und von großer Revolte weit entfernt, heißt es oft. Die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg beweist aktuell das Gegenteil. Mit Widerstand und Protest hat sich auch eine Gruppe Jugendlicher am Theater der Jungen Welt in Leipzig beschäftigt – mit Momenten eigenen Widerstands, aber auch jugendlichem Widerstand, wie ihn die Leipziger Meuten zu Zeiten des Nationalsozialismus geleistet haben. Daraus haben sie ihr eigenes Stück "Teenage Widerstand" entwickelt.

von Karoline Knappe, MDR KULTUR

Szenenbild -Teenage Widerstand- am Theater der jungen Welt in Leipzig.
Herausfinden, wie man Jugend bewegt: "Teenage Widerstand" am Theater der Jungen Welt in Leipzig Bildrechte: Tom Schulze

Ein gutes Dutzend Jugendliche macht Front. Sie bilden eine Mauer, stehen da wie eine Wand. Sie widerstehen und geben auch im Verhör nichts preis. So wie die Leipziger Meuten damals, zur Zeit des Nationalsozialismus, die sich zusammen taten gegen Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel – und die damit den Nazis ein Dorn im Auge waren. Von ihnen sind die Jugendlichen bei ihrem Stück "Teenage Widerstand" ausgegangen. Und von eigenen Erfahrungen, erzählt Tim, einer der Darsteller am Theater der jungen Welt in Leipzig: "[...] die Meuten als Hintergrund, weil die trotzdem etwas Weltbewegendes getan haben, weil die nicht mitgespielt haben, sondern weil die einfach frei sein wollten und ihr eigenes Zeug machen wollten – und das wollen wir im Grunde eigentlich auch."

Szenen aus der Lebenswirklichkeit

Szenenbild -Teenage Widerstand- am Theater der jungen Welt in Leipzig.
Die jungen Darsteller haben das Stück selbst erarbeitet. Bildrechte: Tom Schulze

Aber was meint das genau: sein eigenes Zeug machen wollen? Und wo und wie braucht es Widerstand? Zu diesen und ähnlichen Fragen hat Regisseurin Caroline Mährlein den Jugendlichen zu Anfang Schreibaufgaben gegeben, wie zum Beispiel "Stell dir vor, deine Mutter sitzt jetzt vor dir und du musst sagen: Scheiße, Mama, ich hab Mist gebaut…" Aus den verschiedenen Erfahrungen sind so Stück für Stück Szenen entstanden. So ruft einer, er habe genug von Billigkonsum und Markenfetischismus. Ein anderer hat die Schnauze voll, voll von Plastik – so wie auch die Fische die Schnauze voll haben. Hier knüpft das Stück an aktuellen jugendlichen Protest gegen die Klimapolitik an, wie die Schwedin Greta Thunberg es vormacht.

Doch es brauche schon Mut, sich so sehr mit den eigenen Themen und Texten zu zeigen, erzählt Lilli, eine der jüngeren Mitspielerinnen: "Es ist, finde ich, schon ein bisschen schwieriger, wenn man so viel Verbindungen zu den Texten hat, die man vortragen muss, weil es dann nicht so einfach ist, dazu Abstand zu nehmen."

Szenenbild -Teenage Widerstand- am Theater der jungen Welt in Leipzig.
Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen? "Teenage Widerstand" geht vom Gegenteil aus. Bildrechte: Tom Schulze

Das Stück reiht die Erfahrungen der Jugendlichen collageartig aneinander, stellt sie nebeneinander, verbindet sie miteinander  – immer entlang an der zentralen Frage des Abends, erklärt Regisseurin Caroline Mährlein.

Wie können wir erzählen, wie sich eine Jugend in Bewegung setzt, wie vielleicht eine Jugendbewegung entsteht? Wir haben es immer Schule des Widerstands genannt – also wir probieren uns in verschiedensten Situationen aus und finden unseren Weg und […] sie erkämpfen sich eigentlich immer mehr den Platz am Mikro und geben ihrer Stimme Gehör.

Caroline Mährlein, Regisseurin

Ausdruck in Tanzbattles

Hinter Caroline Mährlein stand ein ganzes Team, das an der Stückentwicklung beteiligt war: zwei Dramaturgen, eine Sound-Künstlerin, zwei Choreographen. Denn ein wichtiges Element, das die verschiedenen Szenen verbindet, war die Arbeit mit dem Körper als Ausdrucksmedium, sagt Choreograph Lukas Steltner:

Ähnlich, wie jeder seine Geschichte, seine Emotion mitbringt, so bringt eben jeder auch sein eigenes Körpergefühl mit und uns war es wichtig, nicht denen jetzt Bewegungen aufzuzwingen, sondern zu gucken, was könnte von denen kommen, wie weit können wir gehen, die auch zu formen…

Lukas Steltner, Choreograph
Szenenbild -Teenage Widerstand- am Theater der jungen Welt in Leipzig.
Tanz als Ausdrucksmöglichkeit: "Teenage Widerstand" Bildrechte: Tom Schulze

Das geht natürlich nicht ohne Musik. Auch hier hat die Sound-Künstlerin Cornelia Friederike Müller eng mit den Jugendlichen zusammengearbeitet, hat sie befragt zu angenehmen und unangenehmen Geräuschen, zu ihren Lieblingssongs und daraus Tanzbattles zusammengestellt. Es ist das erste Mal, dass der Jugendtheaterclub ein Stück selbst entwickelt hat und es nun auf der großen Bühne des Theaters der Jungen Welt präsentiert. Die Jugendlichen werden sichtbar: mit ihren Themen, ihren Wünschen, manchmal vielleicht ein bisschen naiv oder etwas pathetisch-überzogen, wenn die großen Worte fallen: Freiheit, Mitmenschlichkeit, Humanismus. Doch man sieht es ihnen gern nach – denn es ist schließlich die Stimme eines jeden und einer jeden Einzelnen, die hier hörbar wird.

Angaben zum Stück "Teenage Widerstand" Regie: Caroline Mährlein
Ausstattung: Elena Köhler
Musik: Cornelia Friederike Müller

Premiere: 2. März 2019, 10:30 Uhr
Weitere Termine: 3. März 2019, 18 Uhr und 6. März 2019, 10 Uhr

Theater der Jungen Welt
Lindenauer Markt 21
04177 Leipzig

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. März 2019 | 07:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2019, 04:00 Uhr

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