Russel Crowe in einem Ausschnitt der Serie The Loudest Voice.
Bilder wie dieses lassen eine spannende Serie vermuten, die die Hintergründe des Mediengeschäftes ausleuchtet Bildrechte: Showtime

Miniserie bei Sky Warum "The Loudest Voice" über Fox-News-Macher Roger Ailes enttäuscht

Eigentlich sollte "The Loudest Voice" ein Erfolg sein: Es geht um Trumps Lieblingssender Fox News und den Mann hinter den Fake News dort, Robert Ailes, der von Russel Crowe im Fettanzug dargestellt wird. Dennoch überzeugt "The Loudest Voice" unsere Kritikerin nicht.

von Anna Wollner, MDR KULTUR-Fernsehkritikerin

Russel Crowe in einem Ausschnitt der Serie The Loudest Voice.
Bilder wie dieses lassen eine spannende Serie vermuten, die die Hintergründe des Mediengeschäftes ausleuchtet Bildrechte: Showtime

Die neue Miniserie "The Loudest Voice" von Sky nimmt den Nachrichtensender Fox News und dessen Mitbegründer und langjährigem Chef Roger Ailes unter die Lupe. Dieser war Berater von Richard Nixon, Ronald Reagan und George H.W. Bush. Die sieben Folgen basieren auf der Biographie von Gabriel Sherman: "The Loudest Voice in the Room".

Die Serie versucht, Ailes ein negatives Denkmal zu setzen. Es ist kein klassisches Biopic, sondern eine leider sehr oberflächliche Auseinandersetzung mit seinem Aufstieg und Fall. Dabei geht es um seine Arbeit bei Fox News und wie er es geschafft hat, aus dem Sender den Haus- und Hof-Fake-News-Lieferanten des US-Präsidenten zu machen.

Dunkle Kapitel

Die sieben Folgen zeigen Schlüsselmoment in Ailes' Karriere. Es beginnt damit, wie er bei CNBC wegen sexueller Übergriffe gefeuert wird, dann auf Medienmogul Murdoch trifft und die beiden gemeinsam Fox News aus der Taufe heben, einen 24-Stunden-Nachrichtenkanal für Konservative.

The Loudest Voice
Immer wieder gibt es sexuelle Übergriffe von Roger Ailes Bildrechte: © 2019 Showtime, JoJo Whilden

Später wird die Berichterstattung zum Terroranschlag vom 11. September 2001 betrachtet. Fox News war damals der einzige Sender, der live gezeigt hat, wie Leute panisch aus den Twin Towers in den sicheren Tod gesprungen sind.

Es geht zudem um die Wahl Obamas, wie der Sender Stimmung gegen ihn macht und unter anderem das Gerücht in die Welt setzt und verbreitet, Barack Hussein Obama sei kein Amerikaner und damit nicht legitim gewählter Präsident.

Russel Crowe in einem Ausschnitt der Serie The Loudest Voice. 5 min
Bildrechte: Showtime

Eigentlich sollte diese Serie ein Erfolg sein. Es geht um Trumps Lieblingssender Fox News und den Mann hinter den Fake News dort, Robert Ailes. Dennoch begeistert "The Loudest Voice" unsere Kritikerin nur mäßig.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 16.09.2019 13:10Uhr 05:08 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Russel Crowe in einem Ausschnitt der Serie The Loudest Voice. 5 min
Bildrechte: Showtime

Eigentlich sollte diese Serie ein Erfolg sein. Es geht um Trumps Lieblingssender Fox News und den Mann hinter den Fake News dort, Robert Ailes. Dennoch begeistert "The Loudest Voice" unsere Kritikerin nur mäßig.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 16.09.2019 13:10Uhr 05:08 min

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Umfangreich wird der Aufbau Trumps als Präsidentschaftskandidat betrachtet, inklusive des Slogans "Make America great again". Am Ende geht es dann um Ailes' Fall, wie er von einer ehemaligen Moderatorin verklagt wird und viele seiner sexuellen Übergriffe ans Licht kommen.

Russell Crowe im Fettanzug

Ailes  wird als widerwärtiges, weißes, männliches Ekel dargestellt. Ein Mann, der seine Macht nicht nur liebt, sondern auch immer wieder ausspielt. Anfangs will Ailes Konservativen eine Plattform geben, heuert Männer an, die moralisch skrupellos sind und Frauen, die gut aussehen oder bei seinen sexuellen Übergriffen nicht zurückschrecken. Am Ende stolpert er nicht, er stürzt.

The Loudest Voice
Russel Crowe spielt den Medienmacher und wurde für die Rolle von der Maske enorm dicker gemacht Bildrechte: © 2019 Showtime, JoJo Whilden

Er bleibt jedoch eindimensional und unsympathisch. Er ist von Anfang an ein Ekel, wodurch sich dem Zuschauer relativ schnell die Frage stellt, warum man sich das sieben Folgen lang angucken sollte.

Gespielt wird Ailes von Russell Crowe. Der wirkt mit seinem Fettanzug und den Gesichtsprothesen schwammig, aufgequollen und (natürlich ganz bewusst) unsympathisch. Er spielt den Tyrannen aber trotzdem mit einer merkwürdigen Lustlosigkeit, stellt ihn als Mann dar, der vor nichts zurückschreckt und schon vom Geburtsrecht her sich selbst immer als Gewinner sieht.

Möglichkeit nicht genutzt

Auf dem Papier klingt die Serie eigentlich nach einem Hingucker. Dennoch ist hier etwas schiefgelaufen, sie ist eine vertane Chance. "The Loudest Voice" hätte eine treffende, pointierte Analyse des Entstehens von Fake News sein können, ist aber nur die Studie eines Mannes, dessen Schauspieler fast schon verzweifelt in jeder Szene stumm ruft: gebt mir eine Emmy-Nominierung.

The Loudest Voice
Die Serie basiert auf dem Buch "The Loudest Voice in the Room" Bildrechte: © 2019 Showtime, JoJo Whilden

Serienmacher Tom McCarthy hat das Drehbuch nicht im Griff und er hat seine Figuren nicht im Griff. Es geht nur darum, wer was wann wo getan hat. Dabei kratzt die Serie aber gefährlich an der Oberfläche, spart vollkommen aus, warum Ailes so lange erfolgreich war, warum Amerika ihm die Fake News abkauft und wie seine manipulativen Strategien beim Medienmachen funktionieren.

Ganz am Anfang sagt Ailes mal: "Die Leute wollen nicht informiert werden, sie wollen sich informiert fühlen." Das bleibt aber als Behauptung im Raum stehen und die Serie tappt genau in diese Falle.

Es geht auch anders: Ende des Jahres kommt ein Kinofilm ins Kino, "Bombshell" mit Charlize Theron, Margot Robbie und Nicole Kidman, in dem es genau um genau jene Frauen geht, die gemeinsam Ailes zu Fall gebracht haben. Und da hat der erste Trailer von anderthalb Minuten schon mehr Spannung als hier die ganze Serie.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. September 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2019, 17:33 Uhr