Tim O’Reagan, John Jackson, Marc Perlman, Gary Louris und Karen Grotberg von der Band The Jayhawk
In ihrer Heimat, den USA, erklimmen The Jayhawks regelmäßig die Top 100 der Charts Bildrechte: Legacy/Sony Music/dpa

Album: "Back Roads and Abandoned Hotels" The Jayhawks erfinden sich immer wieder neu

Seit 33 Jahren gibt es die Band The Jayhawks aus Minneapolis, Minnesota. Ihr Album "Hollywood Town Hall" von 1993 gilt heute als ein Klassiker des Alternative-Country. Die Band hat einige Häutungen hinter sich. Nun ist ihr zehntes Studioalbum erschienen. Es enthält fast ausschließlich von ihnen geschriebene Songs, die sich schon auf Alben von anderen Künstlern fanden. Doch das Original sind und bleiben die Jayhawks.

von Stefan Maelck, MDR KULTUR-Musikkritiker

Tim O’Reagan, John Jackson, Marc Perlman, Gary Louris und Karen Grotberg von der Band The Jayhawk
In ihrer Heimat, den USA, erklimmen The Jayhawks regelmäßig die Top 100 der Charts Bildrechte: Legacy/Sony Music/dpa

Das Schöne an Jayhawks-Alben ist, dass man ganz genau weiß, dass man nie weiß, was man genau bekommt. Legt man das zehnte Album der Band aus Minnessota auf, meint man, man hat es mit einem Walkabouts-Album zu tun. Jayhawks-Pianistin Karen Grotberg singt zum ersten Mal Lead Vocals, und ihre Stimme erinnert an die von Carla Thorgerson. Grotberg hat als Background-Sängerin immer wieder ihre Qualitäten bewiesen, zuletzt auch als Duett-Partnerin auf dem neuen Ray Davis-Album und auch auf dem Album "Wesley Stace’s John Wesley Harding" konnte sie ihre Spuren hinterlassen.

Womit wir schon gleich beim Landmark-Sound der Jayhawks wären: Klar bucht man diese Band gern für Kollaborationen. "If you want a chorus, you’d better call Louris" heißt es so schön ("wenn du einen Refrain brauchst, ruf Gary Louris an"). Und ab Titel Nummer Zwei "Everybody Knows" ist man dann auch wieder auf einem typischen Jayhawks-Album.

Bandausstieg mit positiven Folgen

Gary Louris hat die Jayhawks 1985 gegründet, zusammen mit Mark Olson. Der stieg 1995, nach den Erfolgsalben "Hollywood Town Hall" und "Tomorrow The Green Gras" aus. Was zunächst aussah wie das mögliche Ende der Band, hat sich als Gewinn für beide – Louris und Olson – herausgestellt. Olson hat wunderbare Alben mit Victoria Williams als Harmony Creek Dippers und ein paar erstklassige Solo-Alben  aufgenommen, eher in Richtung Countryfolk-Blues.

Und Louris hat den Sound der Jayhawks stärker in Richtung Pop und Psychedelic verfeinert. Ein bisschen muss man sich diese Trennung so vorstellen wie die von Uncle Tupelo: Jeff Tweedy gründete Wilco und Jay Farrar Son Volt. Zwei gleichstarke Songschreiber und Sänger in einer Band – das klappt selten auf Dauer.

Album voller Wiederveröffentlichungen

Das Album "Back Roads and Abandoned Motels" ("Seitenstraßen und leerstehende Motels") ist kein gewöhnliches Jayhawks-Album. Denn neun der elf Songs hat Louris mit anderen Musikern zusammen für deren Alben geschrieben. Drei Songs sind bereits auf Alben von Natalie Maines beziehungsweise ihrer Band Dixie Chicks erschienen. Andere wurden bereits auf Alben von Scott Thomas, Carrie Rodriguez oder Aris Hest veröffentlicht.

Gary Louris von der Band The Jayhawks bei einem Auftritt, 2015
Gary Louris (links) bei einem Auftritt 2015 Bildrechte: IMAGO

Einer der eindrucksvollsten, wenn auch traurigsten Songs erschien auf dem Soundtrack zur HBO-Serie "True Blood" - Volume 3. Es handelt sich um "Gonna Be A Darkness". Gary Louris hat die Geschichte über eine Beerdigung zusammen mit Jakob Dylan verfasst.

Die Ballade "Gonna Be A Darkness" ist einer der zwei Songs, die von Drummer Tim Reagan gesungen wurden, der andere ist "El Dorado", den viele vielleicht schon vom wunderbaren Album "She Ain’t Me" von Carrie Rodriguez kennen. Also viel Freiraum für die anderen Bandmitglieder auf diesem Jayhawks-Album; das wird der Songsammlung mehr als gerecht und erinnert mitunter an die Zeiten, als sich Louris die Leadvocals noch mit Mark Olson teilte.

Gary Louris liefert Höhepunkt des Albums

Zwei der Songs, geschrieben mit Emerson Hart von Tonic und mit den Wild Feathers, sind von diesen nie aufgenommen worden. Sie werden also erstmals veröffentlicht. Am überzeugendsten jedoch sind die letzten beiden Songs, kürzlich von Gary Louris ganz allein geschrieben und von ihm gesungen: "Carry You To Safety" und "Leaving Detroit" beweisen nämlich mal wieder aufs Feinste, dass Louris zwar gern zum gemeinsamen Schreiben von Liedern eingeladen wird, selbst aber im Grunde niemanden braucht, um seine wundervollen Lieder über die Fragilität von Liebe zu erfinden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 23. Juli 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2018, 04:00 Uhr