Unbeirrt und innovativ Theaterpreis des Bundes geht nach Halle und Staßfurt

Mit dem Theaterpreis des Bundes werden diesmal auch zwei Bühnen aus Sachsen-Anhalt geehrt. Für ihr herausragendes künstlerisches Programm in der Spielzeit 2019/2020 bekommen das WUK Theater Quartier in Halle und das Salzlandtheater in Staßfurt die mit je 75.000 Euro dotierte Auszeichnung.

Grütters: "Unbeirrt weitergemacht"

Auf der Gewinnerliste stehen insgesamt elf kleine und mittlere Bühnen, die – unterstützt von Ländern und Kommunen als Trägern – trotz der langen Schließungen während der Corona-Pandemie "unbeirrt weitergemacht" haben, wie Kulturstaatsministerin Grütters am Montag erklärte. Dabei hätten sie künstlerisch, technisch und strukturell neue Wege eingeschlagen.

WUK Theater Quartier: Kraftzentrum der Szene

Das WUK Theater Quartier in Halle
Das WUK Theater Quartier in Halle Bildrechte: WUK Theater Quartier / Patrick Jungwirth

Das WUK Theater Quartier sei "ein noch recht junges und schon jetzt aus der Stadt Halle nicht mehr wegzudenkendes und für die Szene Sachsen-Anhalts überlebenswichtiges Theaterhaus", urteilte die Jury. Es biete freien Künstlerinnen und Künstlern aus Tanz, Konzert, Schauspiel und Performance sowie Installation Produktions- und Aufführungsmöglichkeiten. Darüber hinaus sei es im konstanten Dialog mit der Stadtgesellschaft. Leiter Tom Wolter erklärte dazu im Gespräch mit MDR KULTUR:

Ein kleines Passagierschiff auf einem Fluss.
Das neue Theaterschiff Bildrechte: Patrick Jungwirth

Wir haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt, sondern intern sehr intensiv weitergearbeitet und sehr viel verändert, um die Zeit zu nutzen, die wir als Veranstaltungshaus sonst nicht haben. Wir haben uns sehr stark mit unseren Künstlerinnen und Künstlern verbunden. Wir haben Stipendien ausgereicht, unser neues Online-Format 'Auf Sendung' begonnen und im letzten Sommer unseren Partnerinnen und Partnern die Möglichkeit gegeben, ihre Veranstaltungen zu zeigen.

Tom Wolter Leiter WUK Theater Quartier

Das in der Pandemie erprobte Netztheater-Projekt soll Wolter zufolge fortgeführt werden, indem weiter eigene Formate initiiert, aber auch Künstlerinnen und Künstler dazu eingeladen werden. Als Theatermacher sehe er darin "eine neue Farbe, die auf einmal mit ins Genre Theater hineingehört".   

Das WUK wagte sich ins Netz, im Juni 2021 sogar aufs Wasser. Die Theaterleute erwarben das in Halle als "Elfe" bekannte ehemalige Fahrgastschiff und starteten die Open-Air-Bespielung mit dem Programm "Sehr kosmische Zeiten. Seid bereit - Immer bereit". Ein Figurentheaterstück übers Jungsein in der DDR, das ein Klassentreffen nach 35 Jahren zum Ausgangspunkt hat. Auch Lesungen und Konzerte sind auf dem Theaterschiff im Sommer geplant.

Salzlandtheater: Generationsübergreifend und inklusiv

Spielszene des Salzlandtheaters Staßfurt
Jochen Busse, René Heinersdorff und Hugo Egon Balder in "Komplexe Väter" Bildrechte: Salzlandtheater Staßfurt

Das Salzlandtheater wiederum helfe, den Herausforderungen der Region – Abwanderung, Arbeitslosigkeit, Strukturschwäche – mit kulturellen Mitteln entgegenzutreten, so die Jury. Das Haus sei ein generationenübergreifendes pädagogisches Zentrum mit inklusiven Theatergruppen, Konzerten und Aufführungen für Kitas und Schulen sowie Projektarbeit für Menschen mit Behinderung. In der Pandemiezeit seien nicht nur Ausfallhonorare gezahlt worden, das Theater habe sich vielmehr zur Beratungsinstanz mit Blick auf Fördermöglichkeiten entwickelt. Theaterleiter Stephan Czurati erklärte zu dem Preis, der "völlig unerwartet" kam:

Wir sind überglücklich als erstes Gastspielhaus überhaupt mit diesem Preis ausgezeichnet zu werden. Es bestätigt uns auf unserem Weg, ein breites Kulturangebot und auch Angebote der kulturellen Bildung in einer eher strukturschwachen Region anzubieten.

Stephan Czuratis Leiter Salzlandtheater Staßfurt

Das Preisgeld soll Czuratis zufolge zur Weiterentwicklung der pädagogischen und kulturellen Angebote sowie zur Verbesserung der Produktionsbedingungen verwendet werden. 

Preisverleihung am 8. Juli in Berlin

Zu den elf ausgezeichneten Bühnen gehören auch das Jahrmarkttheater in Altenmedingen, das LOT-Theater in Braunschweig, das Theater an der Glocksee in Hannover, das Theaterhaus G7 in Mannheim, das Schlosstheater in Moers, das Theater an der Ruhr in Mülheim, das HochX Theater und Live Art in München, das Papiertheater in Murnau sowie die Wuppertaler Bühnen samt Sinfonieorchester.

Die Preisverleihung ist am 8. Juli 2021 in der Akademie der Künste in Berlin geplant und im Livestream zu sehen.

Theater in Mitteldeutschland: Innovativ durch die Pandemie

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Juni 2021 | 16:30 Uhr

Abonnieren