"Pauschalisierend" Sachsen: Theater kritisieren neue Corona-Schutzverordnung

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Die Theater haben nach der ersten Welle eigene Hygiene- und Abstandskonzepte entwickelt. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Independent Photo Agency Int.

Der Deutsche Bühnenverein hat die neue Corona-Schutzverordnung der sächsischen Landesregierung kritisiert. Die Regelung seien zu allgemein gehalten und würden die Situation in den Theatern nicht ausreichend berücksichtigen, erklärte Lutz Hillmann, Intendant des Bautzener Volkstheaters und Vorsitzender der sächsischen Landesgruppe des Interessenverbands, im Gespräch mit MDR KULTUR.

Lutz Hillmann, Intendant und Regisseur 7 min
Bildrechte: Deutsch-Sorbisches Volkstheater
Lutz Hillmann, Intendant und Regisseur 7 min
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"Pauschal und undifferenziert"

Die neue Verordnung will je nach Infektionsgeschehen Veranstaltungen beschränken und bezieht sich dabei auf die bekannten Grenzwerte der 7-Tages-Inzidenz: Bei 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner sind nur noch 150 Personen in geschlossenen Räumen gestattet. Sollte der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten werden, sind es sogar nur noch 100. Für Hillmann wird dabei nicht genügend zwischen Veranstaltungsart und -ort differenziert: "In einem Dorfgasthof haben wir andere Säle als beispielsweise bei der Leipziger Oper oder der Semperoper mit Lüftungsanlagen, die teilweise mit großem finanziellen Aufwand erst nachgerüstet worden sind."

Lutz Hillmann, 2012
Bildrechte: dpa

Dieser Entwurf würde diese großen Anstrengungen, die in den Theatern und Orchestern Sachsens und ganz Deutschlands gemacht worden sind, einfach ignorieren und egalisieren.

Lutz Hillmann, Vorsitzender der sächsischen Landesgruppe des Deutschen Bühnenvereins

Chemnitz: Ionen-Generator bindet Viren

Bereits im Juli haben viele Theater- und Konzerthäuser vorsichtig den Spielbetrieb wieder aufgenommen und dafür eigene Hygienekonzepte erarbeitet. Dabei wurden manchmal ganze Sitzreihen ausgebaut oder gesperrt, die Daten der Zuschauer für eine Nachverfolgung registriert und ganz konkrete Laufwege entwickelt. Das Leipziger Gewandhaus hat die Lüftungsanlage so umgestellt, dass die Luft nicht mehr im Raum verteilt wird, sondern nach oben gepustet und abgesaugt wird. Auf diese Weise sollte eine Übertragung über die Luft verhindert werden. Im Chemnitzer Opernhaus wurde die Lüftung durch einen sogenannten Ionen-Generator erweitert, der Bakterien und Viren bindet und schneller zu Boden sinken lässt.

Auch Marc Grandmontagne, Vorsitzende des Deutschen Bühnenvereins, erklärte in einem Interview, dass es nach jetzigem Kenntnisstand keine Infektionen in einem Theater gegeben habe. Darum bedauert Lutz Hillmann, dass die Politik nicht mehr Rücksicht auf die Theater nimmt und die Beschränkungen von Raumgröße und Hygienekonzepten abhängig macht.

Die sächsische Landesregierung hat sich bisher nicht zu dieser Kritik geäußert. Bei der Pressekonferenz am Donnerstag wurden erste Grundzüge vorgestellt, darunter auch die Besucherbeschränkungen. Allerdings können örtliche Gesundheitsämter Ausnahmen zulassen, womit eine ähnliche SItuation wie im Juni und Juli herrschen würde. Die neue Corona-Schutzverordnung für Sachsen soll ab Samstag in Kraft treten und voraussichtlich bis zum Januar 2021 gelten.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Oktober 2020 | 06:10 Uhr

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