Zum 100. Geburtstag DDR-Komiker Eberhard Cohrs – Spaßmacher und Systemkritiker

Eberhard Cohrs galt als einer der wichtigsten Komiker der DDR. Doch er wurde immer mehr kontrolliert und kaltgestellt, bevor er sich entschloss, auszuwandern und in der BRD neu anzufangen. Dort konnte er mit seinem Humor jedoch nicht mehr im gleichen Maße überzeugen. Vor 100 Jahren, am 4. Januar 1921, wurde Cohrs in Dresden geboren, wo er sich immer heimisch fühlte.

Eberhard Cohrs 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KULTUR - Das Radio Mo 04.01.2021 06:00Uhr 03:42 min

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Der Kleene mit der großen "Gusche": Eberhard Cohrs. Mit seinen 1,56 Meter war er im Osten ein Riesen-Star.

Komiker mit NS-Vergangenheit

In Dresden wird Eberhard Cohrs 1921 geboren. Er ist 18, als der Zweite Weltkrieg beginnt, kommt 1941 zur Wehrmacht. Im letzten Kriegsjahr gehört Cohrs der SS-Wachmannschaft im KZ Sachsenhausen an. Was er dort erlebt hat, dazu schweigt Cohrs bis an sein Lebensende. Sein Anwalt Peter-Michael Diestel kommentiert später: "Wir werden wohl mit dem Widerspruch leben müssen, dass Cohrs mehr war als nur der Komiker, der mit seinem Witz an der DDR-Fassade gekratzt hat." Er sei eben als junger Mensch – wie so viele andere – nicht zum Widerstandskämpfer geboren gewesen, der es gewagt hätte, Nein zu sagen, so Diestel.

Der Weg auf die Bühne

Eberhard Cohrs
Eberhard Cohrs Bildrechte: MDR / Klaus Winkler

In den Hungerjahren nach dem Krieg gibt es für den gelernten Bäcker und Konditor zunächst wenig zu tun. Cohrs entschließt sich, seine lustige Ader zum Beruf zu machen. Über erste Radiosendungen kommt er bald ins Fernsehen. Er schreibt Programme, produziert Platten, tourt durch die Republik, steht solo auf der Bühne oder mit Partnern wie Horst Feuerstein und Bobby Bölke.

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Eberhard Cohrs in einem Sketch

Ob genuschelter Klamauk, quengliges Insistieren oder listige politische Witzelei – keine Frage: Cohrs gehört in den 70er Jahren zur ersten Garde der Komiker im Osten. "DDR-Spaßvogel Nummer eins" – so Cohrs selbst. Er darf früh auch im Westen gastieren. Und dort bleibt er 1977 schließlich auch. In der DDR war Cohrs zunehmend kaltgestellt worden. Nicht wegen seiner politischen Spitzen – vermutet Cohrs, als er "drüben" ist:

Denn wir haben politische Kabaretts, die wesentlich schärfer arbeiten wie ich. Ich sehe den Grund vielleicht eher da drin, ich habe seit einem Jahr einen Vertrag bei mir liegen […] und der hätte mir natürlich alle Freiheiten genommen.

Eberhard Cohrs, 1977, im "West-Radio"

Versuchter Neuanfang im Westen

Nach 30 Berufsjahren sollte ihm ein "Mentor" beratend zur Seite gestellt werden. Cohrs verweigert sich und verlässt die DDR. Er will Frau und Sohn nachholen. Hofft auf seine Chance im Westen. Im West-Radio sagt er: "Ich weiß ungefähr, bedingt durch die dreiunddreißigjährige Erfahrung, die ich habe, wo es hier langgeht. Auf gut Deutsch, hier wird auch nur mit Wasser gekocht. Ich weiß, was ihre Showmeister machen."

Rudi Carrell in seiner ARD Fernsehshow 'Am laufenden Band' mit mit Eberhard Cohrs
Eberhard Cohrs mit Rudi Carell in dessen Fernsehshow "Am laufenden Band" Bildrechte: imago images / United Archives

Doch der Neuanfang im Westen misslingt – trotz Starthilfe von Showmaster Rudi Carell. Cohrs rappelt sich auf, ohne indes an die großen DDR-Erfolge anknüpfen zu können. Er schreibt Gags für Dieter Krebs und Dieter Hallervorden, spielt Theater auf St. Pauli und in Bad Segeberg.

Zwischen Mauerfall und Vereinigung

Sendungsbild
Eberhard Cohrs Bildrechte: MDR/Klaus Winkler, honorarfrei

Nach dem Mauerfall, am 12. September 1990, sagte er, er habe sich natürlich gefreut, ausgerechnet nach Dresden, beziehungsweise Freital, gekommen sei, wo er geboren worden und wo er natürlich zu Hause gewesen sei die ganzen Jahre, und dass er nur dort wieder habe starten können. Das sei für ihn natürlich besonders schön."

Im September 1990 zieht Eberhard Cohrs zurück in den Osten, zu seinem Publikum. Ein paar seiner Pläne reifen noch, auch im Fernsehen ist er wieder zu sehen. Doch – er ist nun über 70 – das große Comeback gibt es nicht.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Januar 2021 | 06:40 Uhr

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