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ModellversuchAnhaltische Theater Dessau: Vorhang auf mit Publikum

Interview

Öffnungs-Modellprojekt am Theater Dessau: "Unglaublich bewegend"

Stand: 13. April 2021, 14:08 Uhr

Am Anhaltischen Theater Dessau fielen am 12. April zum ersten Mal nach monatelanger, Corona-bedingter Ruhe die Vorhänge vor Publikum. Das Modellprojekt des Landes Sachsen-Anhalt soll zunächst eine Woche lang dauern. Das Publikum ist auf 100 Personen begrenzt und muss beim Einlass einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorweisen. Wie ist das Modellprojekt am Theater angelaufen? Intendant Johannes Weigand im Interview.

MDR KULTUR: Wie ist denn der erste Abend des Modellprojekts am Anhaltischen Theater Dessau mit dem Konzert "Frühlingsstimmen!" am 12. April aus Ihrer Sicht gelaufen? War die Veranstaltung ausverkauft?

Johannes Weigand: Es war unglaublich bewegend. Wir haben nach einem knappen halben Jahr wieder am eigenen Körper erfahren, dass das wirkliche Zusammensein die Basis des Erlebnisses ist, zu dem wir aufbrechen. Zum Applaus mussten sich die Sänger dann teilen: eine Hälfte links, eine Hälfte rechts, und da habe ich meine beiden Sopranistinnen und unseren Heldenbariton plötzlich vor mir gehabt und in wirklich glückliche Gesichter geschaut.

Johannes Weigand, Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau Bildrechte: dpa

Und nein, die Veranstaltung war nicht ausverkauft. Ich weiß es nicht genau, aber so ungefähr halb ausverkauft war sie. Das ist ja ein Teil von den Erfahrungen, die wir mit dem Modellprojekt machen wollen: Wir haben gespiegelt bekommen, dass die Leute lieber beim Eintritt ins Theater den Corona-Test machen möchten, als vorher in einem Testzentrum. Das ist schon mal eine Erkenntnis, denn am Sonntag, an dem wir bei uns im Haus testen lassen, sind wir voll.

Wie funktioniert der Besuch an den Tagen, an denen nicht im Theater getestet wird?

Die Besucherinnen und Besucher müssen einen zertifizierten Test mitbringen. Den erteilen die beiden Impfzentren in Dessau und in Roßlau oder sie erhalten einen aus beruflichen Gründen, beispielsweise morgens bei der Arbeit. Oder sie gehen in die Apotheke, auch das geht.

Die Reaktionen des Publikums spiegeln zum Teil die Frustration über einen gewissen Aufwand, der nun mit dem Theaterbesuch verbunden ist. Was war denn der künstlerische Ertrag in dieser ganz besonderen Situation?

Das Anhaltische Theater Dessau ist startklar. Ob das Modellprojekt erfolgreich sein wird, wird sich zeigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir haben erfahren, wie die Wirkung von Musik auf einen Menschen sein kann, und zwar genau dann, wenn sie sich Angesicht zu Angesicht vollzieht. Das ist deshalb eine so besondere Erkenntnis, weil wir sie solange nicht hatten. Wir haben am Samstag wiederum Jazz online gestreamt: ein wichtiges und tolles Programm zum jüdischen Jubiläum. Was immer wir tun, wir kriegen Reaktionen, aber nie haben wir solche bekommen, wie am Montag, als die Leute uns wieder in die Augen geschaut haben.

Wann kann denn eingeschätzt werden, ob das Modellprojekt erfolgreich war, die Vorsichtsmaßnahmen wirklich greifen und die Gefahr, sich im Theater anzustecken, auch tatsächlich gering ist?

Das ist sehr schwer zu beurteilen, weil sich in einem Saal mit 1.100 Plätzen hundert Zuschauer kaum einer Gefährdung aussetzen können. Für uns ist das Modellprojekt vor allem im Hinblick darauf interessant, wie wir wieder in eine Routine des Spielens kommen, wenn die Pandemie eben nicht einfach weg ist, sondern sich nur in einen mittelfristigen Langzustand verändert.

Wir können uns nicht in einem Maulwurfsbau verkriechen und warten bis alles wieder schön ist.

Johannes Weigand, Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau

Wie geht das Modellprojekt am Anhaltischen Theater Dessau jetzt weiter?

Wir haben am 14. April einen Tanzabend im Bauhaus-Museum. Das ist zwar ein großer Raum, aber da wiederum können wirklich nur 30 Personen kommen. Das ist ein Stück, in dem einzelne Tänzer auf vier kleinen Bühnen einen ganz wunderbaren Abend gestalten. Die Leute sitzen in der Mitte. Dann haben wir am Samstag, den 17. April eine Opern-Premiere "Orphée" von Philip Glass, ein relativ anspruchsvolles Stück. Wenn wir wieder aufmachen können, wird das eine der ersten Opern sein, die im Repertoire ist. Und das Konzert "Frühlingsstimmen!" vom 12. April wird am Sonntag, den 18. April nochmal wiederholt.

Das Gespräch führte Moderatorin Julia Hemmerling für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 13. April 2021 | 10:15 Uhr