Ausstellung FlowerPower: Erfurter Angermuseum zeigt die Kunst, mit Blumen zu sprechen

Mit Emil Noldes "Begonien" sind die zwei teuersten Topfpflanzen der Thüringer Kunstgeschichte in der Schau zu sehen, die aber mehr zeigen will als schöne Stillleben. Mit Gemälden, Druckgrafiken, Fotografien, Postern und Skulpturen von über 100 Künstlerinnen und Künstlern aus dem Bestand des Angermuseums und von zahlreichen Leihgebern schlägt sie einen Bogen von Renaissance und Barock über das blumenbegeisterte 19. Jahrhundert bis in die jüngere Vergangenheit, als Flower-Power-Studenten Nelken in Gewehrläufe von US-Militärpolizisten steckten oder in Japan die Kirschblüten mutierten. Ein hintergründiger Beitrag zur BUGA, die gerade in Erfurt stattfindet.

Ein Mann steckt eine Nelke in einen Gewehrlauf 4 min
Bildrechte: Bernie Boston

Bei Gartenfreunden und Blumenliebhabern steht Erfurt wegen der Bundesgartenschau derzeit bekanntlich hoch im Kurs. Aber die Stadt hat sozusagen nicht nur frische Blumen im Angebot sondern auch gut abgehangene Ware. Zu bewundern an den Wänden des Angermuseums. Wo es derzeit eine Ausstellung zu sehen gibt, die für Kunst- und Blumenfreude gleichermaßen interessant sein dürfte: Ihr Titel: "FlowerPower. Die Kunst, mit Blumen zu sprechen".

Kunst-Blumen vom Feinsten

Wenn man Glück hat, begegnet man in der Ausstellung einem freundlichen Herren in den besten Jahren. Locker gekleidet, mit schulterlangem, grau-gelocktem Haar – sozusagen Hausherr, Blumenfreund und Kunstkenner in einer Person. Und dazu noch ein begnadeter Geschichtenerzähler. Kai Uwe Schierz ist Chef der Erfurter Kunstmuseen und Kurator dieser Schau. Die ihre (Ko)-Existenz schon der Bundesgartenschau zu verdanken hat. Ihren wahren Ursprung aber im wohl teuersten Blumenkauf hat, der in Erfurt je über die Bühne gegangen ist.

Die zwei teuersten Topfpflanzen der Thüringer Kunstgeschichte

Das Gemälde "Begonien" von Emil Nolde (1867-1956) wird im Rathausfestsaal der Öffentlichkeit präsentiert.
Das Gemälde "Begonien" von Emil Nolde Bildrechte: dpa

Im Jahr 2018 wurde das Gemälde "Begonien (rot und gelb)" von Emil Nolde von seinen Schweizer Besitzern auf dem Kunstmarkt angeboten. Ein Bild, 1929 gemalt, das ursprünglich in den Bestand der Erfurter Kunstsammlungen gehörte und in den 1930er-Jahren im Rahmen der Nazi-Aktion "Entartete Kunst" verschachert wurde: "Wir haben es sofort als 'unseren Nolde' identifiziert und mit der sehr großzügigen finanzielle Hilfe Erfurter Bürger zurückkaufen können", erzählt Kai Uwe Schierz und verrät auch den Preis: "Für 1,4 Millionen Euro."

Viel Geld für ein bislang noch nie so richtig präsentiertes Bild. Was ja vielleicht auch der Tatsache geschuldet war, dass der Leumund von Emil Nolde in den letzten Jahren ein bisschen gelitten hat. Als Mensch seiner Zeit, nicht als Maler. Und so kann das farbexplosive Blumenstilleben jetzt in bester Gesellschaft glänzen.

Blumen von der Renaissance bis in die Gegenwart

Denn die Erfurter Schau beginnt mit Dürer und endet in der globalisierten Blumenkunst der Gegenwart. Zum Beispiel mit der an der Bauhaus Universität Weimar ausgebildeten und in Leipzig lebenden Japanerin Saori Kaneko. Sie zeigt drei beleuchtete Kirschblüten bei Nacht. Keine kitschigen Postkartenmotive aus dem Land der aufgehende Sonne, sondern drei übergroß mutierte Blüten aus Kirschgärten in der Nähe von japanischen Kernkraftwerken.

Schönheit - mitunter verstörend

Der Betrachter merkt schnell, neben den schönen Buketts der Kunstgeschichte werden hier auch die "Blumen des Bösen" präsentiert. Kai Uwe Schierz hat einen bunten Strauß mit speziellem Anspruch gebunden. Die Schau solle nicht nur das Schöne und das Vergängliche zeigen, "also all die Dinge, die zahlreiche Ausstellungen über Blumen vor uns schon thematisiert haben": "Wir wollten bewusst diesen Gegensatz setzen. Auch auf dem Plakat ist auf der einen Seite ja schon 'Flower' zu sehen, in seiner Stilleben-Schönheit des 19. Jahrhunderts. Und auf der anderen Seite Power, da hat man den Bezug zu einer Friedensdemonstration."

Flower Power made in USA

Bei der amerikanische Studenten Nelken in die Gewehrläufe von Militärpolizisten steckten, die im Jahr 1967 das Pentagon vor ihnen schützen sollten. Lief damals offenbar glimpflicher ab als neulich in Washington, beim Sturm auf das Capitol. Aber da hatten die Demonstranten ja auch nicht an Blumen gedacht.

Angaben zur Ausstellung FlowerPower. Die Kunst, mit Blumen zu sprechen
Bis 17.10.2021

Angermuseum Erfurt
Anger 18
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 – 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Juni 2021 | 13:40 Uhr

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