Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau Görlitzer Theatermacherin Dorotty Szalma: modern, europäisch, trinational

Im August beendet die 1974 in Budapest geborene Theaterregisseurin und Schauspielintendantin Dorotty Szalma ihre Arbeit am Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau. Seit nunmehr acht Jahren lebt und arbeitet sie im Zittauer Dreiländereck, im äußersten Osten Deutschlands an der Grenze zu Polen und Tschechien. Dort bringt sie auch Theaterstücke für ein dreisprachiges Publikum und ein trinationales Festival auf die Bühnen. Sie braucht keine Vision, sie lebt Europa.

Dorotty Szalma 4 min
Bildrechte: Dorotty Szalma

Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau Vom Theatermachen in Zittau

Vom Theatermachen in Zittau

In der Grenzregion Görlitz-Zittau inszenierte die im August scheidende Schauspieldirektorin Dorotty Szalma am Gerhart Hauptmann-Theater Stücke für ein dreisprachiges Publikum. Ein Beitrag von Heike Schwarzer.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 21.06.2021 15:30Uhr 04:09 min

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Dorotty Szalma liebt es, die Freiheit der Kunst in einer dreisprachigen Grenzregion im Alltag zu leben. Hindernisse empfinde sie als förderlich für gute Kunst, auch Grenzen auszuloten, sagt Dorotty Szalma, in Budapest geboren, kulturell in Europa verwurzelt und Zuhause im letzten östlichen Winkel Deutschlands. In dieser schrumpfenden Region behauptet das Gerhart Hauptmann-Theater als Vierspartenhaus, trotz Sparzwängen und Fusionen, seinen Platz für ein mindestens dreisprachiges Publikum. Für sie macht Dorotty Szalma Theater:

Also, warum ich überhaupt Theater machen wollte und zwar immer schon, ich wollte über Missstände reden und gerne in irgendeiner Form lustvoller Dorn in der Gesellschaft sein.

Dorotty Szalma, Theaterregisseurin und Schauspielintendantin

Theater für Menschen im Dreiländereck

Dorotty Szalma wollte von Anfang an "frisches und modernes Theater" in Zittau machen. Zum Beispiel mit der Bühnenfassung der Graphic Novel des jungen Prager Autoren Jaroslav Rudiš. "Nebel" erzählt die Geschichte eines Sudetendeutschen Bahnbeamten, halb deutsch, halb tschechisch, der die Bilder von Zügen mit KZ-Häftlingen und Vertriebenen nicht vergessen kann. Die Zittauer Theaterversion bekam ein offenes Ende und damit ein Symbol für Hoffnung und Versöhnung.

Jaroslav Rudiš auf der Leipziger Buchmesse 2019
Unter anderem einen Text des tschechichen Autors Jaroslav Rudiš brachte Szalma in Görlitz-Zittau auf die Bühne. Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Theater in einer freien Gesellschaft kann und muss auch in schwierigen Zeiten ein offener Kommunikationsort bleiben, sagt Dorotty Szalma. Neues, europäisches Theater in die deutsche Grenzregion zu holen, nicht zuletzt durch die Gründung des trinationalen Festivals "J-O-Ś", damit generiert Dorotty Szalma eine Kontinuität und eine Kompetenz für osteuropäische Themen wie an kaum einem anderen Theater in Deutschland. Aus dem Makel der östlichen Grenzlage schöpft sie Freiräume, vernetzt Theaterautoren, Schulen, Rathäuser, Generationen und Jugendclubs dies- und jenseits der Grenze.

Europäisch durch und durch

Dorotty Szalma
Dorotty Szalmas großes Vermächtnis in Görlitz-Zittau bleibt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Dreiländereck – auch in Zeiten von Corona. Bildrechte: Heike Schwarzer

 "Mit dem dreisprachigen Stück 'House at the Crossroads 2.0' haben wir 2018 die drei Jugendclubs zum zweiten Mal zusammengebracht, und es entsteht gerade ein Dokumentarfilm darüber, wie wir zusammenarbeiten, mit sehr vielen Schwierigkeiten, mit sprachlichen Barrieren und mit einem großen Effekt am Ende, wo sie gemeinsam auf der Bühne stehen und merken, was sie für eine Wirkung haben." Für die Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 in Brüssel standen ihre drei Jugendclubs mit auf der Bühne. Zittau galt als heimlicher Sieger des Abends, den Dorotty Szalma mit ihrem Theaterteam entwickelt hatte.

Keine Tabus, keine Konflikte

Dorotty Szalma scheut keine Tabus und keine Konflikte. Sie sagt, dass sie den Parcours besser laufen kann, wenn es schwieriger wird. Fünf Jahre saß die Schauspielintendantin und Mutter einer Tochter im Stadtrat von Zittau und ist nicht nur deshalb überzeugt: Zittau kann mehr!

Unfertige, offene und unbegrenzte Denk- und Handlungsräume sind ihr am liebsten. Die Ungarin, die in Österreich Abitur machte, in Wien und Frankfurt studierte, um danach an Hochschulen und Theatern in Ungarn und Deutschland zu arbeiten, ist Europäerin durch und durch. In Zittau wäre sie gern noch geblieben.

Gerhard-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau
Das Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau besteht seit der Fusion der Theater Görlitz und Zittau im Jahr 2011. Bildrechte: Heike Schwarzer

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Juni 2021 | 17:10 Uhr

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