Trauer Mitteldeutsche Theatermacherin Ute Raab gestorben

Ute Raab im August 2020
Ute Raab im August 2020 Bildrechte: Privat

Die Regisseurin und Choreografin Ute Raab ist tot. Wie MDR KULTUR am Montag aus dem Umfeld der Künstlerin erfuhr, starb sie am Samstagmorgen im Alter von 56 Jahren. Einer ihrer Wegbegleiter, der Musikkritiker Jens Daniel Schubert, erklärte, ihr früher Tod reiße eine große Lücke in der mitteldeutschen Theaterlandschaft. Die Liste ihrer Choreografien und Regiearbeiten an Häusern in der Region sei lang. Das Verständnis für das Ganze eines Theaterkunstwerkes habe ihr Schaffen ausgezeichnet: "Bild, Bewegung, Text und Musik – für Ute Raab war das eine ästhetische Einheit."

Gründerin der Plauener Tanztage und Team-Arbeiterin

Regieteam "Gas" mit Ute Raab (l.), Axel Richter und Ulrike Kunze
Choreografin Ute Raab (l.) im Team mit Regisseur Axel Richter und Ausstatterin Ulrike Kunze, zusammen inszenierten sie "Gas I" nach Georg Kaiser. Bildrechte: Landesbühnen Sachsen / Hagen König

In Halle geboren, studierte sie Choreografie an der Theaterhochschule "Hans Otto" in Leipzig.

Ihre Laufbahn begann Raab als Ballettmeisterin am Theater Plauen, wo sie von 1993 bis 1997 auch Chefchoreografin war und die Plauener Tanztage gründete. 1998 wagte sie den Schritt in die Freiberuflichkeit.

Schauspieler auf der Bühne
Szene aus "Gas I" nach Georg Kaiser Bildrechte: Landesbühnen Sachsen / Hagen König

Neben Arbeiten für Oper, Operette und Musical interessierte sie sich zunehmend für die Arbeit mit Schauspielerinnen und Schauspielern. "Das Ballhaus", ein Schauspiel ohne Worte nach Steffen Mensching, inszenierte sie am Thalia Theater in ihrer Heimatstadt Halle sowie in Heilbronn. Nicht mit professionellen Tänzern, sondern mit Schauspielern, was ihr nach eigenem Bekunden wegen der Natürlichkeit der Bewegungen wichtig war. Tanz sei "Ausdruck eines Lebensgefühls".

Regisseurin, Choreografin, Dozentin mit besonderem Blick

"Der gestiefelte Kater" an den Landesbühnen Radebeul
"Der gestiefelte Kater" an den Landesbühnen Sachsen war eine ihrer letzten Inszenierungen. Bildrechte: Landesbühnen Sachsen / Rene Jungnickel

Verbunden war Ute Raab auch dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen, mit "Eltern" und "Denn alle Lust will Ewigkeit" kehrte sie dorthin zurück. Ausstatter Stefan Wiel, der seit 1987 in Bautzen immer wieder mit Ute Raab zusammengearbeitet hat, verweist auf ihren besonderen Blick für Bühnenbild und Kostüm. An den Landesbühnen Sachsen inszenierte sie gemeinsam mit Schauspieldirektor Peter Kube Borcherts "Draußen vor der Tür" oder das Musical "Heute Abend Lola Blau" nach Georg Kreisler, zuletzt auch "Den gestiefelten Kater". Außerdem war sie am Staatsschauspiel Dresden, am Schauspiel Frankfurt oder in Krefeld tätig. Als Dozentin unterrichtete sie in Leipzig und Graz.

Ute Raab werde als selbstbewusste Frau, ambitionierte Künstlerin und gute Freundin in Erinnerung bleiben, schreibt Jens Daniel Schubert in seinem Nachruf. Sie habe sich nach der ersten Krebsdiagnose unterstützt von Freunden und Kollegen tapfer ins Leben zurückgekämpft. Ihr früher Tod mache betroffen.

Theater in Mitteldeutschland

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. März 2021 | 06:30 Uhr

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