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Das Dorftheater Gladigau wurde 2002 gegründet und feiert in diesem Jahr mit einem Stück im Altmärker Platt die Jubliläumsspielzeit. Bildrechte: Horst Bannehr/Dorftheater Gladigau

20. JubiläumGladigau in der Altmark: Warum das ganze Dorf mit Herz am Theater hängt

von Katharina Häckl, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 18. Februar 2022, 04:00 Uhr

Das Dorftheater im altmärkischen Gladigau wurde vor 20 Jahren gegründet und ist seitdem ein Publikumsrenner. Beim Vorverkauf in der Dorfkneipe bilden sich lange Schlangen – und am Ende ist beinahe jede Aufführung ausverkauft. Was ist das Erfolgsrezept der Theatergruppe, die mit Stücken im Altmärker Platt inzwischen zum Kult geworden ist?

Selbst die Gladigauer hätten vor 20 Jahren nicht darauf gewettet, dass ihr Dorftheater-Projekt ein derart großer, langanhaltender Erfolg wird. Beinahe jede der 18 Vorstellungen pro Spielzeit war ausverkauft. Mittlerweile sind mehr als 280 Aufführungen vor fast 25.000 Zuschauern gespielt worden.

Gegründet wurde das Dorftheater Gladigau 2002 als Interessengruppe unter den Fittichen des Altmärkischen Heimatbundes. Dessen Vorsitzender Norbert Lazay ist seit Jahrzehnten evangelischer Pfarrer in Gladigau und legt Wert auf moderne Traditionspflege.

Modernes plattdeutsches Theater in der Altmark

So sind die Stücke, die das Dorftheater-Ensemble auf die Bühne bringt, keine aufgehübschten Schmöker, sondern in modernen Zeiten geschrieben. Oft im norddeutschen Plattdeutsch. Aber dafür haben die Gladigauer Rosel Müller: Sie übersetzt die Texte ins Altmärker Platt. Das Stück der Jubiläumsspielzeit 2022 heißt "Un wökker küsst me?" ("Und wer küsst mich?"), eine Komödie in drei Akten aus der Feder von Uschi Schilling. Sie schrieb es 2004.

Im ersten Corona-Jahr zeigte das Dorftheater Gladigau das Stück "De Arvsliekers" ausnahmsweise als Videovorstellung. Bildrechte: Horst Bannehr/Dorftheater Gladigau

Das Ensemble des Dorftheaters ist so bunt wie das Dorf selbst: von der Schülerin bis zum Rentner – beinahe das halbe Dorf ist mit dabei. Vor, auf und hinter der Bühne. Als wegen Corona im Jahr 2020 die Proben gestoppt werden mussten, scherzte Intendant Horst Bannehr, manche Ehepartner verdrehten schon die Augen und würden auf den Neustart warten – man sei gemeinsame Abende zu Hause wegen der vielen Proben gar nicht mehr gewöhnt.

Diese Alltagsfröhlichkeit greift von der Bühne wie selbstverständlich auf die Zuschauer über. Prominentester Fan ist Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der bereits mehrfach in Gladigau im Publikum saß.

Schlangen beim Kartenvorverkauf in der Dorfkneipe

Er ist wohl auch der Einzige, der sich nicht nach Karten anstellen muss. Tickets für die Vorstellungen des Dorftheaters Gladigau gibt es weder im Internet noch über Beziehungen, sondern nur an jeweils einem einzigen Tag, etwa vier Wochen vor der jeweiligen Premiere: im "Dörpschen Krog", der örtlichen Gaststätte, in deren Saal auch die Aufführungen stattfinden.

Wirt Joachim Rohloff schließt um 8 Uhr morgens auf. Da stehen etliche Menschen aber schon seit Stunden vor der Kneipentür, damit sie auch auf jeden Fall ein Ticket fürs Dorftheater bekommen. Teilweise haben sich Männer und Frauen ab 1 Uhr nachts vor den "Krog" gesetzt – mit dicken Decken, Thermosflaschen und Campingstühlen.

Das Dorftheater Gladigau spielte in seiner 17. Spielzeit die Komödie "Dat Stadtfrollein" – der Posaunenchor wirkte in dem Stück als Dorfkapelle mit. Bildrechte: Horst Bannehr/Dorftheater Gladigau

Hoffnung auf gelockerte Corona-Beschränkungen für Theater

Ob der Ticketverkauf am 26. Februar diesen Jahres, dem der Jubiläumsspielzeit, auch so sein wird, bezweifelt Norbert Lazay. Der Pfarrer ist seit langem auch Regisseur des Dorftheaters. Er wird wegen der Corona-Beschränkungen den Saal nicht so voll besetzen können, wie in Zeiten vor der Pandemie, befürchtet Lazay. Hoffnung besteht natürlich, weil die Bundesregierung den Wegfall der meisten Corona-Beschränkungen ab 20. März propagiert hat.

Da könnte es mit der kultigen Menschenschlange früh morgens vorm "Dörpschen Krog" doch was werden.

Die Schauspieler und Schauspielerinnen des Dorftheaters Gladigau haben ein treues Publikum, das auch nachts für die begehrten Theaterkarten schlangesteht. Bildrechte: Horst Bannehr/Dorftheater Gladigau

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Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 17. Februar 2022 | 10:30 Uhr