"Empire of Fools" Zirkus-Theaterfestival in Dresden: "Beim Zirkus haben alle Geschichten ein Happy End"

Ganz Dresden wird im Juni zur Manege. Das internationale Zirkus-Theaterfestival "Empire of Fools" zeigt, dass moderner Zirkus mit Artistik, Akrobatik und Jonglage ganz anders ist als überkommen-quälende Tierauftritte und mäßig komische Clowns. Die Interpretinnen und Interpreten aus halb Europa bringen selbst so schwierige Themen wie die Flucht von Afrika nach Europa auf die Bühne – beziehungsweise in die Manege.

Szenen aus einer Zirkusaufführung, Ein Mann dreht eine Frau im Kreis, die sich an seinem Hals festhält und horizontal in der Luft zu schweben scheint.
Cie. Roikkuva aus der Schweiz entwerfen Kindheitsbilder des alten Zirkus voller Sägemehl – und sind doch ganz anders: nah, lustig, spektakulär, traurig und schön. Bildrechte: Oliver Stegmann

"Empire of Fools" ("Reich der Narren") heißt das erste Zirkus-Theaterfestival in Dresden. Artisten, Akrobaten, Musiker, Clowns und Poeten erzählen zehn Tage lang heitere, poetische und ernste Geschichten. Seiltanz, Jonglage, Trapezkunst oder Clownerie sind die bevorzugten Mittel der Künstlerinnen und Künstler.

 Plakat zum Festival mit Informationen zu Termin und Künstlern
Vom 17. bis 26. Juni 2022 ist in Dresden Zirkuszeit beim Festival "Empire of Fools" Bildrechte: Zirkus-Theaterfestival "Empire of Fools"

Beim Zirkus haben alle Geschichten ein Happy End

Der Erfinder des Festivals, Heiki Ikkola, Jahrgang 1969, kommt eigentlich von der klassischen Bühne, leitet das Societaetstheater. Den Zirkus liebt er dennoch seit jeher. "Ich bin früher bei Probst mitgereist", verrät Ikkola. Das Romantische habe ihn fasziniert, gemeinsam ein Zelt aufzubauen und zu spielen.

Demgegenüber sei ehrwürdiges Theater mit seinen Klassikern oft ernst und dramatisch – doch beim Zirkus hätten alle Geschichten ein Happy End, so Ikkola. Jetzt will er beide Welten verbinden.

Szenen aus einer Zirkusaufführung, eine Frau liegt horizontal auf einer Schaukel und liest kopfunter
Wenn Akrobatik so schwerelos erscheint, ist man im Zirkus Bildrechte: Tilman Pfäfflin

Wie der Zirkus sich weiterentwickelt hat

Mit dem urigen Wanderzirkus, zu dem Kuppelzelt, Sägespäne, Manege und der Geruch von Pferdeäpfeln gehören, hat moderner, neuer Zirkus nicht mehr viel zu tun. Tiere als Darsteller spielen erst recht keine Rolle.

Der Unterschied besteht darin, dass jetzt mit Artistik oder Clownerie und Musik berührende Geschichten erzählt werden.

Heiki Ikkola über den Unterschied zwischen modernem Zirkus zum Wanderzirkus

Fluchtgeschichten als Zirkusdarbietung

Beispielsweise zeigt Cirque Rouages eine Flucht von Afrika nach Europa – mit Benzinkanistern, Schwimmwesten und einer schrankgroßen Holzkiste. Ikkola konkretisiert: "Da wird jongliert, Akrobatik betrieben – und die Gefahr der echten Flucht spielt mit dem Risiko, das ein Zirkuskünstler während seiner Aufführung eingeht. Eine tolle Variante!"

Zwei Männer schlafen in einer Kiste
Cirque Rouages stellen eine Flucht über das Meer nach. Bildrechte: Marie-Eve Racine Legendre

Veranstaltungen in ganz Dresden

Teil des Zirkus-Theaterfestivals wird neben den 35 Veranstaltungen im gesamten Dresdner Stadtgebiet auch eine Konferenz im Zentralwerk Pieschen sein. Das Genre soll hierzulande so Fuß fassen wie in Frankreich, der Schweiz, Italien oder Belgien. Von dort kommt auch ein Gutteil der Gruppen des Festivals.

Drei Männer auf einer Bühne
Teatro Necessario aus Italien bereiten eine Show vor, doch das ist manchmal nicht einfach. Bildrechte: Emanuela-Caselli

Wer nach dem Zirkuszelt mit Manege und Trapez in der Kuppel sucht, wird dies auch finden. Im Szeneviertel Äußere Neustadt bietet der Alaunpark die nötige Fläche. Dort tritt die titelgebende Schweizer Companie "Empire of Fools" auf und verführt mit den guten alten Künsten des Zirkus ins Reich von Drama, Komödie und Poesie.

Das Festival Zirkus-Theaterfestival "Empire of Fools"
Festival und Konferenz für zeitgenössischen Zirkus am Societaetstheater

17. bis 26. Juni 2022 in Dresden

Künstlerinnen und Künstler:
- Cie. Roikkuva (Schweiz)
- Cirque Rouages (Frankreich)
- Compagnie N°8 (Frankreich)
- Jan Jedenak (Deutschland)
- Jeanine Ebnöther Trott (Schweiz)
- Klub Girko (Deutschland)
- Laurence Felber (Schweiz)
- Mimi Wascher, Ruben Mardulier und Aaron Daem (Belgien)
- Overhead Project (Deutschland)
- Raum 305 (Deutschland)
- Teatro Necessario (Italien)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Juni 2022 | 12:10 Uhr

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