Sächsischer Bühnenverein Hillmann: "Rückkehr aus dem Kultur-Lockdown einheitlich regeln"

Jetzt die Öffnung der Theater zu planen, hält der Vorsitzende des Sächsischen Bühnenvereins, Lutz Hillmann, keineswegs für verfrüht. So begrüßt er den am Montag vorgestellten Drei-Stufen-Plan für Kultur und Sport, der wissenschaftlich begleitet Wege aus dem Lockdown aufzeigen will. Eckpunkte sind personalisierte Eintrittskarten, Datenabgleich und Tests. Zugleich kündigte Hillmann ein Schreiben aller großen Häuser an Sachsens Kulturministerin an.

Lutz Hillmann, 2012
Lutz Hillmann, Vorsitzender des Deutschen Bühnenvereins und Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen Bildrechte: dpa

Mit einem Drei-Stufen-Plan sollen Kultur und Sport aus dem Lockdown kommen. Wissenschaftler und Institutionen stellten das Papier am Montag vor. Der Vorsitzende des Sächsischen Bühnenvereins, Lutz Hillmann, verbindet damit die Forderung nach einheitlichen Regelungen. Sie sollten bundeseinheitlich oder mindestens ländereinheitlich gelten, "damit wir nicht Kulturtourismus erzeugen zwischen den Ländern oder vielleicht sogar zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten", begründete Hillmann im Gespräch mit MDR KULTUR.

Konzept zum richtigen Zeitpunkt

Trotz der aktuell stagnierenden und teilweise wieder steigenden Corona- Infektionszahlen kommt das Konzept Hillmann zufolge nicht verfrüht: "Wenn wir erst darüber nachdenken, wie es wieder losgehen kann, wenn es losgeht, dann ist es zu spät", betonte er. Die großen Institutionen brauchten mit Blick auf Spielplan und Publikumsorganisation schließlich eine Vorlaufzeit: "Deswegen ist es niemals zu zeitig, damit man, wenn die Infektionssituation es zulässt, auch wirklich aktiv werden kann." Aktuell zu klären sei bereits, wann die Stufenpläne in Kraft träten und wieviel Vorlaufzeit man vor dem Startsignal bekomme.

Appell an Sachsens Kulturministerin

Hillmann, selbst Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen, kündigte bei MDR KULTUR an, ein gemeinsames Schreiben aller großen Häuser sowie mehrerer Privattheater und Orchester aus Sachsen bei Kulturministerin Barbara Klepsch vorzulegen: "Wir wünschen uns eine schrittweise Öffnung der Theater. Dafür haben wir zwölf Punkte erarbeitet. Die basieren auf Forderungen des Deutschen Kulturrats und des Deutschen Bühnenvereins, auch auf Erfahrungen von uns hier vor Ort", erklärte Hillmann. Verwiesen würde darin noch einmal auf "die bestehenden, immer noch existierenden und genehmigten Hygienekonzepte, die eigentlich sofort wieder aktiviert werden könnten. Unter denen würden wir sicher arbeiten."

"Privilegien" für Geimpfte?

Ein Vorgehen wie in Israel, wo Geimpfte wieder mehr Freiräume bekommen, ist für den Chef des Sächsischen Bühnenvereins auch hierzulande denkbar. Derzeit wäre eine solche Regelung aber noch ungerecht. Voraussetzung sei, dass alle ein Impfangebot bekommen und wahrnehmen könnten: "Sobald das gewährleistet ist und Geimpfte sicher sind, muss ernsthaft darüber geredet werden, dass denen natürlich wieder mehr Normalität eingeräumt werden muss – damit sie nicht darunter leiden, dass sich nicht alle haben impfen lassen." Von Privilegien will der Theatermacher in diesem Zusammenhang aber nicht sprechen: "Ich sehe es nicht als Privileg an, sich normal zu verhalten", sagte Hillmann bei MDR KULTUR.

Drei-Stufen-Plan: Diskusionsangebot an die Politik

Am Montagvormittag hatte ein Bündnis aus Kultur, Sport und Wissenschaft mit 20 Forschenden und knapp 40 Institutionen einen Plan raus aus dem Lockdown vorgestellt. Dieser soll, untermauert von wissenschaftlichen Studien, aufzeigen, wie Großveranstaltungen mit Zuschauern wieder möglich sein können. Die Eckpunkte sind personalisierte Eintrittskarten, Datenabgleich und Tests.

Kernpunkte des Drei-Stufen-Plans

Stufe 1 - geschlossene Räume: In Theatern oder Konzerthäusern soll bei Vorliegen eines Hygiene-, Lüftungs- und Infektionsschutzkonzeptes eine Auslastung zwischen 25 und 30 Prozent möglich sein. Es soll nur personalisierte Eintrittskarten geben, die zusammen mit dem Ausweis kontrolliert werden. Das Tragen von medizinischen Masken soll Pflicht sein. Auf den Verkauf von Speisen oder Getränken würde verzichtet, zudem sollen Mindestabstände mit entsprechend leeren Sitzreihen eingehalten werden. Wer in einem Haushalt wohnt, soll nebeneinander sitzen dürfen.

Stehplätze sind demnach nur in nummerierten und markierten Zonen mit zusätzlichem Ordnungspersonal möglich. Zudem würden Konzepte zum Ein- und Auslass sowie für An- und Abreise verlangt.

Stufe 2 - Außenbereich: Hier würde wegen der günstigeren Lüftungssituation bei vergleichbaren Standards eine Auslastung von bis zu 40 Prozent als möglich betrachtet. Maskenpflicht soll bis zu den Plätzen gelten. Bei mehr als 1.000 Besuchern soll es keinen Alkohol geben. Das Basismodell für drinnen und draußen unterscheidet nicht zwischen Besuchern, die schon geimpft sind und anderen. Eine Steigerung der Kapazität darüber hinaus erfordere "ein individuelles Spezialkonzept", heißt es weiter.

Stufe 3 - komplett volle Stadien: Die "Maximalmodell" genannte Variante erfordere eine Teststrategie unter anderem mit digitaler Unterstützung des Kontaktmanagements. Verbindlich wären zudem Antigen-Tests vor jeder Veranstaltung, positive Tests sollen zum Ausschluss von der Veranstaltung führen.

Zu den Unterstützern zählt auch der Deutsche Bühnenverein. Der geschäftsführende Direktor Marc Grandmontagne erläuterte bei MDR KULTUR, dass das Konzept für geschlossene Räume wie in Theatern oder Konzertsälen eine Gesamtauslastung von maximal 25 bis 30 Prozent vorsieht. Flankierend hinzu kämen weitere Maßnahmen. Er nannte personenbezogene Tickets, Kontaktmanagement, durchgehende Maskenpflicht sowie ein Gastronomieverbot. "Im Großen und Ganzen sind das Dinge, die in den Hygieneschutzkonzepten schon so erarbeitet sind.", führte Grandmontagne weiter aus. Er bezeichnet den Drei-Stufen-Plan als einen "Diskussionsvorschlag an die Politik". Man müsse eine differenziertere Herangehensweise wagen. Der "totale Lockdown" sei "eindimensional und kein Angebot für die nächsten Monate". Denn man müsse davon ausgehen, dass die Pandemie noch länger anhält.

Theater im Lockdown

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Februar 2021 | 16:30 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei