Trauer Ehemaliger Intendant des Dresdner Staatsschauspiels Dieter Görne gestorben

Dieter Görne im Porträt 9 min
Der Dramaturg und Intendant Dieter Görne ist am 4. Januar in Dresden verstorben. Bildrechte: HL Böhme

Der ehemalige Intendant des Dresdner Staatsschauspiels, Dieter Görne, ist tot. Wie MDR KULTUR von der Familie erfuhr, starb Görne in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 86 Jahren in Dresden. Görne hatte das Staatsschauspiel Dresden von Oktober 1990 bis 2001 als Intendant durch die Phase der Neuorientierung in Ostdeutschland geleitet.

Studium in Leipzig bei Ernst Bloch und Hans Mayer

Dieter Görne wurde am 7. August 1936 in Heidenau geboren und studierte in Leipzig Germanistik und Kunstgeschichte, unter anderem bei Ernst Bloch und Hans Mayer. Erste Engagements als Dramaturg führten ihn nach Anklam, Plauen und Weimar. Nach einer Station in Chemnitz kam er 1984 als Chefdramaturg an das Dresdner Staatsschauspiel und wurde hier 1990 zum Intendanten berufen. Nach elf Jahren trat er Ende der Spielzeit 2000/2001 in den Ruhestand.

Intendant Joachim Klement würdigt Görnes Lebenswerk

Für seine langjährigen Verdienste um das Staatsschauspiel wurde Dieter Görne 2003 zum Ehrenmitglied ernannt. Der amtierende Intendant des Hauses, Joachim Klement, würdigte Görne als "großen Theaterleiter und besonderen Menschen". Görne habe die Bühne in Dresden über 17 Jahre wesentlich geprägt und zu einem der ersten Häuser gemacht. Anfang der 90er Jahre habe er ein junges Leitungsteam ans Staatsschauspiel gebunden und das Haus zu einem "Theater der Zeitenwende" gemacht.

Joachim Klement 5 min
Der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Joachim Klement. Bildrechte: MDR/Alexandra Fröb

Viele Jahre engagiert für das Dresdner Staatsschauspiel

Zwischen 1968 und 1974 war Görne im Goethe-Schiller-Archiv Weimar wissenschaftlich an maßgeblicher Stelle tätig. 1994 wurde Görne zum Honorarprofessor für Geschichte und Dramaturgie des Sprechtheaters an der Hochschule für Bildende Künste Dresden ernannt. Im selben Jahr wurde er auch Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main. Ab 1995 war er zudem als Vorsitzender der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins tätig.

Er war einer der wichtigsten Theatermacher der Wende- und Nachwendezeit in den neuen Bundesländern.

Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur

MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky würdigte Görnes Wirken in Dresden: "Dieter Görne war in der Wendezeit als Chefdramaturg und von 1990 bis 2001 als Intendant prägend für das Staatsschauspiel Dresden, dass damals sehr viel und mutig in die Gesellschaft hineingewirkt hatte. Mit Inszenierungen und auch mit Positionierungen der Schauspielenden, die aus ihren Rollen heraustraten – so hieß eine Aktion zur Wendezeit – und damit für Freiheit und Grundrechte eingetreten waren. Er war einer der wichtigsten Theatermacher der Wende- und Nachwendezeit in den neuen Bundesländern."

Theaterpublizist Thomas Irmer hebt im Gespräch mit MDR KULTUR vor allem Görnes Gespür hervor, Theater für das Publikum interessant zu erhalten: "1994 wurde das Theater in der Fabrik als Spielstätte für neue Dramatik eröffnet. Das war damals sehr wichtig und nahm einen Trend, die Welle der neuen deutschen Dramatik Ende der 90er vorweg. Die ungleich berühmtere Baracke des Deutschen Theaters in Berlin wurde erst später eröffnet bzw. von Thomas Ostermeier bekannt gemacht. Gleichzeitig baute Görne mit Hasko Weber als 30-jährigem Schauspieldirektor auch auf der Hauptbühne auf eine Verjüngung. Er hatte also ein gutes Gespür dafür. Vor allem aber gelang ihm eine kontinuierliche Weiterarbeit mit dem Erreichen des Publikums nach dem Goldenen Jahrzehnt der 80er. Eine Einladung zum Theatertreffen bekamen die Dresdner 2001 zum Abschied von Görne mit Michael Thalheimers Adaption von 'Das Fest'."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Januar 2023 | 11:30 Uhr

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