Puppentheater, Schauspiel, Oper Thüringen: Sehenswerte Theater-Inszenierungen im Februar 2023

Sie haben Lust, mal wieder ins Theater zu gehen? In Gera, Erfurt, Weimar und Jena gibt es im Febraur 2023 sehenswerte Aufführungen: Gleich drei Romane kommen in Erfurt auf die Bühne. In Rudolstadt greift das Schauspiel-Ensemble auf die großartige Serie "Der Tatortreiniger" zurück. Und in Gera wird ein Ballett-Klassiker ganz anders interpretiert. Eine Übersicht mit den wichtigsten Aufführungen.

Ein Mann in grauer Kleidung bedroht einen Mann in weißer Schutzkleidung.
Das Theater Rudolstadt holt gleich eine ganze Serie auf die Bühne. Bildrechte: Anke Neugebauer

Für Fans von Serien und Schauspiel: "Der Tatortreiniger" in Rudolstadt 

Es ist immer noch die Paraderolle des Schauspielers Bjarne Mädel: "Der Tatortreiniger". Doch nicht nur wegen dieser wunderbaren Darstellung des unbedarften und immer liebenswerten Dienstleisters ist die Serie Kult. Sie lebt vor allem von der Liebe zu den Figuren, die die Autorin Ingrid Lausund besser bekannt unter dem Namen Mizzi Meyer bewiesen hat. Deswegen funktionieren die kammerspielartigen Geschichten auch auf der Theaterbühne. Vier Episoden hat Markus Fennert nun auf die Bühne des Theaters Rudolstadt auf die Bühne gebracht. MDR KULTUR-Reporterin Marlene Drexler schreibt nach einem Probenbesuch: "Der Abend zeigt: Die Dialoge von Lausund haben sich weder abgenutzt, noch inhaltlich überholt – ganz im Gegenteil! Von Schotty und seinem Umgang mit anderen Meinungen kann man immer noch viel lernen, findet auch Fennert: 'Schotty ist ein Typ, der heute dringend gebraucht wird. Wir haben momentan ja diese Polarisierung und dass kaum mehr miteinander geredet wird. Sei es Corona, Impfung oder Ukrainekrieg. Schotty dagegen schafft es, sein Gegenüber aufzubrechen, selbst, wenn vermeintlich Welten aufeinandertreffen.' Und am Ende jeder Episode stehe eine Begegnung, die beide Parteien verändert hat." 

Weitere Informationen  "Der Tatortreiniger"
Theaterabend nach der Kult-Serie von Mizzi Meyer 

Adresse: 
Theater im Stadthaus 
Platz der OdF 1 
07407 Rudolstadt 

Termine:  
4. Februar, 19.30 Uhr 
26. Februar, 18 Uhr 

Für Kenner der Musik: "Musik – Etappen einer Skandalgeschichte" in Jena 

Es ist heute kaum noch vorstellbar: Das ganze Publikum im Konzertsaal springt mitten im Stück auf, ruft dazwischen und beginnt zu randalieren. Doch es gab Zeiten, da kam das durchaus vor – und genau die Stücke aus solchen Konzerten sind uns erhalten geblieben. Denn die Künstlerinnen und Künstler haben Neues gewagt und die Musik vorangebracht. Diese Geschichten und Anekdoten erzählt Lizzy Timmers  am Theaterhaus Jena gemeinsam mit der Jenaer Philharmonie in einem wilden Ritt durch die Musikgeschichte. "Das Schauspiel und die Einlagen vermischen sich zu einer Soundkulisse aus historischen Erzählungen und Klangbildern. (…) Die Musiker performen darin wie Schauspieler. Sie interagieren mit dem Publikum und wandern mit ihren Instrumenten in alle Ecken des Bühnenraums", schreibt Kevin Hanschke in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dazu ergänzt Michael Helbing in der "Thüringer Allgemeinen Zeitung": "Dieser herrliche Abend ist Panoptikum und Kaleidoskop, Irrgarten und Gruselkabinett."

Weitere Informationen  "Musik – Etappen einer Skandalgeschichte"

Adresse: 
Theaterhaus Jena 
Schillergässchen 1 
07745 Jena 

Dauer: 90 Minuten, keine Pause 

Termine: 
13. Februar, 20 Uhr 
14. Februar, 20 Uhr 
15. Februar, 20 Uhr 

Für Musiktheater-Liebhaber: "Eleni" in Erfurt 

Das Theater Erfurt hat sich in der aktuellen Spielzeit allein griechischen Geschichten verschrieben. Da bietet die Operngeschichte auch zahlreiche Werke, die auf der antiken Mythologie beruhen. Aber das Haus hat sich auch jüngere Stoffe gesucht. Der Autor Nicholas Gage wurde in Griechenland geboren und sollte 1948 von Kommunisten in die Slowakei gebracht werden. Seine Mutter hatte ihm jedoch zur Flucht in die USA verholfen – und wurde dafür erschossen. Der Komponist Nestor Taylor hat diese Geschichte in einem Oratorium verarbeitet, das der Erfurter Intendant Guy Montavon als sogenanntes Lyric Drama auf die Bühne brachte. Die Musik lebt dabei von spätromantischen Melodien und treibenden Rhythmen. "Myron Michailidis, der das Werk nach Erfurt brachte, versteht es jedenfalls mit dem Orchester Erfurt ein hochdramatisches Opernerlebnis zu machen", meint MDR KLASSIK-Opernkritiker Bernhard Doppler. Dabei zeigt er sich vor allem davon berührt, wie aktuell die Geschichte aus den 40er-Jahren immer noch ist. Im Februar wird das Stück vorerst zum letzten Mal gespielt. 

Weitere Informationen  Lyric Drama "Eleni" 

Adresse: 
Theater Erfurt 
Theaterplatz 1 
99084 Erfurt 

Dauer: 110 Minuten, eine Pause 

Termine: 
10. Februar, 19.30 Uhr 

 

Für Puppentheater-Liebhaber: "Der Meister und Margerita" in Erfurt 

In einer ganz anderen Version können Interessierte den modernen Klassiker der russischen Literatur am Theater Waidspeicher in Erfurt erleben. Kerstin Schmidt und Frank Alexander Engel haben die Geschichte, die an Goethes "Faust" erinnert, mit Flachpuppen auf die Bühne gebracht, die das traumartige nochmal unterstreichen. Begleitet werden die Figuren dabei von einem dicken Kater, der alles noch absurder erscheinen lässt. "Diese sinnlich überbordende Inszenierung […] ist wie ein wilder Traum", schreibt Michael Plote bei "Fidena". "Immer mehr und immer neue Bilder und Videos. Immer mehr und immer andere Töne, Geräusche und Klänge (von Christian Claas). Immer wieder wechseln Tempo und Rhythmus, mal gehetzt, mal gebremst durch Zeit und Raum. Immer andere und neue Geschichten flackern auf: vom Teufel und seiner Geliebten, vom Schriftsteller, der über Pontius Pilatus schreibt, vom Kater, der eine Schapka trägt."

Weitere Informationen "Der Meister und Margerita" nach Michail Bulgakow 

Adresse: 
Theater Waidspeicher e.V. 
Domplatz 18 
99084 Erfurt 

Dauer: 165 Minuten, eine Pause 

Termine:
10. Februar, 21 Uhr 

Für Operetten-Kenner: "Die Prinzessin von Trapezunt" in Weimar 

Dieses Theaterstück beginnt wortwörtlich vor dem Theater. Der erste Teil der Inszenierung von "Die Prinzessin von Trapezunt" am Deutschen Nationaltheater Weimar wird auf dem Theatervorplatz gespielt, wo Schausteller ihre Bude aufgebaut habe und jemand vom Rang-Balkon eine Verlosung anpreist. So gewinnen die Akrobaten das gesamte Theatergebäude. Im weiteren Verlauf verliebt sich ein Fürstensohn in eine Wachspuppe und alle Straßenkünstlerinnen und -künstler haben Chancen auf den Adelsstand. Die Oper von Jacques Offenbach wurde 1869 in Baden-Baden uraufgeführt und seitdem beinahe vergessen, obwohl sie so viel Witz besitzt: "Absurder Nonsens und beißende Satire, aber auch mitreißende Tonmalereien, wie etwa ein Zahnschmerz als klagend winselnde Tenorarie oder ein Jägerchor, den die neuen Theaterbesitzer als Castingshow wahrnehmen: Verblüffend wie kulturpolitisch hochaktuell die alte Operette doch sein kann!", so MDR KLASSIK-Opernkritiker Bernhard Doppler.  

Weitere Informationen  "Die Prinzessin von Trapezunt" 
Operette von Jacques Offenbach 

Adresse: 
Deutsches Nationaltheater Weimar 
Theaterplatz 2
99423 Weimar 

Dauer: 165 Minuten, eine Pause 

Termine:
3. Februar, 19.30 Uhr 

Junges Schauspiel: "Farm der Tiere" in Erfurt  

George Orwell hat seine parabelhafte Geschichte "Farm der Tiere", um Hoftiere mit einer Revolution die Herrschaft der Menschen beenden und doch keine Gemeinschaft aufbauen können, unter dem Eindruck des Stalinismus geschrieben. Obwohl diese Zeiten lange vorbei sind, ist das Buch ein Klassiker geblieben, weil es etwas über die Verlockung der Macht erzählt. Die Produktion des Theaters Schotte wird unterstützt von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – ein Zeichen dafür, dass die schrecklichen Auswüchse der kommunistischen Ideologie immer noch präsent sind. Mit kleinen Gesten und Bewegungen wird die Geschichte auf der kleinen Erfurter Bühne lebendig: "Bis einige Tiere dann 'gleicher als andere' sind und die neuerliche Unterjochung durch die skrupellosen Schweine um sich greift, ist es ein schleichender Prozess: Manipulation, Demagogie, Überwachung – jeder einzelne Schritt auf dem Weg zur Schreckensherrschaft der Schweine entfaltet sich als bedrückende Abfolge vor dem Zuschauer", so Frank Karmeyer in der Thüringer Allgemeinen Zeitung. 

Weitere Informationen "Farm der Tiere"
Szenische Erzählung nach George Orwell

Adresse: 
Theater Waidspeicher e.V. 
Domplatz 18
99084 Erfurt 

Dauer: 85 Minuten, keine Pause 

Termine: 
24. Februar, 20 Uhr 
25. Februar, 20 Uhr 
27. Februar, 19 Uhr 

Für Tanz-Freunde: "Giselle" in Gera 

Vielleicht ist es nicht so berühmt wie Tschaikowskys "Nussknacker" oder "Schwanensee", aber "Giselle" von Adolphe Adam gehört mit zu den wichtigsten Werken für das klassische Ballett, das sich auch immer wieder auf den Spielplänen findet. In Gera hat die Choreografin Silvana Schröder die Geschichte komplett umgedeutet und neu erzählt. Giselle ist hier ein junges Mädchen, das den Verlust ihrer Mutter verarbeiten muss und mit zahlreichen überwältigenden Gefühlen konfrontiert wird. Das Publikum kann die Ängste der Heranwachsenden bis in ihre Träume verfolgen und erleben, wie sie ihre Sorgen wegtanzt. MDR KULTUR-Kritiker Boris Michael Gruhl zeigte sich nach der Premiere begeistert vom technischen Können des Ensembles: "Das Ganze wirkt wie ein Versuch, Ballett und zeitgenössisches Tanztheater zu verbinden. Da lassen sich auch Variationen von sehr anspruchsvollen Zitaten aus der Vorlage entdecken. Diese Vermischung der Stile entspricht wohl dem Anliegen der Choreografin mittels des Tanzes und der Musik so etwas wie einen Blick in die verwirrte Seele dieses jungen Mädchens an der Schwelle zum Erwachsenwerden zu wagen." 

Weitere Informationen  "Giselle"
Ballett von Silvana Schröder mit Musik von Adolphe Adam

Adresse: 
Theater Gera 
Theaterplatz 1
07548 Gera 

Dauer: 150 Minuten, eine Pause 

Termine: 
3. Februar, 19.30 Uhr 
5. Februar, 18 Uhr 
10. Februar, 19.30 Uhr 
25. Februar, 19.30 Uhr 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. November 2021 | 16:10 Uhr

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