Robert Smith, Boris Williams, Simon Gallup, Laurence Tolhurst (The Cure), 1989.
The Cure (Robert Smith, Boris Williams, Simon Gallup, Laurence Tolhurst ) 1989 Bildrechte: IMAGO

40. Geburtstag der Kultband The Cure - diese fünf Songs sollten Sie kennen

Seit 40 Jahren ist The Cure im Geschäft. Die Band um Mastermind Robert Smith hat 13 Studio-Alben veröffentlicht, davon 27 Millionen Tonträger umgesetzt und ganze Generationen von Musikern und Musikfans beeinflusst. Ihren Geburtstag feiern sie standesgemäß mit einem riesigen Festival im Londoner Hyde Park. Dazu werden 80.000 Zuschauer erwartet, das Vorprogramm bestreiten Künstler wie Interpol, Goldfrapp, Editors, Ride oder Slowdive, die selber Popgeschichte geschrieben haben. MDR KULTUR gratuliert zum Bandjubiläum und erinnert an die fünf besten Songs der Band - ganz subjektiv.

von Hendryk Proske, MDR KULTUR-Musikredakteur

Robert Smith, Boris Williams, Simon Gallup, Laurence Tolhurst (The Cure), 1989.
The Cure (Robert Smith, Boris Williams, Simon Gallup, Laurence Tolhurst ) 1989 Bildrechte: IMAGO

"A Forest"

Vom Album "Seventeen Seconds", 1980

Bei diesem Songklassiker kommt alles zusammen: Trademark,  Blaupause und Missverständnis. "A Forest" gilt als klarer und musikalisch nachvollziehbarster Eintritt in den Sound, den die meisten mit dem Namen "The Cure" verbinden. Simon Gallups in Doppelschritten wandernder Bass, die breiten, dunklen Keyboardflächen und dieser verflangte Gitarrensound. Und Robert Smiths Stimme singt leise, teilweise versteckt im Sound von einer geheimnisvollen Frau, der er vergeblich in den Wald hinterherrennt und sich natürlich dabei hoffnungslos verläuft.

Dieser Sound, dieses Sujet wurde zur Blaupause für vieles, was danach kam. Und die Band wurde ungewollt zu den Düsterhelden, vor denen man seine Kinder beschützen muss, der Spiegel schrieb später von einem der größten Missverständnisse der Popgeschichte. Das ist mittlerweile widerlegt. Der Song bleibt sicher auf jeder Setliste, allein, weil Tausende Fans traditionell am Ende die Doppelschläge des Basses ausgelassen mitklatschen.


"Primary"

Enthalten auf dem Album "Faith", 1981

Wenn mal wieder jemand nach der Definition von Post Punk fragt - einfach diesen Song vorspielen. Er ist basslastig im doppelten Sinn, denn hier spielen Gallup UND Smith jeweils Bassgitarre! Dazu ein schneidendes, schepperndes Schlagzeug und Smiths helle, drängende Stimme.

"Faith" war das dritte Studioalbum der Band. Die Reaktionen damals waren durchaus gespalten. Während einige Kritiker die Power der Platte, für die unter anderem der Song "Primary" steht, lobten, sahen andere die Band schon auf dem Weg in eine Sackgasse.


"Just Like Heaven"

Song vom Album "Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me", 1987

Sackgasse? Missverständnis? - "Just Like Heaven" ist so was wie der ausgelassen getanzte Stinkefinger an alle, die The Cure in irgendeine stilistische Schublade zwängen wollten. Die Band hat in ihrer Geschichte immer wieder gezeigt, dass sie auch ironisch oder gar happy kann.

Auf diesem Album rührten sie alles zusammen. Die schwere Melancholie ließen sie auf pure Ausgelassenheit prallen. Mit den Bläsersätzen in "Why can’t I Be You" pusteten sie jedes Krümelchen Friedhofserde weg, die allzu engstirnige Fans voreilig in Säcken bereitgestellt hatten. "Hot Hot Hot" war funky! Und "Just Like Heaven" nahm das vorweg, was wir heute Indiepop nennen. Ein gut gelaunter, bedingungslos tanzbarer Gast auf jeder Studentenparty, dem dennoch diese angenehm kuschlige Melancholie innewohnt. Robert Smith selbst hat dieses Lied einmal den "wohl perfektesten Popsong" genannt den "Cure jemals geschrieben haben".


"Plainsong"

Zu hören auf dem Album "Disintegration", 1989

8. November 2016, Arena Leipzig kurz nach Acht. The Cure betreten nach vielen Jahren Abstinenz wieder eine Bühne in der Gegend und schon nach den ersten Sekunden wird den Tausenden Fans auf angenehme Weise klar: Alles wird gut (Auch wenn in der gleichen Nacht Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt wird).

Ein paar Glockenklänge, ein Scheppern und dann bricht es los. Dieses endlos scheinende Intro zu "Plainsong", dem Opener des 89er-Albums "Disintegration". Tiefer, grollender Bass, schwebende Keyboardflächen, eine singende Gitarre, schleppende Drums. Wenn "A Forest" als die Blaupause für den allgemein wahrgenommenen schwermütigen Sound der Band gilt, dann bringt "Disintegration" all das zur Perfektion. Klar, auf der Platte findet man mit "Lullaby" und "Lovesong" zwei der kommerziell erfolgreichsten Hits der Band. Wichtiger aber ist die Kompromisslosigkeit, mit der The Cure sich hier in all der Schwermut selbst genüsslich versenken.

The Cure, Robert Smith
Robert Smith hat mit diesem Outfit eine ganze Gothic-Generation geprägt Bildrechte: IMAGO

"The Last Day of Summer"

Erschienen auf dem Album "Bloodflowers", 2000

Mit "Bloodflowers" fanden The Cure zu Beginn des neuen Jahrtausends in den Augen vieler endlich zu sich selbst zurück. Im Sound sind sie ähnlich schwelgerisch-schwermütig wie auf "Disintegration". Das Album steht auch als Ende, sowohl der Ära beim Label Fiction, als auch einer Albumtrilogie, beginnend mit dem 92er "Pornography" sowie "Disintegration" als Mittelteil.

Mit "The Last Day of Summer" findet sich hier eine unglaublich traurig-schöne Ballade. Das Ende eines Sommers als Sinnbild von Vergänglichkeit und Verfall: "The last day of summer never felt so cold - never felt so old".

The Cure am 08.11.2016 in Leipzig
Auch heute begeistert The Cure noch die Fans, wie hier am 8. November 2016 in Leipzig Bildrechte: MDR JUMP/Jens Borghardt

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juli 2018 | 16:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2018, 04:00 Uhr

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