Modernisierung Saniertes Gewandhaus Zwickau startet im September in die neue Spielzeit

Fünf Jahre stand das Leben im Gewandhaus Zwickau nun still. Erst sind zahlreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen dafür verantwortlich gewesen, dann die Corona-Pandemie. Im September wird nun aber die neue Spielzeit eröffnet. Für Intendant Roland May wird es die letzte sein. Wie sich das Haus nach den Umbauarbeiten äußerlich präsentiert und was die Spielzeit Highlights sind hat sich Ann-Kathrin Canjé für MDR Kultur vor Ort angesehen.

Gewandhaus Zwickau saniert
Nach fünf Jahren soll das Gewandhaus Zwickau ab September wieder Gäste empfangen. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Das Gewandhaus in Zwickau hat die Kleider gewechselt. Was früher in Stadtwappen-Farben weiß-rot den Markplatz in Zwickau zierte, strahlt jetzt in weißgrau. Fünf Jahre haben die Sanierungsarbeiten gedauert. Pünktlich zur neuen Spielzeit, nach Corona-Stillstand, wird das lang vermisste Publikum also in schicker Aufmachung begrüßt. Im traditionellen Gewandhaus hat sich einiges getan und ist gar nicht mehr richtig wiederzuerkennen.  

Ein geschichtsträchtiges Gebäude

1522 wurde das Haus anstelle eines ursprünglichen Holzhauses gebaut und fungierte als Zunfthaus der Tuchmacher – entsprach also nicht den Anforderungen eines Theaters. Erst als fahrende Gesellen in die Stadt kamen, schlug man Pfosten und Bretter an und hat kurzerhand eine Bühne hergezaubert. Ansonsten war das Gebäude ein reines Kaufhaus.

Erst 1883 fanden große Umbauten statt und ein Theater entstand. Selbst das bekannteste Kind der Stadt – Robert Schumann – hat dieses Theater schon von innen gesehen. Das Theater Plauen-Zwickau hat aus diesem Konglomerat der Baugeschichte ein modernes Theater gemacht – trotzdem wurde auf historische Akzente geachtet, wie beispielsweise die Stützsäulen im oberen Stockwerk, die eine Zeit versteckt waren und jetzt wieder komplett freilegt den Raum verschönern.

Gewandhaus Zwickau saniert
Diese Stützsäulen wurden erst bei der Sanierung komplett freigelegt. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Übertragung in die Gegenwart mit historischen Elementen

Das Rot der Fassade ist nun einem Grau gewichen. Der Denkmalschutz habe rausbekommen, dass das Stadtwappen ganz früher weißgrau gewesen sei. Diese Grautöne ziehen sich auch durch das Foyer, die Bar, den Eingangsbereich und den Ticketservice.

Viele Menschen haben an dem neuen Haus gearbeitet, es konzipiert, mit viel Mühe bedacht. Neben dem Technischen Direktor Silvio Gahs, hat die Leiterin des Besucherservice Plauen-Zwickau, Claudia Kuntze, die Maßnahmen miterlebt und begleitet. Sie ist froh über die modernen Akzente und Neuerungen, wie etwa über den Umbau des verwinkelten und schwer zugänglichen Treppenaufgangs: "Für Menschen mit Gehbehinderung ist der Zugang wesentlich erleichtert. Es ist wesentlich großzügiger, es sind keine Staubquellen mehr da. Also, wenn man seine Garderobe abholen und schnell zur Straßenbahn kommen möchte, dann muss man sich da nicht schubsen und drängeln. Auch das Foyer ist großzügiger geworden."

Umbauarbeiten Das hat sich im Gewandhaus Zwickau geändert

Gewandhaus Zwickau saniert
Das Zwickauer Gewandhaus startet frisch saniert in die neue Spielzeit. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Gewandhaus Zwickau saniert
Das Zwickauer Gewandhaus startet frisch saniert in die neue Spielzeit. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Gewandhaus Zwickau saniert
Der neu gestaltete Eingangsbereich mit Gaderobe Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Eingangsbereich des Gewandhauses Zwickau
Eingangsbereich mit Kasse Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé / MDR
Gewandhaus Zwickau vor Sanierung
Der Kassenbereich vor der Sanierung Bildrechte: Silvio Gahs
Gewandhaus Zwickau vor Sanierung
Auch der Treppenaufgang ... Bildrechte: Silvio Gahs
Gewandhaus Zwickau saniert
... wurde komplett neu gebaut. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Gewandhaus Zwickau saniert
In dem modernisierten Haus wurden historische Akzente gesetzt. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Gewandhaus Zwickau vor Sanierung
Vor der Sanierung fanden im Theatersaale 450 Gäste Platz. Bildrechte: Silvio Gahs
Gewandhaus Zwickau saniert
Im neu gestalteten Saal gibt es nur noch für 300 Sitze. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Gewandhaus Zwickau vor Sanierung
Auch die Fassade Theaters hat ihre Farbe gewechselt. Früher strahlte sie in den Stadtwappen-Farben weiß-rot. Bildrechte: Silvio Gahs
Gewandhaus Zwickau saniert
Jetz ist sie in weiß-grau gehalten. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
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Alles neu fürs Publikum

Dem Stammpublikum des Gewandhauses in Zwickau wird das beim Eintreten in das Gebäude sicher gleich auffallen, genauso wie der neue Treppenaufgang, der neben dem historischen angebracht wurde. Ein weiteres Highlight: der renovierte Saal für die Zuschauerinnen und Zuschauer. Etwas kleiner ist er geworden, was die Platzanzahl betrifft. 300 statt 450 Gäste finden hier nun Platz. Neben den grauen Elementen im Raum leuchtet ganz festlich in weinrot die Bestuhlung. Die Reihen sind neu eingebaut worden, wie Publikumskennerin Kuntze weiß: "Man sieht also von jeder Reihe aus, wir haben ab der dritten Reihe jede einzelne erhöht. So ist also auch der Sicht- und der Hörkomfort wesentlich besser. Es sind zwei Schallsegel eingehängt. Worden, die im Schauspiel genauso eine gute Hörqualität bieten, wie wenn wir ein Orchester oder ein Gastspiel präsentieren."

Gewandhaus Zwickau saniert
Im Theatersaal finden nur noch 300 statt 450 Gäste Platz. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Neuer Spielplan – neue Bühne

An der Bühne sei außerdem noch eine wichtige Änderung gebaut worden: der Orchestergraben – er kann jetzt mit Maschinenkraft abgesenkt werden, sodass die Techniker des Hauses nicht mehr die schweren, hölzernen Platten heben müssen, sondern auf schnelle Weise zusätzlich Raum auf der Bühne schaffen können.

Und den braucht es für die kommende Spielzeit, denn nicht nur im Theater in Plauen, sondern auch in Zwickau ist einiges geplant. "Wiedersehen" heißt das Spielzeitmotto und passt gleich doppelt gut, da Intendant Roland May sich nach der Spielzeit verabschieden wird. May ist bekannt für Zusammenarbeiten mit etwa Geflüchteten, Heiner-Müller-Abenden oder seinen politischen Stücken rund um die NSU-Thematik.

Er hat dem Haus damit seine eigene Handschrift gegeben. Auch in seiner letzten Spielzeit wird May in ganzen drei Stücken Regie führen: "Ich selber werde mit dem 'Musikfeind' dabei sein. Das ist eine kleine Operetten-Angelegenheit – mehrere Einakter, das wollten wir im letzten Jahr schon aufführen. 'Der Sänger mit den drei Tönen und die elektromagnetische Gesangsstunde' ist der etwas obskure Titel. Und da freue ich mich natürlich persönlich sehr darauf, hier auch noch einmal auch als Regisseur neben dem zerbrochenen Krug in Erscheinung treten zu können."

Eine Spielzeit voller Hochlichter

Daneben ist die Spielzeit von zahlreichen Premieren und Festen geprägt: Aufgeführt wird etwa die Oper "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss, die tragische Komödie "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt und das besondere Tanzspektakel. "Marie, Romy, Petra" – ein Tanz-Abend, der sich den engagierten Frauen Marie Curie, Romy Schneider und Petra Kelly widmet.  

Neben zahlreichen Musiktheaterstücken wie "Don Giovanni" – die Eröffnungsinszenierung –  acht Sinfoniekonzerten mit Musik von etwa Haydn, Stravinsky und Mozart, ist für den Februar ein Theaterball geplant. Das Sommertheater darf auch nicht fehlen.  

Großer Abschied im kommenden Jahr

Im nächsten Juni dann verabschiedet sich Roland May mit der Inszenierung von "Der Lohengrin" in der Hoffnung, dann mit großem Orchester und Chor aufführen zu können. Ein perfekter Abschied für May und sein persönliches Finale.

Im Mai nächsten Jahres wird außerdem die Grundsteinlegung des Gewandhauses vor 500 Jahren zelebriert. Gut, dass es dazu pünktlich im neuen Gewand erscheint. Jetzt fehlt nur noch das Publikum.

Weitere Pläne fürs kommende Jahr Im nächsten Jahr findet zum ersten Mal nach 2009 das Sächsische Theaterreffen vom 11. bis 15. Mai 2022 wieder im Theater Plauen-Zwickau statt. Ein weiteres großes bundesweites Theaterprojekt ist "Kein Schlussstrich" das sich dem NSU-Komplex in verschiedenen Formen widmet. In Zwickau etwa mit dem Theaterstück "Aus dem Nichts" nach dem Film von Fatih Akin. Das Projekt geht vom 21. Oktober bis 8. November 2021.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Juni 2021 | 13:10 Uhr

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