Spielzeitbeginn und Premiere Was kommt nach Krieg, Klimakrise und Energiekrise? Das Theaterhaus Jena sucht Antworten

Krieg, Klimakrise, Energiekrise – wenn eine Krise auf die nächste folgt, fühlen wir uns schnell ohnmächtig. Viele flüchten sich in nostalgische Weltflucht. Das außergewöhnliche Schauspielerinnen-Dou Hashtagmonike sucht mit politischem Dokumentartheater nach Zukunftsperspektiven.

Schwarz-weiß-Foto zweier Frauen in Blaumännern, die in einem als Werkstatt eingerichteten Kellerraum sitzen.
Mona Vojacek Koper und Henrike Commichau von "Hashtagmonike" am Theaterhaus Jena Bildrechte: Felix Adler

Mona Vojacek Koper und Henrike Commichau, beide Jahrgang 1992, haben sich in München an der Schauspielschule kennengelernt. Schon damals merkten sie, dass klassisches Sprechtheater nicht das war, was sie wirklich erfüllte. Henrike Commichau erinnert sich an eine ihrer ersten Rollenstudien: "Das war Lessing und ich musste spielen, dass mein Mann nach sieben Jahren aus dem Krieg zurückkam. Ich war da gerade mal 21 Jahre alt. Wie soll denn das gehen? Ich war so verunsichert und wusste nicht mal mehr, wie ich auf der Bühne laufen soll!".

Künstlerische Selbstbestimmung

Anstatt den üblichen Weg zu gehen und sich nach dem Studium als festes Ensemblemitglied an einem Theater zu bewerben, gründeten die beiden Frauen ihr eigenes Zweierkollektiv. Ein Schritt, der es ihnen ermöglichte, eigene Ausdrucksformen zu entwickeln und künstlerisch maximal frei zu sein: "Wir hatten auch einfach keine Lust auf diese Machtstrukturen, die an den meisten Theatern bestehen, wo man kaum mitbestimmen kann", so Mona Vojacek Koper, die in Los Angeles geboren wurde und seit ihrem 12. Lebensjahr in Deutschland lebt.

Neue Produktion beschäftigt sich mit Eskapismus

Als das Theaterhaus Jena die beiden dann 2018 als Duo engagierte, sei das ein Riesenglück gewesen. Nach Arbeiten zum Thema Freundschaft und dem Paragrafen 219a geht es in der neuen Produktion um Eskapismus – dem Drang der Realität zu entfliehen. Eine Welt, in der eine politische Krise auf die nächste folgt und nebenbei die Umwelt zugrunde gerichtet wird, kann ein Gefühl der Ohnmacht auslösen. An diesem Punkt der allgemeinen Überforderung setzen die Schauspielerinnen in "Making Plans" an. "Wir wählen immer ein politisches Thema und suchen dann aber ganz bewusst nach einem persönlichen Zugriff", so Mona Vojacek Koper. "In diesem Fall war es dieses Gefühl von Lähmung, dass man sich fragt: Was kann ich als Individuum überhaupt noch bewirken?"

Wovon können wir noch träumen?

Wenn die Gegenwart zum Davonlaufen und die Zukunft erst recht verloren ist, wovon können wir dann noch träumen? Von der Vergangenheit? Ein bisschen Nostalgie kann tröstlich sein, finden die beiden Schauspielerinnen. Aber ganz unkompliziert ist es mit dem rückwärtsgewandten Blick natürlich auch nicht. Weil die Frage, was aus der Vergangenheit reanimiert werden könnte strittig und "früher war alles besser" ihrer Meinung nach eine schnöde, wenn nicht gar gefährliche Phrase ist.

Mit Optimismus und Humor

Aber gibt es vielleicht dennoch Relikte der Vergangenheit mit Hilfe derer wir eine neue Utopie entwerfen können? Hashtagmonike möchte anregen, darüber nachzudenken. Und zwar nicht nur mit gerunzelter Stirn, sondern vor allem auch mit Humor. Gerade bei schwierigen Themen könne so verhindert werden, dass der Ton ins Moralische verfällt, findet Mona Vojacek Koper. Außerdem liege für hashtagmonike der Clue darin, dass nicht nur über andere, sondern vor allem auch über sich selbst und die eigenen inneren Widersprüche gelacht wird.

Mehr Informationen "Making Plans"
Theaterhaus Jena
Schillergässchen 1
07745 Jena

Aufführungen:
Mittwoch, 28. September, 20 Uhr: Öffentliche Probe
Donnerstag, 29. September, 20 Uhr, Premiere
Freitag, 30. September, 20 Uhr
Samstag, 1. Oktober, 20 Uhr
Mittwoch, 5. Oktober, 20 Uhr
Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr
Freitag, 7. Oktober, 20 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. September 2022 | 12:10 Uhr

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