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"gedippelt, gewerfelt, gestreift"Bauhausfest Dessau: Tanzen wie zu Oskar Schlemmers Zeiten

von Sandra Meyer, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Stand: 01. September 2022, 10:20 Uhr

Dessau feiert vom 1. bis 4. September zwei Jubiläen: Vor 25 Jahren begann man hier, die historischen Bauhausfeste der 1920er-Jahre im modernen Sinn nachzuempfinden. 1997 nannte man es noch "Farbfest" – seit einigen Jahren sind es wieder die "Bauhausfeste". Immer verbirgt sich dahinter eine Mischung aus Volksfest und Performance. Diesmal wird auch der 100. Geburtstag von Oskar Schlemmers Triadischem Ballett zum Thema gemacht. Zudem eröffnet das Anhaltische Theater während des Bauhausfestes seine neue Spielzeit.

Allein das Motto des diesjährigen Bauhausfestes beglückt durch seinen Sprachwitz: "gedippelt, gewerfelt, gestreift" – ein Thema, das man vom ersten historischen Bauhausfest 1926 abgeguckt hat, erzählt Mitorganisator Torsten Blume: "Das hatte Oskar Schlemmer damals vorgeschlagen. Es war quasi die Anleitung, sich Kostüme zu gestalten. Gedippt, das heißt gepunktet, gewerfelt: kariert und gestreift, erklärt sich selbst. Und aus diesen Formen sollten dann die Kostüme gebildet oder bemustert werden."

Und diese Idee will man nun mit den Dessauern gemeinsam umsetzen: Man animiert sie, sich für den großen Festumzug zu verkleiden oder bietet einen Workshop, um sich mit Papier, Farben und Masken selber ein Kostüm zu basteln.

"Horizonte", PMD-ART Productions // Die Choreografische Installation gehört zum bunten Programm des 25. Bauhausfestes Dessau. In diesem Jahr wird außerdem der 100. Geburtstag von Oskar Schlemmers "Triadischem Ballett" gefeiert. Bildrechte: PMD-ART Productions

Denn wie das historische Bauhaus vor 100 Jahren will man auch heute eine stärkere Verbindung in die Stadt knüpfen, sagt Burghard Duhm von der Stiftung Bauhaus Dessau. Vor diesem Hintergrund habe man die Bauhausfeste vor 25 Jahren auch wiederaufleben lassen: "Letztendlich ist das Bauhausfest – oder damals noch das Farbfest 1997 – auch eine Initiative aus der Stadt heraus gewesen: Um zwischen dem Theater, dem Tourismusamt und dem Bauhaus quasi eine Verbindung herzustellen. Das hat sehr gut funktioniert. Und es ist auch wichtig, daran weiterzuarbeiten", erklärt Duhm.

Dessauer Bands beim großen Festumzug

DJ Karacho Rabaukin ist auch beim Bauhausfest dabei Bildrechte: Christoph Wohlfahrt

Der große Festumzug und sein Begleitprogramm spielen dabei eine wichtige Rolle: Dazu gehört ein Picknick in Weiß im Stadtpark und ein anschließendes "Eintrommeln" am Bauhaus Museum, so Duhm: "Da gibt es Musik, da laufen Figurinen rum, um ein bisschen einzustimmen. Dann wird es musikalisch, zum Beispiel das Universal Druckluft Orchester aus Dresden ist da, Bands aus Dessau. Das ist ein buntes Treiben. Laut, bunt, farbig, fantastisch, geht es dann von da aus zum Eröffnungskonzert direkt vor das Anhaltische Theater. Dort werden die Gäste des Eröffnungskonzertes eingesammelt, und dann geht es durch den Bahnhof zum Hochschulcampus weiter zum Bauhaus-Gebäude."

Bauhausfest: Das Universal Druckluft Orchester aus Dresden ist bei dem Festumzug durch Dessau dabei. Bildrechte: Druckluft Orchester

Figurinen aus dem Triadischen Ballett verwandeln sich

Und wie schon beim Umzug werden auch hier die eigentümlichen Figurinen des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer eine Rolle spielen. Dazu gehören der "Abstrakte", die "Spirale" oder die "Kugelhände" – manche tauchen open air auf den Balkonen an der Bauhaus-Fassade auf oder aber bei dem Stück "Meta/Mor/Phos" der Hedwig Dances Chicago. Da sieht man nachgebaute Schlemmer-Figurinen, die sich im Laufe des Stücks allerdings in insektenartige Gebilde verwandeln, erklärt Kurator Blume.

"Diese klassischen Schlemmer-Figuren tanzen, wie sie etwa auch in den 20er-Jahren getanzt haben. Und dann verpuppen sie sich in neue Figuren mit anderen Kostümen und anderen Bewegungen – also eine neue Verwandlung des Menschen in eine Kunstfigur, die diesmal nicht apparativ technisch wie im Triadischen Ballett der klassischen Art gewesen ist, sondern als insektuide, stachlige, bunte Wesen."

Bei der Tanzperformance "META | MOR | PHOS – A Triadic Fiction" mit den Hedwig Dances Chicago verwandeln sich die Figurinen ... Bildrechte: Vin Reed

Triadische Disco auf dem Campus der Hochschule Anhalt

Sieht man bei diesem 40-minütigen Theaterstück die Kostüme auf der Bühne, kann man ihnen beim "triadic Dance club" hautnah begegnen. Für eine Art "Triadische Disco" auf dem Campus der Hochschule Anhalt haben Studierende die historischen Kostüme rekonstruiert, tanzen mit ihnen und animieren dazu auch die Besucher.

Torsten Blume: "Es geht ja darum, dass man das Triadische Ballett auf seine Weise selber tanzt – hoffentlich inspiriert, vielleicht auch durch "Meta/Mor/Phos" und das insektuide Umtanzen des Triadischen Balletts. Uns geht es nicht darum, das Triadische Ballett als etwas Fertiges zu feiern, was es ja historisch nie gewesen ist, sondern als eine Versuchsanordnung: sich als Kunstfigur mal auf eine andere Weise zu erproben." Auch musikalisch, denn eine kanadische Musikerin hat für das Triadische Ballett elektronische Musik komponiert.

Oskar Schlemmer hatte sein "Triadisches Ballett" nie als etwas Fertiges verstanden. Bildrechte: Vin Reed

So kann man beim 25. Bauhausfest mit heutigen Mitteln und auf wunderbar spielerische Weise entdecken, wie experimentierfreudig diese Schule für Gestaltung schon vor hundert Jahren war und auch: wieviel Spaß die Bauhäusler damals hatten.

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 01. September 2022 | 07:40 Uhr