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Wie sehr die Corona-Pandemie der Freien Szene langfristig geschadet hat, ist derzeit noch nicht absehbar. Bildrechte: Marius Luhn/Theaterverband/dpa

Bestandsaufnahme

Wie geht es der Freien Theaterszene nach einem Jahr Corona?

Stand: 01. Juni 2021, 10:23 Uhr

Gerade die Freie Szene hat stark unter den Corona-Restriktionen gelitten. Wie es ihr jetzt geht und welche Auswirkungen die Pandemie – positiv wie negativ – auf die Kreativen hatte, darüber ist Helge-Björn Meyer, Geschäftsführer des Landesbüros Darstellende Künste Sachsen e.V. im Gespräch mit MDR KULTUR.

Die Corona-Pandemie hat sich langfristig für die freie Szene – trotz vieler negativen Auswirkungen – auch positive Folgen, das sagt Helge-Björn Meyer, der seit 2018 Geschäftsführer des Landesbüros Darstellende Künste Sachsen e.V. ist. So sei mit der Pandemie eine "ganze Reihe von neuen Förderinstrumenten aufgeploppt, für die man sehr, sehr lange gekämpft hat, die vorher aber in der Politik gar kein Gehör erhalten haben".

Neue Fördermöglichkeiten etabliert

Helge-Björn Meyer Bildrechte: IMAGO / Future Image

Dazu zählt Meyer "nichtergebnisorientierte Förderinstrumente" wie Stipendien, die Recherchen oder vorbereitende Arbeiten unterstützen. Bundesweit und auch in Sachsen habe es beispielsweise das Denkzeit-Stipendium gegeben, laut Meyer zwar "sehr gering finanziert" mit 2.000 Euro, hat es dennoch Arbeitsperspektiven eröffnet und das ist für ihn etwas "ganz Großartiges, da ist ein Schritt nach vorne gegangen."

'Denkzeit' ist jetzt nicht unbedingt das große Geld – aber immerhin eine Möglichkeit, damit zu arbeiten.

Helge-Björn Meyer

Ebenfalls als sehr positiv empfindet Meyer, dass die Kommunikation eine andere geworden ist, nicht nur die der Branchenverbände untereinander, sondern auch mit Verwaltungen und mit der Politik, sagt er. Aus Sicht seines Verbandes der Darstellende Künste sieht er, dass "ein enger Austausch vorhanden ist und war".

Fachexpertise der Freie Szene mit einbeziehen

Dennoch wünscht sich Meyer, dass die Kunstschaffenden auch an den Entscheidungstischen mehr gefragt worden wären, um dort ihre Fachexpertise einzubringen. Aus seiner Sicht sind da "teilweise Aktionen, die ärgerlich sind, wo großartige Hilfen angekündigt werden – aber bevor sie überhaupt herauskommen, sehr viel Zeit vergeht, weil allein in der Installation, der Umsetzung so viel nachgebessert werden muss." Hier wäre es besser gewesen, man hätte im Vorfeld mehr miteinander gesprochen.

Erschreckende Zahlen

Wie sich die Corona-Pandemie auf die freien darstellenden Künste ausgewirkt habe, werde derzeit erarbeitet, sagt Meyer. Er verweist auf eine am 19. März erschienene Erhebung von Kreative Deutschland, dem Bundesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft mit erschreckenden Zahlen. Demnach gibt es einen Umsatzrückgang bei den frei darstellenden Künsten von 68 Prozent.

82 Prozent aller in den freien darstellenden Künsten Tätigen haben einen Umsatzrückgang zu verzeichnen und 83 Prozent haben gesagt, dass sie negativer Auswirkungen aufgrund der Covid 19-Situation in ihrer beruflichen Ausübung spüren.

Helge-Björn Meyer zu der Erhebung von Kreative Deutschland

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | Corona,Theater,Freie Szene,Bühne,Sachsen | 25. März 2021 | 18:05 Uhr