Theaterdebatte Görlitzer Landrat: "Ich will keinen Theater-Standort schließen"

Von möglichen Theaterschließungen distanziert hat sich der Görlitzer Landrat Bernd Lange am Montag in einer Pressekonferenz. Zuvor waren Befürchtungen durch ein Gutachten aufgekommen, das einschneidende Veränderungen vorschlägt.

Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz
Bildrechte: Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau

"Natürlich will ich keinen Theaterstandort in Görlitz schließen und auch keinen in Zittau", erklärte der Görlitzer Landrat Bernd Lange auf einer Pressekonferenz am Montag. "Sonst hätte ich 20 Jahre umsonst gearbeitet", fügte der langjährige CDU-Amtsträger hinzu. Er räumte zugleich den Fehler ein, über die Theaterprobleme zunächst hinter verschlossenen Türen diskutiert zu haben. Ein früherer Fehler sei es aber auch gewesen, nicht den gesamten Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien an der Finanzierung der Neuen Lausitzer Philharmonie zu beteiligen.

Finanzierungsloch

Hintergrund der Debatte ist ein externes Gutachten zu den Theatern im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, das derzeit für Unruhe sorgt. Darin werden Einsparszenarien für die Bühnen in Görlitz, Bautzen und Zittau beschrieben. Dem Musikensemble in Görlitz drohe demnach das Aus, sodass ihr Theaterhaus nur noch für eingekaufte Inszenierungen zur Verfügung stünde. Auch eine Fusionierung der Orchester des Sorbischen National-Ensembles und der Neuen Lausitzer Philharmonie sowie der Schauspielsparten in Bautzen und Zittau stünde zur Debatte.

An der Neiße gäbe es nur noch eine Musiktheater-Diaspora. Görlitz wäre nur noch Gastspielhaus – und das ist kaum vorstellbar, auch für das städtische Selbstbewusstsein. Das Musiktheater, würde ich sagen, war nicht nur Erbauungsoper für ältere Bürger, sondern auch mutig und zeitgenössisch. Ich erinnere an Opern wie "Tod eines Bankers" oder "Franziska Linkerhand".

MDR KULTUR-Theaterexperte Michael Bartsch zu den Folgen möglicher Sparmaßnahmen

Eine Frau auf der Theaterbühne
Inszenierung von "Diven sterben einsam" am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau Bildrechte: Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Artjom Belan

In Auftrag gegeben hatten das Gutachten Stadt und Landkreis Görlitz sowie der Kulturraum. Es sei als Diskussionsgrundlage gedacht und es zeige mehrere Hebel für notwendige Strukturveränderungen auf, meint Landrat Lange. Ein Finanzierungsloch ist absehbar: So drohe dem Gerhard-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau (GHT) ein Tarifaufwuchs von 1,6 Millionen Euro.

Görlitzer Landrat Bernd Lange
Bernd Lange Bildrechte: Holger Peschel

Wenn wir das ignorieren, fahren wir voll gegen die Wand. Selbst mit der Verlängerung des Kulturpakts in Sachsen über das Jahr 2022 hinaus, müssen wir über notwendige Strukturveränderungen reden.

Bernd Lange, Görlitzer Landrat

Der Geschäftsführung des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau warf Lange vor, Sparauflagen aus der Fusion 2010 nicht erfüllt und keine eigenen Lösungsvorschläge gemacht zu haben. Die Häuser aber fahren seit zehn Jahren am Existenzminimum, so MDR KULTUR-Theaterexperte Michael Bartsch.

Unterstützung vom Land

Franziska Schubert
Franziska Schubert Bildrechte: Bündnis90/Die Grünen/Dirk Hanus

Laut Koalitionsvertrag soll der Kulturpakt fortgeschrieben werden, darauf verweist die Görlitzer Landtagsabgeordnete Franziska Schubert (Grüne) und betont: "Das muss kommen."

Der Kulturpakt garantiert Theatern und Orchestern in Sachsen derzeit jährlich sieben Millionen Euro. Zwar würden diese von Kommunen und Kulturräumen getragen, jedoch habe der Freistaat über die Kulturraummittel Einfluss auf die Finanzierbarkeit.

Landrat Lange will sich jedoch nicht allein auf den Ruf an die Landesregierung verlassen und sagt: "Wir müssen gemeinsam um Lösungsansätze für Strukturveränderungen ringen." Einer neuen Arbeitsgruppe aus Landkreis, Intendanz, Aufsichtsrat und jeweils einem Vertretern der Görlitzer Kreistagsfraktionen solle das Gutachten nun als Grundlage dienen, damit bis zum Jahresende ein Konzept für den Erhalt der Theater – auch unter den nach 2023 drohenden Mehrausgaben – erarbeitet wird.

Vetorecht für Görlitz und Zittau

"Wir stellen das Musiktheater keinesfalls in Frage, die Städte Görlitz und Zittau haben ein Vetorecht", sagt Görlitzer Kulturbürgermeister Michael Wieler. Gerade in Zeiten des Strukturwandels dürfe doch nicht die Attraktivität des Standorts geschwächt werden. Wieler verweist auf die Veränderungen in der Gegend: "Es gibt positive Entwicklungen, große Forschungsinstitute kommen an die Neiße."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. Mai 2021 | 17:40 Uhr

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