Kultur unter Tage Einzigartige Kulisse im Harz: Jules Vernes Klassiker als Höhlentheater

Theater unter Tage, zwischen Tropfsteinen bei kühlen und feuchten acht Grad – das sind die Höhlenfestspiele im Rübeland. Im Juli ging es bereits los mit "20.000 Meilen unter den Meeren". Nun wurde auf der Naturbühne in der Harzer Tropfsteinhöhle ein weiterer Klassiker von Jules Verne inszeniert: Die Stalaktiten und Stalakmiten scheinen wie geschaffen für "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde". Dem Team begegneten allerdings zahlreiche Herausforderungen.

Zwei Schauspieler stehen in einer Höhle.
Die einzigartige Theaterkulisse der Höhlenfestspiele im Rübeland Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Mit mysteriösen Klängen beginnt die Vorstellung im Harzer Höhlentheater. 180 Zuschauerinnen und Zuschauer (statt der bis zu 300 vor der Corona-Pandemie) gehen im Goethesaal der Baumannshöhle auf eine besondere Reise: Professor Steinbrock begibt sich auf eine abenteuerliche Exkursion zum Mittelpunkt der Erde – frei nach dem berühmten Roman von Jules Verne. In dieser Version wird er von Alexander von Humboldt und Madame Deville begleitet.

"Reise zum Mittelpunkt der Erde" im Tropfsteintheater
Die Proben unter Tage sind für das Ensemble eine Herausforderung. Bildrechte: Jan Reichel

Anne Scherliess, die eigentlich in Bonn zuhause ist, spielt den bekannten historischen Entdecker Humboldt. Seit Jahren reist sie nur für das Höhlenschauspiel in den Harz. Der Spielort sei einzigartig, erzählt die Darstellerin. "In einer Höhle spielt man nicht so häufig. Es ist ganz anders als alle anderen Bühnen, auf denen man sonst spielt."

Einzigartige Bühne im Harz

"Reise zum Mittelpunkt der Erde" im Tropfsteintheater
Anne Scherliess, Heide Binder und Klaus Heydenbluth mussten mit den Widrigkeiten der Höhle kämpfen. Bildrechte: Jürgen Meusel

Theater in der Tropfsteinhöhe ist etwas ganz Besonderes. Deswegen ist auch Klaus Heydenbluth seit Jahren mit seinem Freien Theater Harz dabei. In der Inszenierung von "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" verkörpert er den Professor Steinbrock. Die Proben unter Tage sind äußerst anstrengend, erzählt der Schauspieler: "Es ist dunkel, dreckig und kalt, sodass man froh ist, nach fünf Stunden wieder draußen zu sein."

Es ist also nicht nur im positiven Sinne faszinierend. In der Höhle herrschen acht Grad und es ist naturgemäß sehr klamm. Das stellt für das Ensemble auch eine schauspielerische Herausforderung dar, erklärt Heydenbluth: "Wenn du einen Satz sagst, schallt der noch ein paar Sekunden vor durch die Höhle. Man muss also versuchen noch langsamer und noch deutlicher zu sprechen." Laut Anne Scherliess ist dieses Problem beim See besonders kompliziert, "weil der Ton nach oben rollt. Den Ton zu den Zuschauen zu bekommen, ist sehr schwierig", berichtet die Schauspielerin.

Authentisches Bühnenbild und spannendes Farbspiel

Umso schöner, wenn dann alles klappt. So wie bei der "Reise zum Mittelpunkt der Erde" nach Jules Verne. Die Akteure wandeln im Halbdunkel zwischen Felsen, unter Tropfsteinen und am Ufer des Höhlensees – authentischer geht es kaum. Am Ende erreicht die ungewöhnliche Reisegruppe den Mittelpunkt. Wie im Film stehen riesige Pilze in der Höhle, die rot, blau oder violett angestrahlt werden. Das Farbenspiel fasziniert. Tiefrotes Licht symbolisiert den Weg zurück durch einen Vulkan. Schließlich kehrt auch das Publikum zurück an die Oberfläche.

Weitere Informationen Adresse:
Rübeländer Tropfsteinhöhlen (Harz)
38889 Oberharz am Brocken
OT Rübeland

Weitere Termine für "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" für Oktober sind in Vorbereitung.

Aufführungen von "Der Kleine Prinz" finden am 23. und 24. August jeweils um 16.30 Uhr statt.

Preise:
Kinder (4 bis 14 Jahre): 9 Euro
Erwachsene: 16 Euro
Bei Sonderveranstaltungen mit der Rübelandbahn gelten gesonderte Preise.

Bitte beachten Sie, dass die Temperatur in der Höhle konstante 8° C beträgt.

Unterwegs im Harz

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | 03. August 2021 | 19:00 Uhr

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