Intendant sorgt sich ums Montagscafé Integrationsprojekt am Dresdner Staatsschauspiel: Hochgelobt, aber vor dem Aus?

Beim Ankommen in der neuen Heimat hilft das Montagscafé am Staatsschauspiel Dresden Geflüchteten seit 2015 ganz praktisch. Ein hochgelobtes Projekt, das auch für mehr Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft sorgen soll. Die Zukunft sieht Intendant Joachim Klement jedoch gefährdet. Kein Einzelfall, wie er bemerkt. Aber einer, der auf die Kluft zwischen Theorie und Praxis bei der Integration hinweist.

Montagscafé am Staatsschauspiel Dresden
Im Montagscafé am Staatsschauspiel Dresden vor dem Lockdown, derzeit gibt es Treffen digital. Bildrechte: Staatsschauspiel Dresden / Klaus Gigga

Das Montagscafé am Staatsschauspiel Dresden, das sich seit 2015 um die Integration Geflüchteter kümmert, scheint gefährdet. Obwohl es bundesweit als Vorzeigeprojekt gelte, fehle derzeit aus finanziellen Gründen die Perspektive, erklärt Intendant Joachim Klement im Gespräch mit MDR KULTUR: "Ich bin äußerst besorgt."

Bangen um Fördermittel

Montagscafé am Staatsschauspiel Dresden
Im Montagscafé am Staatsschauspiel Dresden vor dem Lockdown, derzeit gibt es Treffen digital. Bildrechte: Staatsschauspiel Dresden / Klaus Gigga

Als erste Anlaufstelle und Begegnungsort sei das Montagscafé auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise zunächst "aus Bordmitteln" gegründet worden. Damit sei man auch einer Bitte der damaligen sächsischen Kulturstaatsministerin gefolgt, solche Stätten des kulturellen Austausches zu entwickeln, die für ein weltoffenes Sachsen stehen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen könnten. Nun sei unklar, wie es mit dem Montagscafé weitergehe.

Einerseite stehe man mit einem großen Förderantrag, der das Projekt für die nächsten drei Jahre absichern würde, auf der Warteliste. Ein weiterer Antrag, der zumindest das Budget für das laufende Kalenderjahr abdecken würde, sei noch in Bearbeitung. Andererseits sei die Chance auf eine institutionelle Förderung, die mehr finanzelle Sicherheit und auch zusätzliches Personal bedeuten könnte, ungewiss.

"Integration ist kein Projekt, sondern dauerhafte Aufgabe"

Montagscafé am Staatsschauspiel Dresden
Austausch und praktische Hilfe Bildrechte: Staatsschauspiel Dresden / Klaus Gigga

Dabei, betont Klement, seien Integration und Zusammenhalt kein auf zwei, drei Jahre zu begrenzendes Projekt, sondern eine dauerhafte Aufgabe. In Dresden habe sich der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in den vergangenen 20 Jahren vervierfacht, führt er weiter aus. Und gerade beklage der Oberbürgermeister der Stadt in der "Sächsischen Zeitung", dass es an Möglichkeiten der Begegnung fehle. Auch angesichts des Integrationsgipfels, auf dem die Kanzlerin unlängst die Kluft zwischen Theorie und Praxis monierte, versteht es Klement nicht, dass hochgelobte Initiativen, die anpacken, in der Luft hängen.

Kein Einzelfall?

Auch andernorts stehe die Förderung engagierter Projekte in Frage, führte Klement weiter aus. Er verwies auf das Thespis Zentrum am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen, das 2020 noch mit dem Integrationspreis des Landes ausgezeichnet worden sei oder auf den Kinder- und Familientreff "Puzzle" des Omse e.V. aus Dresden-Gorbitz, der 2020 den gemeinsam vom Kinderschutzbund und dem Sächsischen Ausländerbeauftragten gestifteten Kinderschutzpreis Sterntaler bekommen habe. 

2016 war das Montagscafé durch Kulturstaatsministerin Monika Grütters für den "Sonderpreis zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen" nominiert worden. Initiatorin Miriam Tscholl wurde 2017 vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck geehrt. Laut Klement waren es von der gründung bis zum Beginn der Pandemie durchschnittlich etwa 150 Menschen, die sich jeden Montag im Café trafen, um sich zu vernetzen und die kulturellen Angebote im Kleinen Haus am Dresdner Staatsschauspiel zu nutzen. Die Möglichkeit zum Austausch bestehe trotz Pandemie weiter.

Montagscafé am Staatsschauspiel Dresden

Auch in Zeiten der Pandemie arbeitet das Montagscafé . Kontakt aufnehmen lässt sich telefonisch unter 03 51 /49 13-617 oder per Mail unter montagscafe@staatsschauspiel-dresden.de sowie auf  www.facebook.com/montagscafedresden. Angeboten wird auch ein Newsletter. , Immer montags zwischen 18 und 20 Uhr öffnet die digitale Teestube.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. März 2021 | 16:10 Uhr

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