Interims-Spielstätte Der Chemnitzer Spinnbau – die neue Bühne am Rande der Stadt

Wegen der Sanierung des Schauspielhauses in Chemnitz ziehen das Schauspiel und das Figurentheater ins Gebäude des ehemaligen VEB Spinnereimaschinenbau. Die Eröffnung des Spinnbaus als Interimsspielstätte wird an zwei Wochenenden groß gefeiert und hält sieben Premieren bereit, unter anderem die Bühnenfassungen von Paula Irmschlers Kultromans "Superbusen" und Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick". Den Auftakt bildet am 18. März die Posse "Hin und Her" von Ödön von Horvath.

Blick von einer Bühne in einen Theatersaal, in dem erst ein Teil der Sitzplätze aufgebaut ist
Die Große Bühne empfängt am Freitag die ersten Zuschauer. Bildrechte: Nasser Hashemi

"Wahrscheinlich wird der letzte Nagel hier am 18. März um 19:29 Uhr eingeschlagen, das ist schon ein Abenteuer", sagte der Chemnitzer Schauspiel-, und nun auch Fabrikdirektor auf Zeit, Carsten Knödler, als er mich nach meinem Besuch auf der Chemnitzer Theaterbaustelle verabschiedet. Beim Besuch am Mittwoch, neun Tage vor der feierlichen Eröffnung der Interims-Spielstätte, hatten eindeutig noch die Handwerker das Regime. Aber auch wenn sich Elektriker, Trockenbauer und Maler ein heißes Wettrennen auf den letzten Metern lieferten, sah es schon nach Theater aus.

Kunst trifft Handwerk  

Denn das Theater hat hier im Hauptgebäude des ehemaligen VEB Spinnereimaschinenbau Chemnitz seine neue Heimat auf Zeit gefunden. Will heißen für zwei Jahre, solange soll die "Ertüchtigung" des alten Schauspielhauses in der Stadt dauern.

Das Schauspiel und das Figurentheater mussten umziehen, an den Rand der Stadt. Wird das Publikum mitziehen? Die Altchemnitzer Straße im gleichnamigen Vorort ist nicht gerade die eleganteste Adresse. Schauspieldirektor Knödler bleibt vorsichtig optimistisch. "Im neuen Ostflügel haben wir schon erste Aufführungen für Jugendliche gespielt, das hat gut funktioniert. Und vielleicht locken wir in Zukunft ja auch Leute ins Theater, die mit diesem Ort auf besondere Weise verbunden sind. Schließlich war das mal ein großer Arbeitgeber in der Stadt. Wir haben schon einige Reaktionen von ehemaligen Kollegen, die sehen wollen, was jetzt daraus geworden ist."

Eine Raum mit großer Fensterfront im Umbau. Container und Kabelrollen liegen herum
Wenige Tage vor der Eröffnung waren im künftigen Theaterfoyer noch die Handwerker bei der Arbeit. Bildrechte: Nasser Hashemi

Der Spinnbau: Ein Theater auf zwei Etagen

Ein Raum mit blauen Wänden und einem grünen Teppich-Berg in der Mitte
Auch das Figurentheater hat im Chemnitzer Spinnbau ein neues Zuhause gefunden. Bildrechte: Nasser Hashemi

Im Erdgeschoss haben der Ostflügel und das Figurentheater ihren Platz gefunden – zur Freude von Figurentheater-Chefin Gundula Hoffmann, die mit ihrem Ensemble am 26. März hier Theodor Storms Schimmelreiter zur Premiere bringt. "Ich mag die Großzügigkeit der Räume," so Hoffmann. "Unsere neue Bühne ermöglicht uns mit mobilen Zuschauertraversen vielfältige Spielmöglichkeiten, die wir je nach Inszenierungsidee anpassen können."

Nebenan im Ostflügel schlägt das Schauspiel mit gleich drei Premieren zwischen Klassik und Pop zu. Am 18. März leidet Goethes junger Werther und einen Tag später kann sich das Publikum auf einen "Superbusen" freuen, die Bühnenfassung des Chemnitzer Kultromans von Paula Irmschler. Geprobt noch am alten Ort und nun am neuen zur Premiere gebracht. Ein richtiges "Hin und Her" könnte man das nennen und liegt damit voll im (Spiel)Plan.

Eine Bühne, auf der Planeten von der Decke hängen
Am Freitag feiert "Hin und Her" in der Interimsspielstätte des Theaters Chemnitz Premiere. Bildrechte: Nasser Hashemi

Premierenmarathon zur Eröffnung

Die Eröffnungspremiere am 18. März im großen Saal der ersten Etage trägt genau diesen Titel: "Hin und Her", eine hierzulande eher unbekannte Posse von Ödön von Horvath, in Szene gesetzt von Carsten Knödler. Am Sonntag, 20. März feiert im Ostflügel dann noch das Kammerspiel "Leb wohl, Judas" von Ireneusz Iredynski Premiere, bevor am 25. und 26. März Molières Komödie "Amphitryon" und Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick" den Premierenmarathon im Spinnbau beschließen. Da sage einer, es sei für ihn nichts dabei gewesen.

Hinsichtlich der Erreichbarkeit des neuen Theaters am Rande der Stadt, sei – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Spritpreise – die Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen. Der Bus 52 hält direkt vor dem Haus. Von der Haltestelle der Straßenbahnlinien 5/6 und der Citybahnlinie C11 in der Rößlerstraße aus, dauert es circa zehn Minuten zu Fuß. Eintrittskarten und Abonnementsausweise gelten als Fahrschein.

Mehr zu den Premieren im Spinnbau Chemnitz Schauspiel:

"Hin und Her"
Posse von Ödön von Horváth
Fr., 18. März, 19:30 Uhr, Tickets verfügbar
Aufführungen mit verfügbaren Tickets: 10. April, 16. April, 21. Mai

"Die Leiden des jungen Werther"
nach dem Roman von Johann Wolfgang von Goethe
Fr., 18. März, 20 Uhr, Resttickets über Warteliste
Weitere Aufführungen: 10. April, 16. April, 24. April. 3. Mai, 4. Mai (nur noch Resttickets über Warteliste)

"Superbusen"
Popdrama nach dem Roman von Paula Irmschler
Sa., 19. März, 20 Uhr, Resttickets über Warteliste
Aufführungen mit verfügbaren Tickets: 7. Mai

"Leb wohl, Judas …"
Schauspiel von Ireneusz Iredynski
So. 20. März, 20 Uhr, Resttickets über Warteliste
Aufführungen mit verfügbaren Tickets: 2. April, 14. April, 30. April, 19. Mai

"Amphitryon"
Göttliche Komödie von Molière
Fr., 25. März, 20 Uhr, Resttickets über Warteliste
Aufführungen mit verfügbaren Tickets: 7. April, 28. April

"Tschick"
Roadtrip nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf
Sa., 26. März, 19:30 Uhr, ausverkauft
Aufführungen mit verfügbaren Tickets: 7. April, 18. April, 20. Mai

Figurentheater:

"Der Schimmelreiter"
nach der Novelle von Theodor Storm
Sa. 26. März, 20 Uhr, ausverkauft
Aufführungen mit verfügbaren Tickets: 8. April, 28. Mai

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. März 2022 | 06:15 Uhr

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