Straßentheater ViaThea-Festival macht Görlitz zur Bühne

Zwei Jahre mussten die Görlitzer aufgrund der Corona-Pandemie darauf verzichten, nun ist es zurück auf den Straßen der Stadt – das ViaThea-Festival. Bis zum 9. Juli 2022 werden Puppenspielerinnen und Tänzer, Gaukler und Akrobatinnen endlich wieder in den historischen Gassen und auf den weitläufigen Plätzen in Görlitz und Zgorzelec zu erleben sein und die Europastadt unter dem Motto "Tuchfühlung" in eine riesige Bühne verwandeln.

Ein Künstler des Straßentheater-Festivals ViaThea in Görlitz: Ein Mann mit einem schwarzen Anzug und Hut schiebt einen Elefanten aus Pappmaché.
Beim Straßentheater-Festival ViaThea 2022 in Görlitz ist auch der Künstler PasParTout mit seinem Babyelefanten dabei - und hat alle Hände voll zu tun. Bildrechte: ViaThea/ Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH

Wenn Tom, Tom und Tom von der niederländischen Company RavArt auf dem Untermarkt in Görlitz unterwegs sind, werden sich ihnen die Passanten nur schwerlich entziehen können. Altherrenmasken aufgesetzt tänzeln und scharwenzeln die drei Darsteller als vitale ältere Männer durch die Menge, interagieren mit ihrem Publikum und feiern das Leben.

Ein Gefühl, das wohl auch ViaThea-Leiterin Christiane Hoffmann verspürt, neben der Erleichterung, endlich wieder Künstlerinnen und Künstler für das Festival engagieren zu können. Denn inzwischen weiß sie von Straßentheatergruppen, die während der Pandemie, ohne jegliche Auftritte und damit ohne Einkünfte, aufgegeben haben. Es hat zwar Versuche einiger Companies gegeben, Inszenierungen auf einer Bühne zu spielen, damit der Abstand zwischen Publikum und den Künstlerinnen und Künstlern – eben den Corona-Auflagen entsprechend – gewahrt bleibt. Doch das hatte mit Straßentheater, mit der damit verbundenen Leichtigkeit letztlich wenig zu tun. Umso größer ist die Freude jetzt, wieder mit dem Publikum auf "Tuchfühlung" gehen zu können – das Motto, das bereits für 2020 geplant war.

Die Künstler gehen auf Tuchfühlung mit der Stadt, die Stadt wird zur Kulisse für die Inszenierungen, und die Künstler gehen auf Tuchfühlung mit den Zuschauern und umgekehrt natürlich genauso.

Christiane Hoffmann, Leiterin des ViaThea-Festivals

155 Auftritte mit Künstlern aus 21 Ländern in Görlitz

Nicht nur das Festival-Motto wurde für das diesjährige, das inzwischen 26. ViaThea übernommen, sondern auch ein Großteil der Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die bereits 2020 nach Görlitz kommen sollten. Und so erlebt die Stadt, erleben die Gäste – während sie von Aufführung zu Aufführung durch die Görlitzer Altstadt bis hinüber ins polnische Zgorzelec flanieren – an den drei Festivaltagen 29 Gruppen aus 21 Ländern in 155 Auftritten.

Zwei Frauen verstecken ihre Gesichter hinter Fächern und tragen barocke Kleider und weiße Perücken.
Mit WalkActs und Performances, Musik und faszinierender Akrobatik erobern die Straßenkünstlerinnen und -künstler die Stadt, wie hier Corpus mit ihrer Inszenierung "Camping Royale". Bildrechte: ViaThea/ Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH

Akrobaten erobern Görlitz

Mit dabei sind TukkersConnexion aus den Niederlanden, die cartoonartig als waghalsiges Stunt-Trio mit 95-Grad-Heißwäsche am eigenen Leib experimentieren. Oder auch Chris & Iris mit ihrer Inszenierung "GAP 42": Verblüffende Hand-auf-Hand Akrobatik trifft mit Situationskomik bei den beiden aufeinander, die 42 Zentimeter an Größe und 42 Kilogramm an Gewicht voneinander trennen.  

Zu Gast in diesem Jahr auch zwei Künstler der Sankt Petersburger Company AKHE. Beide haben mit Kriegsbeginn in der Ukraine aus Protest, und auch um nicht verhaftet zu werden, Russland verlassen und leben derzeit in Berlin bzw. in Finnland. Mit Pinsel, Farben und weiteren Requisiten lassen sie während einer Performance ein Bild auf einer Leinwand entstehen. Begleitet werden sie dabei vom in Dresden ansässigen, ukrainisch-stämmigen Duo Kratschkowski. Es ist ihr gemeinsames Statement gegen den Krieg in der Ukraine.

Zwei Männer bespritzen sich in einer Performance mit Farbe.
Pavel Semchenko und Maxim Didenko von der Sankt Petersburger Company AKHE sind mit einer neuen Inszenierung Gäste beim ViaThea-Festival in Görlitz. Bildrechte: Isolde Matkey

ViaThea-Nachspiel im Muskauer Park

Eine noch junge Tradition wird ebenfalls wieder aufgegriffen: das ViaThea-Nachspiel im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Zum inzwischen vierten Mal wird dort eine Auswahl an Künstlerinnen und Künstlern im Hermannsbad gastieren. Zwar nicht im Kurpark, aber doch im Kavaliershaus wurden schon vor rund 200 Jahren, als Hermann Fürst von Pückler-Muskau hier sein Gartenreich erschuf, Theaterstücke aufgeführt und nicht selten stand der Fürst selbst auf der Bühne.

Insofern verwandeln die Künstlerinnen und Künstler des ViaThea-Festivals mit ihren WalkActs und Performances, mit Musik und faszinierender Akrobatik nicht nur die Europastadt Görlitz, sondern auch die Welterbestätte Muskauer Park in eine einzige große Straßentheaterbühne.

Informationen zum 26. Internationalen Straßentheaterfestival ViaThea Vom 7. bis 9. Juli 2022 auf Straßen und Plätzen in Görlitz und Zgorcelec.

Und am 10. Juli von 12 bis 17 Uhr im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juli 2022 | 12:10 Uhr

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