Klassisch bis experimentell Theater in Dresden, Bautzen, Görlitz: Die interessantesten Inszenierungen im Januar 2023

Auch im neuen Jahr 2023 gibt es wieder zahlreiche wunderbare Erlebnisse, für alle, die gern ins Theater gehen: in Dresden zum Beispiel die schönste Theaterszene in "Familie Schroffenstein", Geschichten über die komplizierte Liebe in Bautzen und in Görlitz einen Kampf gegen die Zeitoptimierung. Hier finden Sie die Highlights der Spielpläne für den Januar 2023 in den Theatern von Dresden und in der Lausitz.

Eine übergroße Frau im Brokat-Kleid beugt sich in einer Videoprojektion zu einem hockenden Mann auf der Bühne.
"Familie Schroffenstein" überzeugt am Staatsschauspiel Dresden mit Witz und Tiefgang. Das Stück ist eines der Highlights, die es sich im Januar 2023 anzusehen lohnt. Bildrechte: Sebastian Hoppe; Staatsschauspiel Dresden

Musiktheater für Kinder: "Das schlaue Gretchen" an der Semperoper Dresden

Eigentlich hätte diese Inszenierung schon 2020 gezeigt werden sollen. Umso mehr ist es eine Überraschung, dass alle Beteiligten zwei Jahre später immer noch Lust hatten, "Das schlaue Gretchen" mit der Musik von Martin Smolka in Dresden zu zeigen. Und diese Lust ist der Inszenierung anzumerken. Die Geschichte basiert auf dem Grimmschen Märchen "Die kluge Bauerntochter", die scheinbar unmögliche Rätsel mit unvergleichlicher Schläue löst. Der tschechische Komponist Smolka hat dafür eine sehr kleinteilige Musik komponiert, die selbst viele Interpretationen offen lässt. Regisseurin Andrea Kramer zeigt die Geschichte als ein Spiel von Freunden, und so hüpfen die fünf Ensemble-Mitglieder mit wunderbarer Energie über die Bühne – ein großer Spaß. 

Weitere Informationen "Das schlaue Gretchen"
Kinderoper von Martin Smolka

Adresse:
Semper Zwei neben der Semperoper
Theaterplatz 2
01067 Dresden

Dauer: 50 Minuten

Termine:
3. Januar, 16 Uhr
6. Januar, 11 Uhr
7. Januar, 14 Uhr
9. Januar, 11 Uhr

Für Schauspiel-Fans: "Familie Schroffenstein" am Staatsschauspiel Dresden

Kleist hat es nicht leicht, denn seine Texte sind nicht gut gealtert mit ihren Rittern und Figuren namens Ottokar oder Kunigunde. Aber vielleicht ermöglicht gerade das, eine Distanz zur Handlung aufzubauen: Jeder möchte sich mit der Liebe von Shakespeares "Romeo und Julia" identifizieren, doch kaum jemand kennt die "Familie Schroffenstein", obwohl deren Tragödie am Ende viel größer (und gleichzeitig viel konstruierter) ist. Die Geschichte spielt im Mittelalter und zwei Familien bezichtigen sich aufgrund eines Erbschaftsvertrags gegenseitig, die Nachkommen zu ermorden.

Die Produktion am Staatsschauspiel Dresden spielt auf der einen Seite mit Schlichtheit, denn die Spielorte werden nur mit Projektionen auf den grauen Kreis projiziert, und Opulenz mit den übertrieben mittelalterlichen Kostümen. Regisseur Tom Kühnel setzt vor allem auf die Spielfreude des Ensembles, das sich gerne mal in den Umhängen verheddert, und gibt dem etwas komischen Text eine wunderbare Frische. Dass darunter tiefgreifende Gedanken über Gerüchte und Falschmeldungen liegen, wird dennoch spürbar. Am Ende kommt es dann "zur schönsten Theaterszene, die ich 2022 gesehen habe", so MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky.

Weitere Informationen "Familie Schroffenstein"
von Heinrich von Kleist

Adresse:
Kleines Haus des Staatsschauspiels Dresden
Glacisstraße 28
01099 Dresden

Dauer: 160 Minuten, eine Pause

Termine:
7. Januar, 19.30 Uhr
11. Januar, 19.30 Uhr

Für mutige Theaterfans: "Dorian" am Staatsschauspiel Dresden

Alle jubeln: Ein großartiger Schauspieler und ein Meister-Regisseur haben in "Dorian" zusammengefunden. Der Theaterabend beruht auf der Erzählung von Oscar Wilde über einen selbstverliebten Dandy, der jeden Anflug von Hässlichkeit in ein Bild verbannt. Die Geschichte läuft jedoch eher lose unter der Inszenierung des großartigen Robert Wilson, der auch hier wieder mit seinem Markenzeichen überzeugt: "Artifizielles Entertainment in absoluter Perfektion", urteilt Stefan Keim im Deutschlandfunk. Doch vor allem überzeugt der Dresdner Schauspieler Christian Friedel, der den gesamten Abend allein bestreitet. "Und es ist schon eine große Lust, dem zuzusehen", so Martin Krumbholz bei nachtkritik.de. Premiere hatte die Produktion in Düsseldorf und ist nun als Koproduktion auch in Dresden zu sehen. 

Weitere Informationen "Dorian" nach Oscar Wilde
Inszenierung von Robert Wilson und gespielt von Christian Friedel

Adresse:
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2
01067 Dresden

Dauer: 90 Minuten ohne Pause

Termine:
8. Januar, 19.30 Uhr
9. Januar, 19.30 Uhr
25. Januar, 19.30 Uhr
26. Januar, 19.30 Uhr
27. Januar, 19.30 Uhr

Von der Liebe: "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas" am Theater Bautzen

Wie können wir zusammenleben – diese Frage stellt sich im kleinen Alltag ebenso wie auf der großen politischen Bühne. Davon erzählt auch das Stück "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas", in dem Autor Joël Pommerat mehrere Szenen über das Lieben und das Zusammenleben aneinanderreiht. Regisseur Stefan Wolfram inszeniert diese Szenen in einem abstrakten, fast leerem Bühnenraum, in dem ein Glaskubus steht, auf dessen Boden sich roter Schnee häuft. Die Schauspielerinnen und Schauspieler bleiben immer auf der Bühne präsent und tragen den Abend mit einer überzeugenden Leistung. Sie treten hervor, um die Geschichten eines Paares zu erzählen, wo einer den anderen wegen Demenz immer vergisst, wann Fürsorge von Lehrern zu weit geht oder von einem Bräutigam, der seine künftigen Schwägerinnen zu sehr begehrt. Am Ende zieht ein Sohn in den Krieg und das gesamte Ensemble liebt im roten Schnee. Ein "starkes Schlussbild", meint MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschwewsky. 

Weitere Informationen "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas"
Theaterstück in 15 Szenen von Joël Pommerat

Adresse:
Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen
Seminarstraße 12
02625 Bautzen

Dauer: 165 Minuten, eine Pause

Termine:
13. Januar, 19.30 Uhr

Für Tanz-Freunde und Familien: "Momo" in Görlitz

Es scheint, als würde diese Geschichte immer mehr an Relevanz zunehmen: Momo kämpft in der gleichnamigen Geschichte von Michael Ende gegen die nicht enden wollende Optimierung der Zeit, mit der die Grauen Herren den Menschen ihre Freizeit und die Leichtigkeit stehlen. Und gerade die Leichtigkeit stehlen die unheimlichen Gestalten den Menschen in der Tanzadaption des Görlitzer Tanztheaters: "Die junge italienische Tänzerin Gilda De Vecchis schafft es mit einer Hingabe zu fließenden und spielerischen Bewegungen, genau das in ihrem bunten Patchworkkleid auszustrahlen", zeigt sich Ines Eifler in der "Sächsischen Zeitung" begeistert.

Auch die anderen Leute hüpfen über die Bühne, doch dann werden ihre Bewegungen immer artifizieller, unnatürlich. Angetrieben werden sie von den seltsamen Gestalten, für die die Choreografen Dan Pelleg und Marko E. Weigert eine ganz eigene Form gefunden haben: "Die Leistung der Tänzer, über viele Szenen hinweg rückwärts zu agieren, ist enorm", so Eifler. Ihr Versprechen, ein Tanztheater für die ganze Familie, halten die Tanzchefs.

Im Hintergrund klettern Menschen über eine Tribüne. Im Vordergrund springt eine Frau in buntem Kleid fröhlich über einen Mann in rotem Hemd, der auf auf allen vieren hockt.
In Görlitz verwandeln sich fröhliche Menschen im Tanztheater "Momo" zu Arbeitsmaschinen. Bildrechte: Pawel Sosnowski

Weitere Informationen "Momo" nach Michael Ende
Tanztheaterstück für die ganze Familie von Dan Pelleg & Marko E. Weigert

Adresse:
BSZ Görlitz
Carl-von-Ossietzky-Straße 13-16
02826 Görlitz

Dauer: 95 Minuten ohne Pause

Termine:
8. Januar, 14 und 16.30 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. September 2022 | 13:10 Uhr

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