Corona-Krise Theater Plauen-Zwickau will verstärkt mit freien Künstlern arbeiten

Das Theater Plauen-Zwickau hat die Pläne für die Spielzeit 2020/21 vorgestellt. Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist dabei ein wichtiges Thema. Aber wie kann dazu in Corona-Zeiten beigetragen werden? Generalintendant Roland May will in der Krise etwa auf freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen.

Roland May, Generalintendant & Schauspieldirektor Theater Plauen-Zwickau 8 min
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Das Theater Plauen-Zwickau hat die nächste Spielzeit vorgestellt. Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist ein wichtiges Thema. Aber wie - in Corona-Zeiten? Ein Gespräch mit dem Generalintendanten Roland May.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 24.06.2020 06:00Uhr 07:42 min

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Das Theater Plauen-Zwickau will verstärkt mit freien Künstlern arbeiten, um diese während der Corona-Krise zu unterstützen. Das sagte Generalintendanten Roland May MDR KULTUR. Das Theater sei wie viele andere künstlerische Institutionen durchfinanziert, so May. Für freischaffende Künstler sei es aber richtig prekär.

Wir sind jetzt dabei, alle Freien, die wir hier quasi auf dem Schirm haben wieder einzuladen in die Produktion. Wir wollen mit ihnen wieder arbeiten.

Roland May, Generalintendant und Schauspieldirektor Theater Plauen-Zwickau

Laut May seien die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter froh darüber und dankbar, dass an sie gedacht werde: "Sie schätzen sehr, dass wir nicht nur mit den festen Mitarbeitern planen, sondern natürlich immer die Stützen, die wir in der Vergangenheit hatten, mit bedenken."

Nie da gewesene Situation

Roland May, Generalintendant & Schauspieldirektor Theater Plauen-Zwickau
Roland May Bildrechte: MDR/Judith Burger

Die Theaterhäuser in Deutschland und Europa, so May, erlebten derzeit eine Situation, die noch nie da gewesen war. Man sei komplett vom Spielbetrieb abgeschlossen worden und müsse jetzt mit vielen Auflagen und Unsicherheiten wieder beginnen. Dazu passe das Motto der kommenden Spielzeit "Miteinander", das bereits vor dem Lockdown festgestanden habe.

Das Motto ist gefunden worden durch die Beschäftigung mit der Gesellschaft, die sich ja immer mehr auseinanderspreizt. Die Kommunikation verläuft sich in Echoräumen, wo sich keiner mehr zuhört und man nur noch gegeneinander arbeitet.

Roland May

Prekariat, NSU-Morde, Crystal Meth

Auf dem Spielplan der nächsten Saison stehen deshalb Stücke wie "Der Besuch der alten Dame" und "Woyzeck", in dem die Fragen des Prekariats verhandelt werden. Außerdem, verrät Roland May, werden die NSU-Morde noch mal thematisiert. Hier gäbe es immer noch viel aufzuarbeiten. Das Jugendstück "Auf Eis" werde sich mit der Droge Crystal Meth beschäftigen.

Oper und Ballett ab 2021?

Für die kommende Spielzeit wird es zunächst noch Einschränkungen geben. Dafür habe man einen sogenannter Corona-Plan entwickelt, der Abstandsregeln und Hygieneauflagen berücksichtigt. Ab 2021, so hofft May, könne dann auch wieder Oper und Ballett stattfinden: "Wir haben ja etliche Stücke noch in der Warteschleife liegen. Viele Inszenierungen sind gar nicht zur Aufführung gekommen, zum Beispiel 'Der Besuch der alten Dame' oder 'Hoffmanns Erzählungen'. Diese warten noch auf ihre Premiere."

Man sei flexibel und nehme die Herausforderungen an, sagte der Generalintendant, auch wenn die Epidemie noch weiter anhalten sollte.

Gehört der dritte Liebhaber zum selben Hausstand?

Im Juli startet der Spielbetrieb am Theater Plauen-Zwickau mit dem Stück "Offene Zweierbeziehung". Das Stück, erklärte May, wurde ergänzt mit dem Untertitel "In Zeiten von Corona". Dabei stelle sich zum Beispiel die Frage, ob der dritte oder vierte Liebhaber noch zum selben Hausstand gehören.

Kultur und Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Juni 2020 | 08:10 Uhr