Trauer Urgestein der "Herkuleskeule": Dresdner Kabarettistin Gisela Grube gestorben

Die Mitglieder des DDR-Kabaretts "Herkuleskeule" (l-r) Thomas Zimmer, Brigitte Heinrich, Manfred Schubert, Gisela Grube, TAK-Chef und Gastgeber Dietrich Kittner, Manfred Breschke und Wolfgang Stumph stehen nebeneinander.
Mitglieder der "Herkuleskeule" 1989 zu Gast in Hannover, (l-r): Thomas Zimmer, Brigitte Heinrich, Manfred Schubert, Gisela Grube, Gastgeber Dietrich Kittner, Manfred Breschke und Wolfgang Stumph Bildrechte: dpa

Sie war über Jahrzehnte eines der Gesichter des Kabaretts "Die Herkuleskeule": Nach einem Bericht der "Dresdner Neuesten Nachrichten" (DNN) starb Gisela Grube bereits am vergangenen Donnerstag im Alter von 95 Jahren in Dresden. Grube gehörte dem Ensemble der Herkuleskeule zwischen 1961 und 1993 an, sie spielte in fast jedem der Programme in dieser Zeit.

Kömödiantin und Urgestein "der Keule"

Als große Komödiantin, die aus den Quellen des Volkstheaters schöpfte, würdigt sie Kabarett-Experte Harald Pfeifer, der auch künstlerischer Leiter des Internationalen Satire- und Humorfestivals Lachmesse in Leipzig ist, im Gespräch mit MDR KULTUR. Grube sei als Gründungsmitglied ein Urgestein der Herkuleskeule gewesen und "eine Kabarettistin der alten Schule".

Tatsächlich hatte die Suhler Gastwirtstocher das Bühnen-Handwerk von der Pike auf gelernt, in den 1940er-Jahren an der Meininger Schauspielschule. Nach Kriegsende zog sie mit Wanderbühnen auch durch die Dörfer Mitteldeutschlands, war an den Theatern in Burgstädt, Erfurt und Frankfurt/Oder engagiert. In Lustspielen war sie am Kleist-Theater etwa Bühnenpartnerin von Rolf Herricht, der den Prinz Orlofsky in der "Fledermaus" gab. Im Alter von 36 Jahren bewarb sich Grube dann auf der Suche nach neuen Herausforderungen am Dresdner Staatsschauspiel, zu der die Herkuleskeule damals gehörte.

Gemeinsam mit dem Direktor Manfred Schubert und Hans Glauche gehörte sie zur Gründergeneration des über Jahrzehnte erfolgreichen Ensembles. Später teilte "die Keule" dann auch mit Wolfgang Schaller, Peter Ensikat oder Wolfgang Stumph kräftig aus.

Besondere Weltanschauung

Dabei habe Grube als streng religiös lebende Frau und Kabarettistin durchaus in einem Zwiespalt gesteckt, merkt Pfeifer weiter an, nämlich dem zwischen Katholizismus und marxistisch-leninistischer Weltanschauung, die auch beim satirischen Blick auf die "Mangelwirtschaft" angezeigt war.

In der Wendezeit, als Grube schon befürchtet habe, die Gewalt könne eskalieren, fand beides zueinander: in einem Bühnenprogramm mit ihrem Kollegen Manfred Breschke. Laut "DNN" zitierte sie darin aus dem Neuen Testament und Breschke aus den Schriften von Marx und Engels.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Januar 2021 | 15:30 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei