"Walks Looking" Premiere in Dresden: Projekttheater zeigt Mix aus Western und Science Fiction

In Zeiten der Corona-Pandemie brauchen freie Theatermachende besonders starke Nerven, um ein Stück auf die Bühne zu bringen. So ging es auch dem "Kulturschutzgebiet Projekttheater Dresden", das nun mit Verspätung die Premiere des Science-Fiction-Westerns "Walks Looking" feiert. Das Stück des Frei-Spieler Kollektivs, das in Kooperation mit dem Labortheater der Hochschule für Bildende Künste in Dresden enstand, ist eine spannende Mischung aus "Blade Runner" und "Spiel mir das Lied vom Tod".

Die Stimmung ist düster auf der Bühne. Die Sonne dringt nicht durch in die verlassene Szenerie, in der zwei Raumteiler aus rostigen Jalousien, ein paar Öltanks und alte, flackernde Fernsehbildschirme in eine triste Welt zwischen staubiger Wildwestprärie und Weltuntergang führen. "Um genau zu sein, in eine gar nicht so ferne Zukunft", sagt Regisseurin Christiane Guhr, "vielleicht heute in hundert Jahren: es hat einen Blackout auf der Erde gegeben, sie ist menschenleer und wird jetzt neu besiedelt. Damit kann man eine Parallele sehen zum Wilden Westen, wo auch keine Gesetze geherrscht haben und die Welt neu besiedelt wurde."

"Spiel mir das Lied vom Tod" - oder von der Zukunft

In "Walks Looking" agieren Androiden, also technoide Wesen. Für Christiane Guhr und ihr junges Theaterteam sind es die Sklaven der Zukunft, die sie unter einer künstlichen Atmosphärenglocke leben lässt, weil die äußere Welt seit über 50 Jahren als unbewohnbar gilt. Die Androidin Sam ist eine dieser Arbeitssklavinnen, verfolgt von gesetzlosen Typen und auf dem Weg in einen neuen Lebensraum.

Christiane Guhr erzählt mit Ensemblekollege und Dramaturg Stephan Zwerenz eine aufwühlende Geschichte über das Menschsein in futuristischen Zeiten. Bereits vor zwei Jahren entwickelten sie die Idee für das Frei-Spieler Kollektiv, das sich immer wieder aus jungen theaterbegeisterten Laienspielern und Laienspielerinnen neu rekrutiert. Auch diesmal wieder ließ sich das Autorenduo von Dramen, Filmen und Romanen inspirieren. Christiane Guhr: "Die Liste ist lang, ein paar starke Ideengeber sind vor allem "Blade-Runner", der Film, aber auch die literarische Vorlage. Überhaupt Western, zum Beispiel "Spiel mir das Lied vom Tod"."

Eine Szene aus Walks Looking: Ein Mann sitzt links auf einer roten Tonne, rechts sitzt eine Frau.
Die Androidin Sam (rechts) auf dem Weg in einen neuen Lebensraum. Bildrechte: MDR/Heike Schwarzer

"Western-Input" gibt es auch für die aufsehenerregenden Kostüme. Doch die langen steifen Westernmäntel und erdfarbenen Jacken sind in einer Art futuristischem Stilmix durchbrochen von großen Flicken aus Planen oder Plastikmaterial. Christiane Guhr und ihre Ausstatter spielen auch hier einmal durch, was wohl passierte, "wenn vielleicht nicht mehr alle Materialien auf der Erde vorhanden sind."

Junge Profi-Ausstatter von der HfBK Dresden

Für die Ausstattung kooperiert das Frei-Spieler Kollektiv mit der Hochschule für Bildende Künste, in diesem Fall mit Vinzenz Schechner, Justus Splitt und Niklas Strang vom Studiengang Kostüm und Bühnenbild. Durch die langjährige Kooperation finden Dresdner Studierende ein Experimentierfeld für erste Bühnenarbeiten und Laienspielende ein professionelles Team.

Eine Szene aus "Walks Looking": links ist ein Fernseher zu sehen, darin sieht man den Kopf einer Frau. Rechts sitzen ein Mann in Arbeiterklamotten und eine Frau im Mantel.
Der leuchtende Fernseher als wiederkehrendes Bühnenbild. Bildrechte: MDR/Heike Schwarzer

Und in der HfBK hätte eigentlich auch "Walks Looking" zur Aufführung kommen sollen. Christiane Guhr ist nach Monaten der Unsicherheit erleichtert, denn schlussendlich half ein erfolgreiches Crowdfunding und der neue Spielort – das Projekttheater –, die Produktion zu retten. Denn das komplexe und mitreißende Textmaterial ist kein leichtes Futter für ein Laienensemble, das über Monate online proben musste und am Entstehungs- und Aushandlungsprozess der Stücke für gewöhnlich immer intensiv beteiligt ist. Doch die Spannung des Abends hält an, man will als Zuschauer schon wissen, wie er ausgeht, der Western-Science-Fiction um die Androidin Sam.

Mehr Informationen zur Aufführung "Walks Looking" am Projekttheater Dresden
Louisenstraße 47, 01099 Dresden

Termine:
21. Januar, 20 Uhr Premiere (ausverkauft)
22. Januar, 20 Uhr (ausverkauft)
Möglicherweise gibt es Restkarten an der Abendkasse.

Weitere Termine werden demnächst bekanntgegeben.

Zum Frei-Spieler Kollektiv Das Frei-Spieler Kollektiv Dresden ist eine Art junges Bürgertheater, das eine wichtige Lücke in der sonst reichen Dresdner Theaterlandschaft schließt. In Dresden gibt es mit der Hochschule der Bildenden Künste zwar einen Studiengang für Kostüm und Bühnenbild, aber es gibt keine Schauspielschule. Für das Amateurtheater entstehen eigene Textfassungen, die unter professioneller Leitung für die Bühne erarbeitet werden.

Mehr Theater in Sachsen

Mehr zur Kultur in Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Januar 2022 | 12:10 Uhr

Abonnieren