Porträt Von Görlitz-Zittau in die Welt: Neuer Theater-Intendant mit großen Zielen

Das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau hat einen neuen Intendanten: Im August hat Daniel Morgenroth den Posten am Lausitzer Theater mit zwei Standorten und vier Sparten übernommen. Ein Jahr lang hat sich Morgenroth in Görlitz auf das neue Amt vorbereitet, die Region erkundet und ein eigenes Programm erarbeitet. Besonders fasziniert ist er von der Kulturbegeisterung der Menschen in der Oberlausitz und der Nähe zur polnischen Grenze. Das spiegelt sich auch in seinem Programm wider.

Daniel Morgenroth, der neue Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau 4 min
Bildrechte: Privat

Die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig das Theater sei, meint Daniel Morgenroth: "Theater braucht es als einen Ort der Begegnung mit echten Menschen und mit anderen Perspektiven, die wir im Theater wirklich live erleben." Mit diesem Verständnis will Daniel Morgenroth auch in der Oberlausitz Theater machen: noch mehr in die Region hineinwirken, öfter mit lokalen Akteuren zusammenarbeiten und das Theater zu einem Begegnungsort machen, der nicht nur zu Vorstellungen für zahlendes Publikum offensteht.

Vielleicht hängt diese Vorstellung auch mit seiner Sozialisierung im Theater zusammen. Der inzwischen Mitt-Dreißiger ist in Unterfranken aufgewachsen und fing mit Krippenspielen und Schultheater an. Dann studierte er zunächst Kulturwissenschaften und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Doch es zog ihn immer wieder ans Theater, erzählt er.

Das Potential des Grenzgebiets stärken

In den vergangenen Jahren war Morgenroth stellvertretender Intendant in Konstanz nahe der Schweizer Grenze. Zuvor studierte er unter anderem in Passau unweit von Österreich. "Ich scheine eine Vorliebe für Grenzstädte zu haben", sagt der Theatermacher mit einem Lachen.

Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz
Unweit der polnischen Grenzen steht das Görlitzer Theaterhaus. Bildrechte: Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau

Die neue Lage im Dreiländer-Eck sieht Morgenroth auch als Chance: "Man kann natürlich sagen: Wir sind am Rande der Republik. Man könnte aber auch sagen: Wir sind im Herzen Europas oder am Anfang Polens gelegen." Morgenroth will die internationale Zusammenarbeit vertiefen. Beispielsweise ist eine Uraufführung eines polnischen Autors geplant. So will der Intendant die kritischen Stimmen im Nachbarland stärken, die unter der aktuell herrschenden Situation in Polen oft klein gehalten werden.

Die Menschen in der Oberlausitz legen großen Wert auf Kultur und stehen mit ganzem Herzen hinter ihren kulturellen Einrichtungen.

Daniel Morgenroth

Selbstverständlich war es nicht die Grenze, die den Theatermacher gelockt hat, sondern die Stimmung in der Region: "Die Menschen in der Oberlausitz legen großen Wert auf Kultur und stehen auch mit ganzem Herzen hinter ihren kulturellen Einrichtungen", beobachtete Morgenroth bei seinen Besuchen. "Das hat mir gut gefallen und sehr imponiert, wie viel Liebe der Kunst entgegengebracht wird. Das macht mir auch Mut für die ganzen Herausforderungen, die noch vor uns liegen."

Gerhard-Hauptmann-Theater Zittau
Der Austausch zwischen Zittau und Görlitz soll noch intensiver werden. Bildrechte: IMAGO / Hanke

Damit spielt Morgenroth auf die Debatten um Finanzierung an, die kurz vor seinem Antritt durch ein Gutachten erneut angefacht wurden. Darin wurde auch die Existenz ganzer Sparten zur Diskussion gestellt. Morgenroth betont, dass er kein Abwicklungsintendant ist: "Ich bin hier angetreten als Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters – ein Theater mit zwei Standorten und vier Sparten." Dafür hofft Morgenroth vor allem auf die Unterstützung vom Land und einer Neuauflage des Kulturpaktes.

Zusammenarbeit zwischen Görlitz und Zittau stärken

In seiner Amtszeit möchte Daniel Morgenroth die Zusammenarbeit der beiden Trägerstädte weiter vertiefen. Sein Büro ist zwar weiterhin in Görlitz, aber er möchte öfter in Zittau sein. Die beiden Standorte sollen enger zusammenarbeiten und die Spielpläne stärker verknüpft sein. "Die Idee ist, dass sich die einzelnen Produktionen entweder aneinander reiben oder miteinander klingen", erklärt der Intendant seine Vision. Das möchte Morgenroth vor allem durch thematische Überschneidungen der einzelnen Produktionen erreichen. Schauspielstücke und Operninszenierungen sollen sich ergänzen oder widersprechen. Morgenroth war bisher vor allem im Bereich Schauspiel aktiv und ist Gründungsmitglied Performance-Kollektivs Knights of Light Entertainment. Als Assistent von Robert Wilson hatte er aber auch immer wieder Berührungspunkte mit dem Musiktheater.

Daniel Morgenroth auf einer Wiese.
Daniel Morgenroth möchte die Region mit seinem Theater mehr zusammenbringen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

In der Lausitz möchte Daniel Morgenroth in Zukunft mehr Experimente wagen. Dabei ist er überzeugt, dass Theater ein sinnliches Erlebnis ist: "Wir wollen versuchen, erst den Bauch anzusprechen. Natürlich soll das reichhaltigen Stoff für Auseinandersetzung und intellektuelle Reflektionen bieten, aber wenn wir sofort damit ankommen, machen ganz viele Leute dicht", so die Überzeugung Morgenroths. "Das Theater ist auch die Kunst der Verführung. So müssen wir unser Publikum immer wieder neu verführen, uns zu folgen", und deshalb will der Intendant ansprechende Theatererlebnisse schaffen, die auch Debatten vertiefen.

Drei Ziele des neuen Intendanten

Als erste Amtshandlung hat Daniel Morgenroth neue Stellen in der Theaterpädagogik geschaffen und das Angebot ausgebaut. Insgesamt schätzt der neue Intendant die Arbeit seines Vorgängers und möchte das Bestehende nur vorsichtig modernisieren. Für seine Amtszeit hat er sich vorerst drei Ziele gesteckt: "dass beide Standorte gut zusammenarbeiten und auch ideell zu einem Haus werden, dass wir in der Region stark verwurzelt sind und wir von Weißwasser bis in den Süden des Landkreises spielen, dass wir ein Theater sind, das auch überregional immer wieder wahrgenommen wird."

Ich wünsche mir, dass Sie mit einer großen Offenheit, mit offenen Augen und offenem Herzen zu uns kommen.

Daniel Morgenroth

Doch Morgenroth will nicht nur rausgehen, sondern auch mehr in die Häuser einladen. Er möchte während seiner Amtszeit immer wieder Kunstschaffende aus der Region in sein Theater einladen und Ko-Produktionen ermöglichen. Außerdem will er, dass die Häuser immer offenstehen – nicht nur zu Abendvorstellungen. Ein Theater-Café könnte in seinen Augen ein Ort der Begegnung sein. Er will aber nicht nur den Austausch des Publikums fördern, sondern auch selbst Kontakt zu seinem Publikum halten: "Ich wünsche mir, dass Sie mit einer großen Offenheit, mit offenen Augen und offenem Herzen zu uns kommen und sich das anschauen. Und dann wünsche ich mir, dass Sie mit uns reden. Wenn es Probleme, Anmerkungen oder Fragen gibt, möchte ich das immer gleich wissen", wendet er sich direkt an sein Publikum.

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Daniel Morgenroth, der neue Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Juni 2021 | 08:40 Uhr

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